Fondsbilanz: Branche trotzt Corona vor allem mit Spezialfonds

Detlef Pohl Berater Investmentfonds

Im ersten Halbjahr 2020 zogen Privatkunden 2,5 Milliarden Euro aus Aktienfonds ab. Warum die BVI-Bilanz für die ersten sechs Monate trotz Corona-Krise bisher positiv ausfällt, welche Rolle Spezialfonds spielen und wohin das meiste Geld fließt.

Das Neugeschäft mit Publikumsfonds musste im ersten Quartal massiv Federn lassen, machte die Abflüsse aber im zweiten Quartal mehr als wett, konstatiert BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter.

Das Neugeschäft mit Publikumsfonds musste im ersten Quartal massiv Federn lassen, machte die Abflüsse aber im zweiten Quartal mehr als wett, konstatiert BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. Bild: BVI

In Zeiten dauerhaft niedriger Zinsen sind Aktieninvestments für den Vermögensaufbau und -erhalt unverzichtbar. So verwaltete die deutsche Fondsbranche Ende 2019 über 1,11 Billionen Euro an Publikumsfonds - 710 Milliarden Euro mehr als 2010 (procontra berichtete).

Im ersten Halbjahr 2020 flossen der Branche netto 37,9 Milliarden Euro neues Geld zu. Das entspricht etwa dem Halbjahres-Neugeschäft 2018 und 2019, als jeweils rund 40 Milliarden Euro Nettozuflüsse registriert worden waren. Im Jahr 2017 hatte es mit 79 Milliarden Euro allerdings doppelt so hohe Nettomittelzuflüsse gegeben.

Wie aus der Halbjahresstatistik des BVI Bundesverband Investment und Asset Management hervorgeht, verwalteten die Fondsgesellschaften Ende Juni ein Vermögen von 1.061 Milliarden Euro in offenen Publikumsfonds, also etwas weniger als Ende 2019. Die volumengrößte Gruppe sind Aktienfonds mit 384 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von 36 Prozent. Es folgen Mischfonds mit 302 Milliarden Euro (28 Prozent) und Rentenfonds mit 209 Milliarden Euro (20 Prozent).

Publikumsfonds: Ambivalente Quartale

Schaut man die Entwicklung bei den Publikumsfonds genauer an, fällt auf, dass sich die ersten beiden Quartale massiv unterscheiden. „Das Neugeschäft der offenen Publikumsfonds vollzog im ersten Halbjahr einen Vorzeichenwechsel“, sagt BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. Nach Abflüssen im ersten Quartal von netto 11,4 Milliarden Euro erzielten die Fonds im zweiten Quartal Zuflüsse von 15,7 Milliarden Euro.

Die Absatzliste im zweiten Quartal führen Aktienfonds mit 9,8 Milliarden Euro und Mischfonds mit 5,8 Milliarden Euro an. Beide Fondsgruppen verzeichneten noch im ersten Quartal mit 12,3 Milliarden Euro beziehungsweise 1,2 Milliarden Euro die höchsten Abflüsse der Publikumsfonds. Eine Konstante im Neugeschäft der Publikumsfonds sind Immobilienfonds (5,16 Milliarden Euro nach 6,1 Milliarden Euro im Vergleichszeitraum 2019).

Das verwaltete Vermögen bei allen Fonds (neben Publikumsfonds auch Spezialfonds, geschlossene Fonds und Mandate) betrug Ende Juni 3.333 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Ende des ersten Quartals 2019 (3.139 Milliarden Euro) ist das Vermögen – insbesondere aufgrund der sich erholenden Börsen nach deren Einbruch im März – mehr als sechs Prozent gestiegen. Gleichwohl liegt es noch unter dem Rekordstand vom Jahresende 2019, als die Fondsgesellschaften 3.398 Milliarden Euro verwalteten (2010: 1.832 Milliarden Euro).

Spezialfonds: Versicherer und Versorgungswerke dominieren

Nachdem offene Spezialfonds mit Zuflüssen von 32,7 Milliarden Euro im ersten Quartal den besten Jahresstart seit 2015 erzielt hatten, flossen im April und Mai 2,5 beziehungsweise 0,8 Milliarden Euro ab. Im Juni gab wieder Zuflüsse von 3,9 Milliarden Euro. „Ein Grund für den vorübergehenden Rückgang im Neugeschäft der Spezialfonds ist der gestiegene Liquiditätsbedarf institutioneller Anleger im Rahmen der Corona-Krise“, erklärt Richter.

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