Insurtechs: Telemedizin gewinnt an Bedeutung

Michael Fiedler Digital

Die Investitionen in Insurtechs steigen nach den Einbrüchen im 1. Quartal 2020 wieder an. Welche Trends sich ableiten lassen und worauf es ankommt, wenn Wohngebäudeversicherer mit technischen Neuerungen profitabel werden wollen.

Welche Trends sich aus dem aktuellen Insurtech-Briefing ableiten lassen.

Dr. Niki Winter, Director und Digitalisierungsexperte (links) und Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson Deutschland.

Die Unsicherheiten der Corona-Pandemie waren auch am Insurtech-Markt zu spüren. Weltweit brachen im ersten Quartal die Investitionen in datengetriebene neue Versicherer ein. Im zweiten Quartal 2020 stiegen die Investitionen allerdings um 71 Prozent auf 1,56 Milliarden US-Dollar an, geht aus dem aktuellen InsurTech Briefing von Willis Towers Watson (englisch, PDF) hervor. Die im Vergleich zum Vorquartal hohe Gesamtsumme sei vor allem auf vermehrte Later-Stage-Finanzierungen, darunter vier Megadeals mit einem Investitionsvolumen von jeweils über 100 Millionen US-Dollar zurückzuführen, so das Beratungshaus. Lässt sich das als Erholung am Insurtech-Markt lesen? Soweit wollte Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson Deutschland, nicht gehen: „Auch wenn die Gesamtsumme der Investitionen in diesem Quartal deutlich angestiegen ist, sollten wir hieraus keine Erwartung für die kommenden Monate ableiten. Ob und wie der Insurtech-Markt sich von den Auswirkungen der COVID-19 Pandemie erholen wird und wie sich die Lage weiterentwickelt, werden wir erst in ein bis zwei Jahren sehen.“

Investoren wollen „Reife“

Zwar stieg die Gesamtsumme der Investitionen, doch die Zahl der Abschlüsse lag 23 Prozent unter dem Wert des ersten Quartals. „Wir sehen, dass sich Investoren wieder vermehrt auf Investitionen in reifere Insurtechs fokussieren. Daraus ergeben sich hohe Finanzierungsrunden, welche die gestiegene Gesamtsumme bei geringerer Anzahl an Abschlüssen erklären“, sagt Niki Winter, Director und Digitalisierungsexperte bei Willis Towers Watson in Deutschland.

Telemedizin gewinnt an Bedeutung

Insurtechs aus dem Leben- und Krankenversicherungsbereich konnten gegenüber dem Vorquartal aufholen: Ihr Anteil an den Investitionen lag bei 32 Prozent – und damit 17 Prozent höher als im 1. Quartal 2020. „Das könnte darauf hinweisen, dass diese Sparte in Pandemie-Zeiten größere Aufmerksamkeit erhält. Der Stellenwert von Technologie im Leben- und Krankensektor steigt – vor allem im Bereich der Telemedizin, die in den vergangenen Wochen an Bedeutung gewonnen hat“, sagt Winter. Die weitaus meisten Investitionen entfielen allerdings auf Insurtechs aus dem Schaden- und Unfallbereich. Sie erhielten 68 Prozent aller Investitionen.

Daten sinnvoll nutzen!

Technische Neuerungen, wie z.B. Sensoren zur Erkennung von Wasserschäden, intelligente Bewegungsmelder oder Smart Meter zum automatischen Ermitteln der Stromdaten, sollen auch dabei helfen, die Wohngebäude-Sparte profitabel zu gestalten. So könnten Risiken individueller eingestuft und teure Schäden vermieden werden. „Jedoch gilt – nur wenn der Versicherungsnehmer dem Versicherer die geforderten Daten auch zur Verfügung stellt, können Verträge und Preise individuell und sogar in Echtzeit bestimmt werden“, sagt Klüttgens. „Die Fähigkeit der Versicherer, Daten sinnvoll zu nutzen, spielt hierbei die entscheidende Rolle. Dynamische Preisanpassungen, welche die Profitabilität der Versicherer steigern, finden auch in dieser Versicherungssparte erfolgreich Anwendung.“ Und das kann die Sparte gut gebrauchen, denn ein Großteil der Versicherer schreibt mit der Wohngebäudesparte eher rote Zahlen.

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