Inhaltsversicherungen: „Die Unterschiede sind enorm“

Martin Thaler Handelsschutz Berater Top News

Die Inhaltsversicherung ist die Hausratversicherung für Gewerbetreibende und folglich von enormer Bedeutung. Die Unterschiede zwischen den Anbietern fallen jedoch gewaltig aus: Worauf es bei der Vermittlung ankommt, erklärt im Interview Spezialmakler Björn Guido Haag.

Björn Guido Haag

Die Inhaltsversicherung ist die wichtigste Versicherung für Einzelhändler, sagt Versicherungsmakler Björn Guido Haag von der Richard Böck Versicherungsmakler GmbH. Bild: Richard Böck Versicherungsmakler GmbH

procontra: Welchen Stellenwert hat die Inhaltspolice für Händler?   

Björn Guido Haag: Es ist die wichtigste Police für Einzelhändler. Die meisten Einzelhändler haben ihre Warenläger und/ oder Betriebseinrichtungen finanziert oder geleast, so dass der Händler bei einem großen Schaden vor dem finanziellen Aus steht, wenn er sich hier nicht abgesichert hat.   

procontra: Inhaltsversicherungen gibt es zahlreiche am Markt. Wie groß fallen die preislichen und qualitativen Unterschiede zwischen den einzelnen Policen aus?   

Haag: Die Unterschiede sind enorm: Bei den Prämien gibt es beispielsweise teils Unterschiede von mehreren hundert Prozent. Auch bei den Deckungen fallen die Unterschiede deutlich aus: Hier gilt es auf jeden Fall zu unterscheiden zwischen integrierten Konzepten, die auf eine bestimmte Branche wie den Einzelhandel zugeschnitten sind, und Standardpolicen, die heute einem Schreiner und morgen einem fleischverarbeitenden Betrieb angeboten werden.   

procontra: Wie wichtig ist die richtige Festlegung der Versicherungssumme?   

Haag: In der klassischen Inhaltsversicherung gibt es einerseits eine Versicherungssumme für die technische und kaufmännische Betriebseinrichtung und eine für die Warenvorräte. In vielen Fällen liegt hier bereits das Hauptproblem: Diese Summen müssen natürlich stimmen. Insbesondere im Handel ist es häufig festzustellen, dass diese Summen, insbesondere diejenige für die Betriebseinrichtung, relativ niedrig bewertet werden – für die Händler ein probates Mittel, um ihre Prämien zu senken. Das ist natürlich auf den ersten Blick positiv, wenn dann aber im Schadensfall der Sachverständige eine Unterversicherung feststellt, kann das für den Versicherungsnehmer sehr unangenehm werden. Vielen Versicherungsnehmern ist zudem nicht klar, dass sie die Betriebseinrichtung zum Neuwert kalkulieren müssen. Auch wenn die Einrichtung bereits 30 Jahre alt und bilanziell längst abgeschrieben ist, muss der Versicherungsnehmer den Wert der Einrichtung so bewerten, dass er eine neue Einrichtung erwerben kann. Vielen Versicherungsnehmer ist das nicht bewusst und kalkulieren vielleicht, was ihn ein potenzieller Käufer hierfür zahlen würde. Hier ergeben sich häufig sehr große Diskrepanzen.   

procontra: Der Einzelhandel ist ja ständig in Bewegung: Kollektionen kommen und gehen, das Sortiment wird erweitert oder verringert, die Verkaufsfläche wird erweitert oder verkleinert – muss die Versicherungssumme dann ständig angepasst werden?   

Haag: Im Grunde genommen muss die Versicherungssumme permanent angepasst werden. Bei einem Textileinzelhändler beispielsweise verändert sich der Warenwert regelmäßig: Die Winterware ist wesentlich teurer als die Sommerware – bei einem Brand im Lager wäre der Schaden im März folglich wesentlich geringer als im Oktober. Um sich hier zu helfen, müssen sie bei einer Versicherungssummenpolice entweder den Warenhöchstlagerwert versichern oder – das ist zwar mittlerweile selten geworden, aber tatsächlich am Markt noch zu finden – mit dem Versicherer eine Stichtagsmeldung vereinbaren, an dem dem Versicherer jeweils der konkrete Warenwert genannt wird. Das ist natürlich sehr aufwendig und risikoreich, denn wenn der Versicherungsnehmer den Stichtag versäumt, haftet der Versicherer nur mit der letztgenannten Summe. Das ist aber alles nicht mehr “up to date”, heute gibt es mittlerweile viel bessere und einfachere Produkte. 

procontra: Wie sehen diese aus?   

Haag: Bei einer sogenannten Umsatzpolice haftet der Versicherer bis zu einer sogenannten Höchstentschädigungsgrenze, abgerechnet wird die Prämie aber nur mit ihrem erwirtschafteten Umsatz, der auch immer mit der Höhe des Warenlagers in Verbindung steht. Darüber gibt es – zumindest bei uns – die Möglichkeit für den Textil-, Schuh- und Sporthandel eine Police abzuschließen, deren Prämie sich auf der Basis der Verkaufsfläche berechnet – die Verkaufsfläche ist der einzige Parameter, den der Versicherer braucht.    Das ist nicht nur für den Kunden wesentlich bequemer, sondern auch für den Makler, der sonst ja praktisch beständig bei seinem Kunden nach möglichen Veränderungen nachfragen müsste.   

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