Explosion in Beirut wird zum Großschaden für Versicherer

Anne Hünninghaus Versicherungen Panorama

Die Folgen der Detonation im Hafen der libanesischen Hauptstadt treffen die Munich Re aller Voraussicht nach hart. Insgesamt kam der Rückversicherer bisher trotz hoher Corona-Schäden halbwegs glimpflich durch das erste Halbjahr.

Der Hafen der Stadt Beirut wurde am Dienstag komplett zerstört.

Der Hafen der Stadt Beirut wurde am Dienstag komplett zerstört. Bild: Adobe Stock/Em

Drohnenbilder offenbaren das Ausmaß der Katastrophe: Die libanesische Hauptstadt Beirut ist zur Hälfte zerstört oder zumindest stark beschädigt. Bei einer schweren Explosion im Hafen waren am Dienstag mehr als 145 Menschen getötet worden. Inzwischen wurden 16 – mutmaßlich für die Katastrophe mitverantwortliche – Hafen-Mitarbeiter festgenommen. Als Ursache der Detonation angenommen wird, dass große Mengen an Ammoniumnitrat jahrelang ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert wurden. Die Stadtregierung rechnet mit einem wirtschaftlichen Schaden von insgesamt 10 bis 15 Milliarden Dollar, so Gouverneur Marwan Abboud im Interview mit dem Fernsehsender Al-Hadath. Diese Summe würde die international zugesagte Nothilfe um ein Vielfaches überschreiten.

Finanziell hart treffen wird die Katastrophe aller Voraussicht nach auch den weltweit größten Rückversicherer Munich Re. „Das ist schrecklich, was man da sehen muss. Wir gehen in Beirut aktuell davon aus, dass das ein Großschaden für uns wird“, sagte Finanzvorstand Christoph Jurecka. Als Großschaden gilt ein Ereignis ab Kosten von zehn Millionen Euro.

632 Millionen Euro für menschengemachte Großschäden

Der Konzern hat in diesem Jahr allein durch Corona mit einem deutlich gestiegenen Schadenaufkommen zu kämpfen – laut aktueller Quartalszahlen in der Höhe von rund 700 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr insgesamt summieren sich die Pandemie-Folgen auf rund 1,5 Milliarden Euro. Bei Konzerntochter Ergo fielen im zweiten Quartal Corona-bedingte Schäden im niedrigen zweistelligen Millionenbereich an. Im ersten Halbjahr 2020 verbuchte sie immerhin trotz der Krise einen Gewinn von 245 Millionen Euro.

Die von Menschen verursachten Großschäden summieren sich bei der Munich Re auf 632 Millionen Euro – im Vorjahreszeitraum war es mit 47 Millionen nur ein Bruchteil davon. Nun kommt auch noch der Fall Beirut hinzu.

Auch bei der Hannover Rück geht man laut Presseberichten von einem Großschaden aus. Über die genaue Schadenhöhe konnte und wollte Vorstandsmitglied Sven Althoff jedoch bislang keine Auskunft geben. Die Ratingagentur AM Best verglich den Vorfall mit einer Explosion im Hafen der chinesischen Stadt Tianjin. Bei zweier, in kurzem Abstand aufeinanderfolgenden Detonationen, waren damals insgesamt 173 Menschen gestorben, 797 Menschen wurden verletzt. Das Fachmagazin "Insurance Journal" berichtete von einem versicherungstechnischen Schaden on Höhe von zwei Milliarden US-Dollar.

Die libanesische Versicherungsbranche reagiert indes mit Zurückhaltung auf die Einordnung der Katastrophe. Man warte zunächst darauf, dass die Ermittlungen zum Hergang abgeschlossen seien, bevor eine Zusage gemacht werde, dass die Schäden an Häusern, Geschäften und dem Hafen selbst gedeckt seien, ließ sich der libanesische Verbandschef zitieren.

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