Eltern sind wichtigste Finanzberater

Anne Hünninghaus Investmentfonds Berater

Knapp die Hälfte der Deutschen hört in puncto Sparen und Anlegen auf Tipps ihrer Mütter und Väter. Warum das nicht immer eine gute Idee ist und Töchter oft benachteiligt sind, zeigen Ergebnisse einer aktuellen Studie.

Keine Risiken eingehen: Diesen Spartipp erhalten 68 Prozent der Deutschen von ihren Eltern.

Keine Risiken eingehen: Diesen Spartipp erhalten 68 Prozent der Deutschen von ihren Eltern. Bild: Adobe Stock/Dron

„Hauptsache sicher“, so lässt sich der deutschlandweit häufigste Spartipp zusammenfassen, den Eltern an ihre Kinder weitergeben. Damit ist gemeint: Bloß nicht pokern und das Geld lieber auf einem Sparkonto parken. Das ist oft leider keine gute Idee. Während die ältere Generation noch mit üppigen Zinsen und dem klassischen Sparbuch aufgewachsen ist, warten die Jüngeren heute vergeblich darauf, dass sich ihr Geld dadurch vermehrt. Dennoch hören 41 Prozent der Deutschen – unabhängig von ihrem Alter – zumindest gelegentlich auf die Finanzratschläge ihrer einstigen Erziehungsberechtigten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von Yougov im Auftrag der Deka, dem Wertpapierhaus der Sparkassen.

68 Prozent der 4.310 befragten Sparer gaben an, dass ihre Eltern ihnen beigebracht haben, bei der Geldanlage keine Risiken einzugehen. Den Blick auf die Rendite einer Geldanlage richten hingegen nur 34 Prozent aller zu Finanzthemen konsultierten Mütter und Väter. Verfügen die Eltern selbst über Wertpapieranlagen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch ihre Kinder Zugang zu Kapitalmarktanlagen finden, mit 65 Prozent allerdings fast doppelt so hoch wie bei den übrigen Befragten (33 Prozent).

Die Aversion gegenüber Aktien – über die in Deutschland nur 16 Prozent verfügen – hat zur Folge, dass das durchschnittliche Geldvermögen der Haushalte hierzulande oft kaum die Hälfte des Vermögens ausmacht, über das die Durchschnittshaushalte in ähnlich wohlhabenden Ländern verfügen. Im Hinblick auf die andauernde Niedrigzinsphase verzichten die Deutschen damit auf langfristige Renditemöglichkeiten. Professionelle Finanzberatung wäre demnach dringend geboten.

Töchter bekommen oft weniger Taschengeld und sind schlechter beraten

Wenn es um Investitionen am Kapitalmarkt geht, sind Frauen nach wie vor sehr viel zurückhaltender als Männer. Auch das könnte zumindest teilweise auf die Erziehung zurückzuführen sein. Während der Studie zufolge ein Viertel aller Eltern mit ihren Söhnen über Sparformen wie dem Sparbuch spricht, tut dies nur ein Fünftel mit den Töchtern. Zudem wird Töchtern mit 31 Prozent sogar noch seltener dazu geraten, renditestarke Geldanlagen zu wählen als Söhnen (37 Prozent).

Auch in Sachen Startkapital behandeln Eltern ihre Kinder je nach Geschlecht oft unterschiedlich. Laut Kinder-Medien-Studie bekommen manche Jungen bereits vom Vorschulalter an bis zu 17 Prozent mehr Taschengeld als Mädchen. Die Comdirect Bank hatte 2019 in einer Studie dieselbe Differenz gemessen.

Die Mehrheit der Frauen in Deutschland hält sich für wenig kompetent, wenn es um Anlagestrategien geht. Das ist wiederum das Ergebnis einer Umfrage unter Frauen durch die UBS Anfang des Jahres. 81 Prozent der deutschen Frauen gehen davon aus, dass sich ihr Partner besser mit Finanzen auskennt als sie selbst. Während sich der Wissensstand zum Umgang mit Geld in der Realität zwischen den Geschlechtern kaum unterscheidet, liegen Männer offenbar in puncto Selbstverstrauen deutlich vorn. Diese Erfahrung hat auch Lisa Hassenzahl gemacht. Im Interview mit procontra erklärt die Finanzexpertin, wie Berater damit umgehen sollten, dass Frauen und Männer in Sachen Finanzen unterschiedlich ticken.

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