Gesundheit: Was sich die Deutschen von den Versicherern wünschen

Martin Thaler Versicherungen

Viele Deutsche haben Angst vor dem Verlust ihrer Unabhängigkeit im Alter – vor allem die Angst, nicht mehr im eigenen Haus wohnen zu können, beschäftigt die Menschen. Versicherer könnten hier mit neuen Leistungen ansetzen.

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Beim Thema Gesundheit gibt es für die Versicherer hohes Marktpotenzial, sofern sie bestimmte Leistungen in ihre Tarife integrieren. Bild: Adobe Stock/ Artem

Die Themen Altersvorsorge und Gesundheit genießen derzeit bei den Bundesbürgern eine hohe Priorität. Dies unterstreichen nicht nur gestiegene Abschlusszahlen von Altersvorsorge-Verträgen, sondern auch die Umfrage „Elderly Care“ des Beratungshauses PwC unter 2.000 Deutschen.

Für die meisten der Befragten sind die Versicherer bei den genannten Themen die ersten Ansprechpartner: „Unsere Umfrage zeigt, dass viele Menschen die Versicherungen für prädestiniert halten, genau solche Angebote zu machen“, sagt Matthias Röcker, Leiter des Bereichs Insurance bei PwC in Deutschland.  

Allerdings scheint die Mehrheit der Deutschen von den Versicherern mehr zu erwarten, als sie derzeit bekommen. So wünschen sich laut Umfrage drei Viertel der Befragten, dass sämtliche Gesundheits- und Vorsorgelösungen aus einer Hand, sprich vom Versicherer kommen. Insbesondere bei der Gesundheitsvorsorge befürworten viele Menschen eine Leistungsausweitung: Gewünscht werden unter anderem eine „Medikamentenzustellung direkt nach Hause“ (würden 53 Prozent nutzen), Hilfe beim seniorengerechten Wohnungsumbau (48 Prozent) sowie das Angebot von Videosprechstunden (würden 68 Prozent zumindest eventuell nutzen).  

„Viele Menschen wünschen sich ein Rundum-Sorglos-Paket, das Ihnen die größten Ängste nimmt. Hier müssen Versicherungen zeigen, ob es ihnen möglich ist, diese Chance wahrzunehmen und den Kunden entsprechende Leistungen zu vertretbaren Kosten anzubieten“, kommentierte Röcker das Ergebnis.  

Unabhängigkeit im Alter

Oberstes Ziel der meisten Befragten ist es dabei, ihre Unabhängigkeit auch im Alter so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. So wünscht sich praktisch jeder (93 Prozent), dass es von Seiten der Versicherer mehr Bemühungen geben sollte, „älteren Menschen so lange wie möglich das Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen“.  

Für die Versicherer bieten diese Sorgen ein hohes Marktpotenzial, ist man bei PwC überzeugt – viele Befragten erklärten sich nämlich bereit, für gute Angebote auch mehr zu bezahlen. Ein Fünftel erklärte, eine Versicherungspolice für Notfall-Dienstleistungen, ein sicheres Zuhause und haushaltsnahe Dienstleistungen auf jeden Fall abschließen, für die Hälfte käme eine solche Versicherung zumindest eventuell in Betracht.   Auch ein Verhaltensbonus – wie ihn beispielsweise die Generali in ihren Vitality-Tarifen anwendet – in der Pflegeversicherung scheint für viele Menschen denkbar. 24 Prozent gaben an, einen solchen definitiv abschließen zu wollen, knapp die Hälfte (49 Prozent) kann es sich zumindest vorstellen.

„Unter dem Strich steht die Erkenntnis, dass es den Menschen darum geht, ihre Unabhängigkeit im Alter zu bewahren - und dass sie nicht nur offen für entsprechende Angebote von Versicherungen wären, sondern diese geradezu erwarten", sagt Röcker.  

Kosten über Digitalisierung auffangen

Die mit einer Ausweitung des Leistungsspektrums verbundenen Kosten könnten über die Digitalisierung aufgefangen werden, ist Michael Burkhardt, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC, überzeugt. Viele Menschen zeigte sich zunehmend offen für digitale Dienstleistungen, wie die elektronische Gesundheitsakte oder die App-gestützte Identifikation von Gesundheitssymptomen – diese Zustimmung könnte durch erhöhte Transparenz und Aufklärung weiter steigen, so Burkhart.

Ein weiterer Treiber könnte zudem die Corona-Pandemie darstellen – vor allem die Telemedizin könnte hiervon profitieren. „Es gab viele Vorbehalte. Jetzt ändert sich die öffentliche Wahrnehmung in Sekundenschnelle“, erklärte Katharina Jünger, Gründer des Münchener Telemedizin-Startup Teleclinic im Gespräch mit procontra.

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