Jeder Vierte denkt über Kündigung seiner Versicherungen nach

Florian Burghardt Berater Versicherungen Corona

In der Coronakrise wollen viele Menschen Kosten sparen. Nicht wenige denken dabei auch an Beitragsfreistellungen oder Kündigungen ihrer Verträge. Kurzarbeiter und Arbeitslose tun dies deutlich öfter. Diese Haltung könnte bald noch zunehmen.

Von den Arbeitslosen, die sich in der Coronakrise mit ihren Versicherungen auseinandergesetzt haben, denkt jeder Zweite über Vertragskündigungen nach.

Von den Arbeitslosen, die sich in der Coronakrise mit ihren Versicherungen auseinandergesetzt haben, denkt jeder Zweite über Vertragskündigungen nach. Bild: Pixabay

Die Corona-Krise ruft mit Blick auf Versicherungsverträge das unterschiedlichste Verhalten bei Verbrauchern hervor. Die einen beschäftigen sich, die Krise vor Augen, endlich mit ihrer Altersvorsorge und schließen auch tatsächlich Verträge ab. Die anderen fühlen sich eher abgeschreckt und halten ihr Geld lieber zusammen, anstatt es in Neuabschlüsse zu investieren.

Die Neugeschäftsentwicklung ist für die Versicherer das eine, der Erhalt des Bestands das andere. Hier haben die Unternehmen schon seit Beginn der Krise einen Trend vor Augen, den sie aufhalten möchten: Eine Welle von Beitragsfreistellungen oder gar Kündigungen von Policen. Denn vielen Menschen fehlt aktuell Geld in der Kasse und das könnte sie dazu verleiten, ihre Versicherungsbeiträge mittel- oder sogar langfristig einstellen zu wollen.

Viele Arbeitslose wollen Verträge kündigen

Laut einer Studie des Nürnberger Marktforschungsunternehmens infas quo haben sich bis Ende Mai 28 Prozent der Deutschen intensiv mit ihren Versicherungen auseinandergesetzt oder wollen dies zeitnah noch tun. Dabei fällt auf: Kurzarbeiter (35 Prozent) und vor allem Arbeitslose (80 Prozent) tun dies aktuell verstärkt. An der Umfrage haben 1.179 Personen teilgenommen.

Von den Personen, die sich während der Corona-Krise mit ihrem Versicherungsportfolio auseinandersetzen, tendieren 16 Prozent zu einer Beitragsfreistellung und 23 Prozent zu einer Kündigung, um sich wieder mehr monatliche Liquidität zu verschaffen. Bei Menschen mit aktuell reduziertem Einkommen ist die Bereitschaft für diese Optionen noch deutlich höher. Kurzarbeiter denken zu 20 Prozent an eine Freistellung und zu einem Drittel an eine Kündigung. Bei den Arbeitslosen erwägen sogar 30 Prozent eine Freistellung und mit 46 Prozent fast jeder Zweite eine Kündigung eines oder sogar aller seiner Verträge.

Welche Chancen haben Vermittler?

Die Studienautoren verweisen darauf, dass im Mai 577.000 Menschen mehr arbeitslos waren als im Vorjahresmonat (ein Anstieg um rund ein Viertel). Wirtschaftsforscher würden allerdings durch bevorstehende Insolvenzen noch mit einer weiteren Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation rechnen. Die würde auch die Bereitschaft für Beitragsfreistellungen und Stornos deutlich erhöhen, so die Prognose.

Für Vermittler sind die Überlegungen ihrer Kunden leider nicht sichtbar und nur selten beziehen die Verbraucher ihre Berater frühzeitig in ihre Gedanken mit ein. Genau hier sieht man bei infas quo aber die Möglichkeit für Makler und Vertreter zum Intervenieren. Schließlich bieten die Versicherer ihren Kunden in der Krise Alternativen zur Kündigung an und die Vermittler können ihnen dies verständig machen.

Laut den Studienautoren wird es auch darauf ankommen, welche Erlebnisse die Kunden bislang mit Versicherer und Vermittler hatten. Wenn sich der Kontakt positiv gestaltet, dann müsse die Regel nicht zwingend lauten, dass weniger Einkommen auch automatisch zu weniger Versicherungen führe.

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