Firmenkunden: Flottenschutz fürs Zweirad

Versicherungen Berater Top News von Uwe Schimdt-Kasparek

2020 ist schon jetzt ein goldenes Jahr für Fahrradhändler. Auch Diensträder boomen aktuell mehr denn je und eröffnen Vermittlern einen Gesprächsaufhänger bei Firmenkunden: die Fahrrad-Flottenversicherung.

Geschäft mit Zukunft: Bislang gibt es nur wenige Anbieter von Job-Bikes-Policen.

Geschäft mit Zukunft: Bislang gibt es nur wenige Anbieter von Job-Bikes-Policen. Bild: Adobe Stock/adam121

Fahrräder und vor allem Pedelecs liegen im Trend. Der Mai 2020 war laut Zweirad-Industrieverband ZIV in Deutschland der verkaufsstärkste Monat, den die Fahrradindustrie jemals erlebt hat. Hersteller können die erhöhte Nachfrage teils kaum noch bedienen, vor vielen Läden bilden sich lange Schlangen. Das liegt auch an der Corona-Krise, die viele Menschen dazu bewogen hat, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden.

Aber bereits 2019 steigerte die Branche ihren Umsatz um 34 Prozent. Hochwertige E-Bikes sind für Berufspendler als Diensträder attraktiv. „Fahrradfreundliche Arbeitgeber binden vor allem junge und gut ausgebildete Arbeitskräfte“, stellt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fest und vergibt sogar ein Zertifikat. Der Dienstwagen ist out, es lebe das Dienstrad. Der Trend dürfte anhalten, denn der geldwerte Vorteil, der mit der privaten Nutzung von Job-Bikes verbunden ist, versteuern Arbeitnehmer seit 2020 mit lediglich 0,25 Prozent des Listenpreises. Beim Kfz-Pendant liegt der Wert bei 1 Prozent.

Gleichzeitig leisten spezielle Fahrradpolicen deutlich mehr als die Zweirad-Klauseln in klassischen Hausratversicherungen. Die Solo-Policen übernehmen in der Regel nicht nur Diebstahl-, sondern auch die Reparaturschäden, wenn das Rad durch einen selbst verschuldeten Unfall oder Sturz zu Schaden kommt. Schadensersatz gibt es zudem, wenn Vandalen das wertvolle Gefährt böswillig beschädigen. Zudem sind die hochwertige Elektronik und Akkus abgesichert. Diesen Schutz gibt es ebenfalls für Diensträder. Standardpolicen für Diensträder sind aber noch rar. Vorreiter ist die Ammerländer Versicherung. „Wir haben die gewerbliche Fahrrad-Vollkaskoversicherung für Dienstradleasing konzipiert“, erläutert Alexander Kanther, Leiter der Produktentwicklung. Somit können Einzelräder oder ganze Radflotten per Rahmenvertrag abgesichert werden. Seit dem 1. Juli 2020 ist auch die grobe Fahrlässigkeit mitversichert. Ihren E-MobilSchutz bietet auch die Zurich Versicherungen Vermittlern als individuellen Rahmenvertrag an. „Geschäftsfahrräder und E-Bikes versichern wir für unsere Firmenkunden auch über die Inhaltsversicherung“, sagt Pressesprecherin Katharina Bartsch. Über Pools, die mit dem Vergleicher Mr-Money.de zusammenarbeiten, können auch Firmen-Radflotten über das InsurTech Hepster versichert werden.

„Makler können Unternehmen, die mit Dienstradleasing starten, nun bedarfsgerecht beraten“, hebt Kanther von der Ammerländer hervor. So sei es möglich, etablierten Full-Service-Anbietern, wie Eurorad, Jobrad oder Businessbike, Konkurrenz zu machen. Denn Finanzierung und Versicherung werden sauber getrennt. Den Leasingvertrag kann der Arbeitgeber direkt mit einem örtlichen Fahrradhändler schließen. Eine Musterrechnung auf der Homepage der Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG) zeigt, dass der separate Flottenschutz für die Job-Bikes deutlich günstiger sein kann. So kostet die Absicherung bei der Ammerländer für zehn E-Bikes pro Jahr 833 Euro, während ZEG-Kooperationspartner Eurorad 1.944 Euro für einen vergleichbaren Versicherungsschutz verlangt.

Überschaubares Angebot

Die bislang wenigen Anbieter von Job-Bikes-Policen decken neben Diebstahl- auch Unfall-, Fall- oder Sturzschäden ab und bieten einen Mobilitätsservice.

AnbieterLeistungenJahresprämie
Hepster/HelvetiaDiebstahl-, Reparatur-, Akku-Schutz654,99 Euro
AmmerländerFahrrad-Diebstahlversicherung733,50 Euro
Hepster/HelvetiaDiebstahl-, Reparatur-, Akku-Schutz und Schutzbrief796,80 Euro

Musterrechnung Dienstrad-Flotte: Schutz für zehn E-Bikes mit einem Neuwert von insgesamt 20.000 Euro, Vertragslaufzeit: 36 Monate. Quelle: Ammerländer Versicherung; Mr-Money.de; Stand: 26.06.2020; Versicherungsbeginn 1.10.2020

Privat- oder Betriebshaftpflicht­versicherung?

Schäden, die der Nutzer gegenüber Dritten verursacht, übernimmt die private Haftpflichtversicherung. Das gilt laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jedoch nur, wenn Dienstradfahrer auf dem Weg von und zur Arbeit einen Crash verursachen. Kommt es auf einer klassischen Dienstfahrt mit dem Rad zu einem Drittschaden, also etwa bei einer Fahrt zum Kunden, ist die Betriebshaftpflichtversicherung der Firma zuständig. Hier sollte die Betriebsbeschreibung vom Versicherungsmakler – sicherheitshalber – angepasst werden. Gleichzeitig sollte der Arbeitgeber über seinen Versicherungsmakler prüfen, ob der Dienstradfahrer wirklich eine private Haftpflicht besitzt. Denn laut GDV haben tatsächlich immer noch ein Drittel der Haushalte in Deutschland diesen Schutz nicht. Daher kann ein verschuldeter Wegeunfall verheerend wirken. Der Verursacher haftet mit seinem Privatvermögen.

Zudem sollte das Unfallrisiko thematisiert werden. So gibt es gute Gründe für den Arbeitgeber, über eine Gruppenunfallversicherung für Dienstradfahrer nachzudenken. Immerhin haben sie keine „Knautschzone“.