Riester: Gleiche Abschlusskosten trotz geringerem Eigenbeitrag?

Detlef Pohl Berater Versicherungen

Die Riester-Rente erreicht alle Einkommensgruppen und erzielt ordentliche Renditen. Es gibt jedoch dringenden Reformbedarf. Gerade bei den Kosten müssen die Versicherer mehr Fairness walten lassen, wie ein Beispiel zeigt.

Riester-Kosten

Die Riester-Kosten sind mitunter noch intransparent. Hier sollten Vermittler für Klarheit beim Kunden sorgen. Bild: Pixabay / Steve Buissinne

Rund 18 Jahre nach ihrer Einführung ist die Riester-Rente hinsichtlich Rentabilität, Marktdurchdringung, gewünschter Kundengruppen sowie Verbreitung ein Erfolg. Zu diesem Schluss kommt die Studie „Die Riester-Rente: ‚Abwracken‘ oder ‚Aufrüsten‘?“. Die durchschnittliche Nettorendite nach Kosten, Förderung und Besteuerung für 2018 betrug demnach 3,4 Prozent (procontra berichtete).

Im untersuchten Riester-Kollektiv wird der Break-Even im Schnitt mit 78 Jahren erreicht. Unter der Annahme des Musterfalls übersteigen die gezahlten Netto-Renten die geleisteten Netto-Beiträge nach durchschnittlich 14 Jahren in der Rentenphase. Die durchschnittliche Lebenserwartung im Kollektiv beträgt 89 Jahre.

Jetzt gilt es, die Riester-Rente sinnvoll zu reformieren (procontra berichtete). Fördersystematik und laufende Verwaltung müssten deutlich vereinfacht werden. Ebenso sollte die obligatorische Beitragsgarantie flexibilisiert und den Kunden die Wahlmöglichkeit gegeben werden, in chancenreichere Produkte zu investieren (procontra berichtete).

Reform lässt auf sich warten, Kostentransparenz auch

Die Riester-Rente soll einfacher, billiger und effizienter werden (procontra berichtete). Was bislang nicht bei den Reformvorschlägen diskutiert wird: manche Kostenexzesse vereinzelter Versicherer. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu überteuerten Verträgen. So berechneten in der Vergangenheit einige Gesellschaften doppelte Abschluss- und Vertriebskosten bei Riester-Rentenversicherungen.

Mindestens 15 Anbieter hatten eine Senkung des Eigenbeitrags als Teilbeitragsfreistellung verstanden, so eine Marktwächter-Untersuchung. Jede erneute Erhöhung des Beitrags wurde dann wie ein Neuabschluss des Vertrags behandelt und führte zu neuen Kosten. Der Branchenverband GDV, der dies für weniger als 0,1 Prozent der Verträge zugab, forderte daraufhin seine Mitglieder auf, für die betroffenen Kunden individuelle Lösungen auf dem Kulanzweg zu finden (procontra berichtete). Seither scheint das Problem gelöst.

Unveränderte Abschlusskosten bei Senkung des Eigenbeitrags?

Aber wohl immer noch nicht überall. Wie die Zeitschrift Finanztest in ihrer August-Ausgabe berichtet, hatte eine Frau, die ihre Riester-Rente 2006 abgeschlossen hatte, beim Volkswohl Bund seit 2013 zu hohe Abschluss- und Vertriebskosten reklamiert. Zunächst vergeblich. Dabei war ihr klar: Wenn Kinder geboren werden, zahlt der Staat Kinderzulagen, als Folge sinkt der Eigenbetrag. Die jährlichen Abschluss- und Vertriebskosten orientieren sich jeweils am Eigenbeitrag.

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Späte Einsicht beim Volkswohl Bund

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