Funktionsinvaliditätsversicherung: Verwirrender Finanztest

Detlef Pohl Berater Versicherungen

Funktionsinvaliditätsversicherungen versuchen sich unterhalb der BU-Versicherung als spezielle Einkommenssicherung zu etablieren. Die Stiftung Warentest hat zehn Tarife von sieben Anbietern untersucht, aber keine Qualitätsurteile vergeben.

Die Hürden, Leistungen zu erhalten, sind bei Funktionsinvaliditätspolicen „sehr hoch“, schreibt die Stiftung Warentest (Gebäude im Bild). Finanztest bleibt einen harten Preis-Leistungsvergleich schuldig.

Die Hürden, Leistungen zu erhalten, sind bei Funktionsinvaliditätspolicen „sehr hoch“, schreibt die Stiftung Warentest (Gebäude im Bild). Finanztest bleibt einen harten Preis-Leistungsvergleich schuldig. Bild: Stiftung Warentest

In den letzten Jahren ist das Angebot an Versicherungen zur Einkommenssicherung unterhalb der umfassenden BU-Versicherung deutlich angewachsen, darunter zur Grundfähigkeitsversicherung (procontra berichtete). Ein Grund: Die BU-Versicherung ist für viele Berufe sehr teuer oder wegen Vorerkrankungen nur schwer in vollem Umfang zu bekommen. Bei Grundfähigkeitspolicen ist jedoch die Qualitätsbewertung schwierig, weil sich bei den Leistungsauslösern noch keine einheitlichen Regelungen durchgesetzt haben (procontra berichtete).

Daher durfte man auch auf die Untersuchung zu Funktionsinvaliditätsversicherungen (FIV) gespannt sein, die die Stiftung Warentest jetzt in der August-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest publiziert hat. Untersucht wurden allerdings nur 10 Tarife von sieben Gesellschaften. Insgesamt bieten rund 20 Gesellschaften eine FIV an.

Die Versicherung beinhaltet zum Teil Leistungen aus einer privaten Unfallversicherung, einer Grundfähigkeitsversicherung und einer Schwere-Krankheiten-Versicherung. Sie leistet, wenn der Versicherte durch einen Unfall oder durch eine Krankheit pflegebedürftig wird, schwere Schäden an inneren Organen erleidet oder wichtige körperliche Grundfähigkeiten verliert. Die Rentenzahlung findet normalerweise erst statt, wenn die Schäden einen bestimmten Schweregrad erreichen und nicht heilbar sind.

Kein Test-Urteil, nur wenige Kriterien

Leider hat Finanztest kein hartes Test-Urteil abgegeben – wie schon kürzlich bei Grundfähigkeitsversicherungen und bei Cyberversicherungen für Privatkunden (procontra berichtete). Was für guten FIV-Schutz versichert sein muss, macht die Stiftung Warentest an diesen Kriterien fest:

  • Leistung bei dauerhaften Unfallschäden oder Pflegebedürftigkeit oder Verlust einer sensorischen Fähigkeit (Sehen, Hören, Sprechen) oder des Orientierungssinnes (Kategorie A),
  • Verlust von drei oder vier motorischen Fähigkeiten oder Mobilität (Kategorie B),
  • Absicherung bei Eintritt schwerer Krankheiten / Organschäden (Organrente).

Die sonstigen Anforderungen sind: Nachversicherungsgarantie, Leistungsdynamik, Verzicht zur Meldung bei verbesserter Gesundheit sowie eine günstige Kündigungsregelung (Versicherer verzichtet auf sein ordentliches Kündigungsrecht). Dass womöglich unterschiedliche Wartezeiten nach Vertragsbeginn erreicht sein müssen, ehe Anspruch auf Leistung besteht, wird in der Untersuchung nicht deutlich.

Die Beiträge haben die Tester an vier Beispielkunden unterschiedlicher Berufe verglichen (Controller, Industriemechaniker, Musiker, Fliesenleger). Das ist noch nachvollziehbar, da diese Berufsgruppen häufig keinen oder nur teuren BU-Schutz bekommen würden. Nicht nachvollziehbar ist jedoch, warum bei diesen Modellkunden unterschiedliche Eintrittsalter (zwischen 25 bis 30 Jahren) und unterschiedliche Monatsrenten (zwischen 1.500 bis 2.000 Euro) zugrunde gelegt wurden.

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Warum die BaFin Versicherer zur FIV befragt

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