Riester: Gleiche Abschlusskosten trotz geringerem Eigenbeitrag?

Detlef Pohl Berater Versicherungen

Als die Frau 2011 zum ersten Mal Mutter wurde, reduzierte sie den Eigenbeitrag um 300 Euro – so hoch ist die jährliche Kinderzulage. Doch die Abschlusskosten blieben gleich hoch. Dasselbe passierte 2014 nach der Geburt des zweiten Kindes. Die Frau war enttäuscht: Wenn Kunden Eigenbeträge erhöhen, werden sie „vom Volkswohl Bund direkt mit höheren Kosten belastet“.

Bei niedrigeren Eigenbeträgen müssten die Kosten logischerweise sinken. Andernfalls sei Riester nicht geeignet, sich an geänderte Lebensumstände anzupassen. Als sich die Mathematikerin 2014 beim Versicherungsombudsmann beschwerte, winkte dieser laut Finanztest ab: Es gebe keine allgemeine Regelung, ihm seien „die Hände gebunden, grundlegend in die Kostenkalkulation des Versicherers einzugreifen“.

Versicherer erst von BMF-Schreiben gebremst

Doch die Frau ließ nicht locker. So wie offenbar auch andere Riester-Kunden, denen zwischen 2002 und 2019 von einigen Versicherern nach Senkung des Eigenbeitrags nicht die Abschluss- und Vertriebskosten reduziert wurden. Dazu gehörten laut BaFin auch die Allianz. Im Jahr 2019 wies das Bundes-Finanzministerium die Versicherer darauf hin, dass diese überhöhten Abschlusskosten unzulässig sind (BMF-Schreiben vom 14. März 2019; Randziffer 29).

Folge: Die Courtage für Vermittler müsste ebenfalls etwas nach unten korrigiert werden. „Das BMF-Schreiben gibt uns keine Handhabe für eine Reduzierung der Abschlussvergütung“, hieß es dagegen gestern auf Nachfrage von einer Sprecherin des Volkswohl Bundes. Grund: Die Courtage war komplett nach den ersten fünf Jahren Beitragszahlung verdient. 

Rückerstattung nach Beschwerde erhöht

Die Frau wandte sich daraufhin erneut an den Volkswohl Bund. Der lenkte ein und gab seinen Fehler zu: Nach der Reduzierung des Eigenbeitrags „haben wir zu Unrecht Abschlusskosten erhoben“; man werde 206 Euro zurückzahlen, zitiert Finanztest das Versicherer-Schreiben an die Kundin. Doch die Frau konnte den Betrag nicht nachvollziehen und verlangte eine Neuberechnung. Im Februar 2020, fast sieben Jahre nach der ersten Beschwerde, rechnete der Volkswohl Bund neu und schrieb 665 Euro gut.

Kommentar des Volkswohl Bundes: „Durch die 2019 geänderte Rechtsvorgabe waren wir in der Lage, der Kundin einen Teil ihrer Abschluss- und Vertriebskosten zu erstatten. Die spätere Mehrerstattung war eine Einzelfallentscheidung aus Kulanz.“ Schon seit langem berechne man bei Riester-Renten keine Abschlusskosten mehr, wenn ein Kunde seinen Eigenbeitrag senkt und ihn danach wieder erhöht. Seit Änderung der Rechtslage 2019 „erheben wir auch auf zukünftige Zulagen oder Zuzahlungen keine Abschlusskosten, wenn das eine Mehrfacherhebung darstellen könnte“, so die Sprecherin.

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Späte Einsicht beim Volkswohl Bund