Motorradfahrer melden seltener Haftpflichtschäden

Anne Hünninghaus Versicherungen

Fahrern von Krafträdern hängt in Deutschland oft ein Raser-Image nach. Dabei liegen sie mit Blick auf die Schadenhöhen weit hinter Autofahrern, wie Zahlen der R+V offenbaren.

Im vergangenen Jahr meldeten bei der R+V nur acht von 1.000 Motorradbesitzern einen Haftpflichtschaden.

Im vergangenen Jahr meldeten bei der R+V nur acht von 1.000 Motorradbesitzern einen Haftpflichtschaden. Bild: Adobe Stock/Photographee.eu

Motorradfahren gilt als riskantes Hobby – das zuletzt in Deutschland immer mehr Verbreitung gefunden hat. So ist die Anzahl der Neuzulassungen von Motorrädern und weiteren Krafträdern in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr spürbar gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden rund 168.000 Maschinen neu zugelassen. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es etwa 158.000.

Inzwischen sind 4,5 Millionen Krafträder auf Deutschlands Straßen unterwegs. Entgegen häufiger Vorurteile verursachen Kraftradfahrer offenbar seltener Unfälle als Autofahrer. Das zeigt zumindest eine aktuelle Statistik der R+V Versicherung. Den Zahlen zufolge meldeten im vergangenen Jahr nur acht von 1.000 Motorradbesitzern einen Haftpflichtschaden. Bei den Autofahrern waren es laut R+V achtmal so viele.

Größere Gefahr = größere Umsicht?

Als Grund dafür sieht die Versicherung die größere Gefährdung von Motorradfahrern im Falle eines Crashs: Da Kollisionen für Biker meist nicht so glimpflich ausgingen wie für Autofahrer, würden diese oft umsichtiger fahren. Laut GDV profitieren Motorradfahrer tatsächlich nicht von den allgemeinen Fortschritten in der Verkehrssicherheit. 2018 wurden 619 Biker getötet, was einem Anteil von 21 Prozent an allen Verkehrstoten entspricht. Inzwischen ist damit ihr Risiko, bei einem Unfall ums Leben zu kommen, bezogen auf die gefahrenen Kilometer, etwa 21 Mal höher als im Auto. Generell ist mit Blick auf die Erhebung des Statistischen Bundesamts insgesamt die Zahl der Kraftradunfälle im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2018 minimal gestiegen.

Statt einfacher Blechschäden ziehen Unfälle mit Krafträdern teils schwere Verletzungen nach sich. Auch das spiegelt sich der R+V zufolge in den Schadenaufwendungen wider: Für Kfz-Haftpflichtschäden von Autobesitzern hat die Versicherung im Jahr 2019 durchschnittlich etwa 3.700 Euro gezahlt, bei Motorradfahrern waren es mit 5.000 Euro deutlich mehr.