Renteninformation: vzbv warnt vor „Vertriebsinteressen“

Martin Thaler Versicherungen Top News

Die geplante säulenübergreifende Renteninformation der Bundesregierung findet von Seiten der Verbraucherschützer Zustimmung. Jedoch sieht der vzbv in einigen Punkten Nachbesserungsbedarf und fordert flankierende Reformen.

Klaus Müller

Der vzbv unter Vorstand Klaus Müller fordert bei der Einführung der säulenübergreifenden Renteninformation einige Anpassungen. Bild: vzbv

Die säulenübergreifende Renteninformation kommt – wenn es nach den Plänen der Bundesregierung geht, soll das entsprechende Gesetz noch in diesem Herbst verabschiedet werden, 2022 soll die Renteninformation dann starten. 

Zustimmung zum vorgelegten Gesetzesentwurf gibt es nun vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), die in einer Stellungnahme zum Gesetzesentwurf zum Ausdruck kommt: „Ein solches Angebot kann, flankiert von anderen Reformen, einen Betrag dazu leisten, Vertrauen in die Altersvorsorge wiederherzustellen.“  

Um dies zu erreichen, sind aus Sicht der Verbraucherschützer jedoch einige Bedingungen zu erfüllen: Hier findet die bereits in der Vergangenheit oftmals von Seiten des vzbv vorgebrachte Forderung wieder Erwähnung, eine Finanzberatung einzuführen, „die von den Vertriebsinteressen der Produktanbieter unabhängig ist“. Ähnliche Kritik war bereits bei der Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD in deutsches Recht geäußert worden.  

In diesem Rahmen bewegt sich auch die Forderung nach Neutralität. So dürfe mit den dargebotenen Informationen weder das Ziel verbunden werden, Ängste zu schüren noch dürften sie „als Verkaufsargument missbraucht werden“.  

Analoger Zugang

Darüber hinaus fordern die Verbraucherschützer, dass die Renteninformation von Anfang an so vollständig wie möglich gestaltet werden sollte. „Angaben zur gesetzlichen, betrieblichen und staatlich geförderten privaten Altersvorsorge sollten von Anfang an verpflichtend eingebunden werden.“ Auch nicht geförderte Produkte sollen eingebunden werden. Bislang sieht der Gesetzesentwurf vor, eine verpflichtende Datenübermittlung erst 2023 – nach Abschluss einer einjährigen Pilotphase – einzuführen.  

Zudem verwehrt sich der vzbv dagegen, Prognosewerte in die Renteninformation aufzunehmen. Solche Einschätzungen werten die Verbraucherschützer als problematisch, da diese suggerieren würden, genau zu wissen, wie sich die Finanzmärkte entwickeln würden. „Wenn sich die Verbraucher durch die Rentenübersicht falsch informiert fühlen, weil die tatsächlichen Ergebnisse von den Prognosen abweichen, wird Vertrauen in großem Umfang verloren gehen.“ Entsprechend solle sich die Renteninformation auf den Status quo beschränken.  

Neben dem digitalen Rentenportal, auf dem die Daten einsehbar sein sollen, fordern die Verbraucherschützer eine analoge Version, die von Menschen in Anspruch genommen werden kann, die keine digitalen Medien nutzen. Der Vorschlag: Die Informationen sollen zu einem bestimmten Stichtag allen Verbrauchern per Post zugestellt werden. „Ein solches Vorgehen wäre geeignet, periodisch die persönliche und mediale Aufmerksamkeit auf die Altersvorsorge zu lenken.“  

Bei der Altersvorsorge müsse zudem der Produktbegriff erweitert werden, damit die Altersvorsorge nicht auf „die versicherungsförmige Altersvorsorge“ beschränkt bleibt. „Eine solche Privilegierung erscheint unter den heutigen Marktbedingungen nicht gerechtfertigt“, argumentiert der vzbv.

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