Eiopa: So geht es weiter mit der Europarente

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen

Die europäische Versicherungsaufsicht hat der Europäischen Kommission nun einen konkreten Vorschlag zur Ausgestaltung der Europarente PEPP unterbreitet. Wie sehen die nächsten Schritte aus und welche Effekte zeichnen sich für Deutschland ab? procontra hat bei der Eiopa nachgefragt.

Die Eiopa schiebt die Einführung der europäischen Privatrente PEPP voran. B

Die Eiopa schiebt die Einführung der europäischen Privatrente PEPP voran. Bild: Adobe Stock/RioPatuca Images

Vor einem Jahr haben Europaparlament und Rat die Europarente mit dem sperrigen Namen Pan-European Personal Pension Product (PEPP) beschlossen. Seitdem war die Aufsichtsbehörde Eiopa damit befasst, einen erweiterten Vorschlag auszugestalten, wie das standardisierte Privatvorsorgeprodukt konkret aussehen soll – insbesondere mit Blick auf die Informationspflichten.

Zum Hintergrund: Die PEPP zielt darauf ab, allen EU-Bürgern als Zusatzoption zu den jeweiligen betrieblichen und staatlichen Renten in ihre Vorsorge zu investieren. Sowohl Angestellte, Arbeitslose und Selbständige als auch Studenten sollen auf das Angebot zurückgreifen können. Geworben wird damit, dass das standardisierte Vorsorgeprodukt besonders leicht verständlich, kostengünstig, digital und transparent sein soll. Angeboten wird die Europarente im Verlauf des kommenden Jahres von Versicherungsgesellschaften, Banken, Vermögensverwaltern, Wertpapierfirmen und betrieblichen Pensionsfonds, auch von Versicherungsvermittlern kann sie vertrieben werden.

Was ist neu?

In dem am Freitag vorgelegten Empfehlungs-Papier der Eiopa geht es um die Informationen, die Kunden vor dem Abschluss erhalten müssen und die zulässigen Produktkosten. Der Entwurf beinhaltet zwei Kundeninformationsdokumente, das PEPP Key Information Document (PEPP KID) und das PEPP Benefit Statement. Gemeinsam sollen sie den Kunden die Sicherheit bieten, vor Vertragsabschluss alle relevanten Informationen zu erhalten und ihnen die Entscheidungsfindung erleichtern.

Ein Risiko-Indikator im erstgenannten Dokument hilft Interessenten, Risiken der verschiedenen Investmentoptionen zu identifizieren und auf die eigenen Bedürfnisse in puncto Altersvorsorge abzustimmen. Das PEPP Benefit Statement soll den Kunden einen unkomplizierten Einblick den Stand ihrer Sparaktivitäten ermöglichen. Da Kosteneffizienz als eines der Hauptziele ausgegeben wird, sind im Fall des Angebots Basic PEPP die jährlichen Kosten auf ein Prozent des angesparten Kapitals gedeckelt, um das bestehende Vermögen zu schützen.

Das sind die nächsten Schritte

Die EU-Kommission wird nun die Gesetzesvorlage als delegierte Rechtsakte vorbereiten, die dann wiederum noch von Europäischem Rat und Europaparlament geprüft und verabschiedet werden muss. Für diesen Prozess hat die Kommission rund drei Monate Zeit, wie die Eiopa gegenüber procontra erklärt. Sobald die Rechtsakte im Amtsblatt veröffentlicht ist – was voraussichtlich Ende des Jahres sein wird – kann die PEPP-Verordnung nach einem Jahr in die Praxis umgesetzt werden. Das bedeutet, Anbieter können im zweiten Halbjahr 2021 ihre PEPP-Registrierung beantragen.

Der Nutzen für den deutschen Markt war bislang fraglich, im Vergleich zu manch anderem EU-Mitgliedsstaat verfügen wir hierzulande über ein bereits großes Angebot an Privatvorsorge. Allerdings: „In Deutschland sind zurzeit die meisten betrieblichen und privaten Vorsorgeprodukte an einen bestimmten Arbeitgeber gebunden oder zumindest zwingend an die Bedingung geknüpft, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen“, so eine Eiopa-Sprecherin gegenüber procontra. Daher sei die Europarente als zusätzliches Element auch für Bundesbürger interessant. Es richte sich speziell an mobil arbeitende oder selbstständige Bürger und auch an solche, die in „neuen“ Arbeitsstrukturen (z.B. Teilzeit-Freelancer) kosteneffizient für ihr Alter sparen möchten.

Der Erfolg des europäischen Produkts wird maßgeblich von einer starken Aufsicht und der engen Zusammenarbeit der nationalen Aufsichtsbehörden abhängen, mahnt die Eiopa. Das bedeutet, dass auch auf die deutsche Aufsicht im kommenden Jahr neue Aufgaben zurollen werden.

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