Fondsbilanz: Von früheren Krisen stets erholt

Detlef Pohl Berater Investmentfonds von Detlef Pohl

Viele Anleger scheuen Aktien-Investments. Mit Fonds lässt sich das Volatilitätsrisiko vergleichsweise leicht steuern. Wie die Ergebnisse 2019 im Vergleich zu 2010 ausfielen und wo 34f- und 34d-Vermittler ansetzen können, zeigt die BVI-Bilanz.

Thomas Richter

Die Aktienanlage brachte in den letzten Jahren 9,7 Prozent jährliche Rendite. Dennoch wurden wegen der Corona-Krise 13,9 Milliarden Euro aus Publikumsfonds abgezogen, konstatiert BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. Bild: BVI

Anders als im angelsächsischen Raum stehen hierzulande die Anleger der Aktie überwiegend skeptisch gegenüber. Das Auf und Ab an den Börsen wirkt auf viele abschreckend. Doch in Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen sind Aktieninvestments für den Vermögensaufbau und -erhalt unverzichtbar. So verwaltet die deutsche Fondsbranche inzwischen 1.116 Milliarden Euro an Publikumsfonds (2010: 710 Milliarden Euro).

Wie aus dem „BVI Jahrbuch 2020“ des BVI Bundesverband Investment und Asset Management weiter hervorgeht, stieg das verwaltete Volumen aller Fonds (Spezialfonds, geschlossene Fonds und Mandate) bis Ende 2019 auf 3.398 Milliarden Euro (2010: 1.832 Milliarden Euro). Allein 2019 konnten offene Publikums- und Spezialfonds netto 120 Milliarden Euro Neugeschäft erzielen. Das entspricht etwa dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Der Großteil entfiel mit 103 Milliarden Euro erneut auf Spezialfonds.

Volumengrößte Anlegergruppen von offenen Publikums- und Spezialfonds in Deutschland sind nach wie vor Versicherungen und Pensionseinrichtungen (40 Prozent) sowie private Haushalte (21 Prozent). Hierin zeigt sich die wichtige Rolle von Fonds für die Altersvorsorge und Vermögensbildung. Apropos Altersvorsorge: Zur Jahresmitte 2019 verwaltete die Fondsbranche über 1.400 Milliarden Euro für Altersvorsorgezwecke (+ 8,0 Prozent gegenüber Mitte 2018); dies entspricht 45 Prozent des Gesamtvermögens.

Allein 33 Prozent entfallen dabei auf Spezialfonds. Dahinter stehen vor allem kapitalbildende Versicherungen (rund 540 Milliarden Euro) und die bAV (450 Milliarden Euro). Weitere 285 Milliarden Euro stammen von berufsständischen Versorgungswerken. Die übrigen 165 Milliarden Euro verteilen sich auf Fondssparpläne und die Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes.

Altersvorsorge ohne Aktien kaum darstellbar

Dabei profitieren auch 34d-Vermittler: Die Fondspolice ist gegenüber der direkten Fondsanlage aufgrund der Befreiung von der Abgeltungsteuer mitunter im Vorteil – insbesondere bei langen Anlagehorizonten, hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) herausgefunden. Bereits bei einer Vertragslaufzeit ab 15 Jahren könnten Fondspolicen eine höhere Rendite als die Direktanlage in Fonds erzielen (procontra berichtete).

Um besser einschätzen zu können, welche Erträge Aktieninvestments abwerfen können, lohnt ein Blick auf die Rendite-Dreiecke für verschiedene Börsenindizes, die unter anderem auf Internetportalen zu finden sind. Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hatte im Frühjahr 2020 seine neuen Rendite-Dreiecke bis Ende 2019 vorgelegt (procontra berichtete). Wegen der Corona-Krise hat der DAX zwar von seinem Allzeit-Hoch von 13.640 Punkten eingebüßt (aktuell rund 12.300 Punkte), doch für die bleibt es weiter wichtig, „kontinuierlich und breit gestreut in Aktien zu investieren, um den Lebensstandard im Alter zu sichern“, sagt Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des DAI.

Die BVI-Zahlen spiegeln die Renditen vor Beginn der Corona-Krise. Bis Ende 2019 waren Aktienfonds mit 423 Milliarden Euro (2010: 279 Milliarden Euro) die deutlich volumenstärkste Gruppe der offenen Publikumsfonds. Auf dem zweiten Platz liegen Mischfonds, die inzwischen 311 Milliarden Euro verwalten (2010: 177 Milliarden Euro) und 2015 Rentenfonds (209 Milliarden Euro) überholt haben.

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Warum Fondsvermittler noch viel Kundenpotenzial haben