Zinssenkungen bei der nächsten Pensionskasse

Detlef Pohl Recht & Haftung Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Die Pensionskasse für die Deutsche Wirtschaft hat den Rechnungszins im Bestand für die Zukunft gesenkt. Was die Bilanz noch zeigt und welche Beschlüsse die Mitgliederversammlung fasste.

Die Pensionskasse für die Deutsche Wirtschaft (PKDW) hat die Rechnungszinsen im Bestand ab 2021 drastisch gesenkt. (Bild: Pixabay/Peter Stanic)

Pensionskassen legen in diesen Wochen vermehrt ihre Geschäftsberichte für 2019 vor, darunter auch Deutschlands größte Pensionskasse BVV (procontra berichtete). Kürzlich folgte der Jahresabschluss 2019 der 1930 als Pensionskasse der chemischen Industrie Deutschlands gegründeten und 1996 nach Öffnung für alle Branchen umbenannten Pensionskasse für die Deutsche Wirtschaft (PKDW).

Die regulierte Kasse hatte 2003 Leistungen gekürzt. Daraufhin war sie von einem betroffenen Betriebsrentner verklagt worden, der kürzlich vor dem Bundesarbeitsgericht scheiterte, den gekürzten Betrag nachgezahlt zu bekommen. Er geht leer aus, weil er durch die gekürzte Pensionskassenrente weder unter die Armutsgrenze fällt noch eine Kürzung um mehr als die Hälfte hinnehmen musste (procontra berichtete).

Niedrigzinsen bringen Kassen in Bedrängnis

Nun reagiert die altgediente Firmenpensionskasse vorausschauend auf die anhaltend niedrigen Zinsen in der Kapitalanlage, mit denen sich der tarifgemäß garantierte Zins für die bAV-Verträge nur noch unter Schwierigkeiten erwirtschaften lässt. Bei den Neu-Anlagen wurde 2019 eine Rendite von 2,17 Prozent erzielt (2018: 2,07 Prozent), heißt es im Geschäftsbericht. Da die Kasse noch auf ältere und damit höher verzinsliche Papiere in ihrer Bilanz zurückgreifen konnte, kam man auf der Aktivseite noch auf 3,32 Prozent Rendite mit festverzinslichen (2018: 2,98 Prozent).

Das liegt derzeit noch oberhalb der in den Verträgen garantierten Verzinsung von durchschnittlich 2,83 Prozent auf der Passivseite. Dieser Wert setzt sich aus unterschiedlichen Rechnungszinsen für Altverträge zwischen 4,0 Prozent (bis Ende 2003) bis 0,9 Prozent (ab 2017) zusammen. In der Vergangenheit wurden nahezu 90 Millionen Euro aufgewendet, um die 4-Prozenter um einen Prozentpunkt herabzusetzen. Dies wurde zum 31. Dezember 2018 vollzogen, ohne dass es zu etwaigen Leistungseinschränkungen kam, sagte PKDW-Vorstand Andreas Fritz dem Online-Branchendienst LEITER-bAV.de. Die Finanzierung: „Die Deckungsrückstellung wurde aus eigenen gesondert gebildeten Reserven der Pensionskasse gestärkt“, so Fritz auf Nachfrage von procontra.

„Der Renditedruck setzt immer mehr zu, da langfristig keine auskömmliche Rendite bei der Neuanlage im festverzinslichen Anlagesegment zu erzielen ist. Das Ausweichen auf andere Anlageklassen verändert das Risikoprofil“, so die nüchterne Aussage in der Bilanz. Die Lage wird kritisch bewertet: „Die Duration auf der Aktivseite liegt deutlich unter der Duration der Passivseite. Bei Wiederanlagezinsen unter dem Verpflichtungsniveau der Passivseite wird so die wirtschaftliche Stabilität im Laufe der Jahre immer weiter ausgehöhlt“, heißt es klipp und klar im Geschäftsbericht. Der Vorstand betont auf Nachfrage, vorausschauend gehandelt zu haben.

Unveränderte Überschussbeteiligung 

Klar ist, dass es für das abgelaufene Jahr eine Überschussbeteiligung wie im Vorjahr gibt. Vor allem die vorhandenen Schlussüberschussanteile stehen weiterhin zur Rentenerhöhung zur Verfügung. Eine weitere Dotierung der RfB ist nicht durchgeführt worden. Im Anhang zur Bilanz wird klargestellt, dass der Jahresüberschuss (Geschäftsergebnis) von 3,254 Millionen Euro (2018: 653.000 Euro) wie schon im Vorjahr vollständig in die Verlustrücklage eingestellt worden ist. Die Verlustrücklage hat sich damit auf 65,895 Millionen Euro erhöht.

Im Prinzip war das Jahresergebnis 2019 noch um 4,7 Millionen Euro besser. Dieser Betrag wurde jedoch in die inzwischen gebildete Rückstellung zur Biometrie-Verstärkung eingestellt. Sie soll zur Absicherung der Rentenzahlungen der männlichen Rentner dienen, von denen viele länger leben als von den Aktuaren kalkuliert. Dieses über mehrere Jahre laufende Vorhaben soll bis zum 31. Dezember 2022 abgeschlossen sein.

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Was Zinssenkung im Future-Service bedeutet

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