Gescheiterte Partnersuche: Warum Elektroautobauer zu Versicherungsanbietern werden

Anne Hünninghaus Versicherungen Berater

Nach Tesla kündigt mit Quantron nun der nächste Hersteller von E-Fahrzeugen an, künftig auch in Deutschland Versicherungspolicen anzubieten. Als Grund für die Eigeninitiative genannt wird ein mangelhaftes Portfolio traditioneller Versicherer für diesen speziellen Markt.

Mit Quantron plant bereits der zweite E-Auto-Hersteller, in Deutschland eine eigene Kfz-Versicherung anzubieten

Mit Quantron plant bereits der zweite E-Auto-Hersteller, in Deutschland eine eigene Kfz-Versicherung anzubieten. Bild: Adobe Stock/Harald Schindler

Über Elektroautos wird viel gesprochen und geschrieben – auf deutschen Straßen sind sie bislang aber noch eine Rarität. Laut Kraftfahrzeugbundesamt machten E-Autos gerade einmal 0,3 Prozent (136.617) am Gesamt-Pkw-Bestand von rund 47,7 Millionen Fahrzeugen aus. Die Tendenz ist allerdings steigend und das ist zum Teil auch auf die Förderzusagen der Bundesregierung zurückzuführen. Das von der Groko angepeilte Ziel, dass bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollen, unterstützt sie mit einer Kaufprämie, dem sogenannten „Umweltbonus“ von bis zu 6.000 Euro pro Stromer.

Für den Versicherungsmarkt ist das Thema bisher nicht allzu lukrativ. Komplexe Technik, hochpreisige Hochleistungsbatterien und eine grundlegend andere Bauweise, die weniger kleinteilig ist als bei konventionellen Fahrzeugen, führen zu erhöhten Prämien – und das trotz der von Herstellern durch den technischen Vorsprung versprochenen Minderung des Unfallrisikos. Hierzu wiederum fehlt es in Deutschland noch an Erfahrungswerten, auf die Versicherer bauen können.

US-Hersteller Tesla macht daher kurzen Prozess: Statt in Verhandlung mit möglichen Partnern zu gehen, kündigte der Autobauer schon vor Wochen an, selbst in den europäischen Versicherungsmarkt einzusteigen. Für den neuen Fabrikstandort Berlin-Brandenburg werden schon seit Mai Versicherungsexperten gesucht, um künftig maßgeschneiderte Versicherungsprodukte für Tesla-Eigentümer zu entwickeln, in wenigen Bundestaaten der USA sind diese bereits verfügbar. Statt für die Tarifsetzung Schadenfälle rückblickend auszuwerten, möchte Tesla Prämien mit intelligenten Prognosen berechnen und somit besonders günstige und flexible Policen anzubieten, die Vorteile der modernen Technologie der Autos einbeziehen. Solche Policen, bei denen die Fahrweise den Preis mitbestimmt – Telematik-Tarife – sind allerdings auch von anderen europäischen Versicherern zu bekommen.

Bayerische Quantron AG eifert Tesla nach – und bietet ein Konkurrenzprodukt

Vergangene Woche kündigte der nächste E-Autospezialist seinen Einstieg in den Versicherungsmarkt an. Die bayerische Quantron AG modelt Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor in elektrische oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge um und verkauft zudem eigene E-Autos. Auf einer Pressekonferenz gab das 2019 gegründete Unternehmen bekannt, eine eigene Versicherungsgesellschaft befinde sich aktuell im Aufbau und solle Mitte kommenden Jahres an den Start gehen – also in einem ähnlichen Zeitraum wie die Tesla-Versicherung.

Man sei zunächst zwar auf der Suche nach einem Partner für diesen Bereich gewesen, aber nicht fündig geworden, zitiert die die „Süddeutsche Zeitung“ einen Quantron-Sprecher. Aber bei diesen herrsche zu viel Unwissen, heißt es weiter. So würden Versicherer unter anderem den Rückkaufswert der umgebauten Fahrzeuge nicht kennen, ebenso sei es schwierig, die teure Batterie, Herzstück eines jeden E-Autos, zu versichern. „Wir haben nicht die Zeit, die Versicherer zu Experten zu machen. Wir haben schon das Expertenwissen, deshalb machen wir es jetzt selbst“, zitiert die SZ. Die „Q-Versicherung“ soll Vollkasko- und Haftpflichtpolicen für den gesamten europäischen Markt anbieten – auch einen Tesla könne man mit ihr versichern.

Konventionelle Autobauer setzen derweil auf Kooperationen mit etablierten Versicherern. So steckt hinter den Tarifen von Volkswagen sowie sämtlicher Tochtergesellschaften die Allianz. Bei Mercedes und Porsche agiert HDI als Partner, BMW hat ein gemeinsames Angebot mit der Ergo geschaffen. Die Generali-Tochter Dialog war zu Jahresbeginn exklusiver Versicherungspartner für geleaste Volvo-Pkw im Stückprämiengeschäft geworden. Manche Anbieter ködern zudem mit kostenlosem Versicherungsschutz: So bietet die Allianz Kunden, die einen Volvo Recharge kaufen, unter gewissen Voraussetzungen automatischen Vollkaskoschutz an.