Gold: Sicherheit trumpft Rendite

Anne Hünninghaus Corona Berater Sachwerte

Insbesondere im Verlauf der Corona-Krise hat die Attraktivität des Edelmetalls weiter zugelegt. Laut einer aktuellen Studie kommt es Goldanlegern in Deutschland mehr auf Wertstabilität als auf Rendite an.

Gold ist für knapp die Hälfte der deutschen Anleger im Verlauf der Corona-Krise attraktiver geworden.

Gold ist für knapp die Hälfte der deutschen Anleger im Verlauf der Corona-Krise attraktiver geworden. Bild: Adobe Stock/M. Schuppich

Insbesondere in der Krise gilt: Geldanlagen müssen vor allem sicher sein – die in Deutschland ohnehin nicht besonders ausgeprägte Risikobereitschaft schrumpft zusehends. 61 Prozent der deutschen Anleger gaben kürzlich in einer Umfrage der Quirion Privatbank an, dass ihr Sicherheitsbedürfnis durch Corona weiter gestiegen ist. Das macht offenbar Investments in Edelmetalle wie Gold attraktiv: 44 Prozent der Studienteilnehmer halten diese für interessanter als noch vor einem halben Jahr.

Diese Zahl deckt sich weitgehend mit dem Ergebnis einer aktuellen Studie des Edelmetallanbieters Heraeus, für die im Juli rund 1.700 Frauen und Männer befragt wurden. Angesichts der Corona-Krise haben 44 Prozent ihre Anlagestrategie geändert – besonders Gold profitierte von diesen Umschichtungen. Seit Jahresbeginn hat sich Gold in der Spitze um mehr als 36 Prozent verteuert und mit 2.072 Dollar sogar einen neuen Rekord erzielt. Das „Handelsblatt" bezeichnete das Edelmetall als „psychologisches Therapeutikum" für Anleger. Angesichts der andauernden Pandemie rechnet die Bank of America indes damit, dass in den kommenden zwei Jahren der Preis noch weiter steigen wird – bis 2022 haben die Analysten an der Wall Street das Preisziel auf 3.000 Dollar festgesetzt. Während die führenden Notenbanken also weiter Geld drucken und Konjunkturpakete schnüren und die Niedrig- und Negativzinspolitik auf absehbare Zeit kein Ende nehmen wird, scheint Gold als solide Investition immer relevanter.

Gold steht für Werterhalt

Für die meisten deutschen Goldanleger ist Sicherheit wichtiger als Rendite. So steht Gold nach Ansicht von 67 Prozent der Befragten für Werterhalt. Knapp 63 Prozent sehen in dem Edelmetall einen „sicheren Hafen“. Genau die Hälfte der Anleger werten die Investition in das Edelmetall als wirksamen Inflationsschutz, was besonders im Hinblick auf den ungewissen Fortgang der Pandemie relevant sein dürfte. Rendite durch Kurssteigerung erhoffen sich hingegen nur 18 Prozent der Umfrageteilnehmer.

Bei der Lagerung scheint das Thema Sicherheit für die meisten allerdings eine geringere Rolle zu spielen: Zwar verwahren 45 der Befragten ihr Gold in einem Bankschließfach, bei 36 Prozent sind Barren und Münzen allerdings zu Hause aufbewahrt. Lediglich 21 Prozent setzen auf die Sammelverwahrung beim Händler.

Das ist der typische Goldanleger

Der typische Goldbesitzer ist männlich (stolze 83 Prozent) und älter als 51 Jahre (54 Prozent). Immerhin jeder dritte Befragte gab an, dass Gold mehr als ein Zehntel seines Vermögens ausmacht. Der Großteil von ihnen besitzt das Metall in Form von Barren (73 Prozent), ebenfalls beliebt sind Münzen (59 Prozent). Zu Schmuck verarbeitetes Gold ist mit 12 Prozent deutlich weniger verbreitet. Acht von zehn Goldkäufern bestellen das Edelmetall online – der Internet-Erwerb liegt weit vor dem beim Händler vor Ort oder bei der Bank. Auch die Informationen über Gold beziehen knapp 90 Prozent der Befragten über das Internet, den Anlageberater wählen nur 5 Prozent als Quelle.

Die Aussichten für Gold sehen die meisten Befragten unverändert positiv. Mehr als die Hälfte geht davon aus, dass sich das Edelmetall in den kommenden zwölf Monaten besser entwickeln wird als Aktien, Immobilien oder andere Rohstoffe. Auch Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst im Firmenkundengeschäft der Commerzbank, bewertet Gold im Interview mit procontra als krisenstabile Anlage.

Allerdings sieht er in puncto Preisentwicklung nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial. Auch sein in klassischen Goldnachfrageländern, wie zum Beispiel der Türkei sowie den Staaten im Mittleren Osten zu beobachten, dass die Nachfrage nach dem Edelmetall unter Druck gerät. Gemäß den Schätzungen eines renommierten Analysehauses für Gold werde, so Fritsch, die Investmentnachfrage nach Münzen, Barren und ETFs in diesem Jahr höher sein als die Schmucknachfrage. „Aber sobald die Investmentnachfrage zum Beispiel wegen ETF-Verkäufen nachlässt, kann der Markt drehen. Die Nachfrage und der Goldpreis hängen also auch sehr stark von der Laune der Investoren ab.“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare