Die Bayerische kritisiert Nachhaltigkeits-Rating des IVFP

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Bei der Bayerischen hält man das neue Fondspolicen-Rating des IVFP für irritierend und nicht richtig konzipiert. Hintergrund ist, dass die Marke Pangaea Life des Versicherers nicht berücksichtigt wurde. Wir fragten bei der Ratingagentur nach den Gründen.

Die Kunden der Pangaea Life investieren ihr Geld ausschließlich in nachhaltige Sachwertanlagen. Das IVFP hat aber offenbar andere Vorstellungen von Nachhaltigkeit.

Die Kunden der Pangaea Life investieren ihr Geld ausschließlich in nachhaltige Sachwertanlagen. Das IVFP hat aber offenbar andere Vorstellungen von Nachhaltigkeit. Bild: Adobe Stock

Mit seinem Fondspolicen-Nachhaltigkeits-Rating hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) diese Woche die Erstauflage einer neuen Studie veröffentlicht (procontra berichtete). Diese hat aus insgesamt 40 Anbietern fondsgebundener Lebensversicherungen die Unternehmen mit den nachhaltigsten Produkten sowie der nachhaltigsten Unternehmenspositionierung ermittelt. Von ihnen erzielten 6 Anbieter die Bestnote.

Nicht unter den Siegern und auch nicht einmal im Rating berücksichtigt wurde die Versicherungsgruppe „die Bayerische“. Ein Umstand, der den Münchnern gehörig missfällt. „Die Anlage der Studie ist irritierender Weise so gewählt, dass die aktuell einzige zu 100 Prozent tatsächlich nachhaltige Vorsorge keine Berücksichtigung finden kann. Das zeigt, dass die Studie nicht richtig konzipiert wurde“, schrieb ein Sprecher des Versicherers an die procontra-Redaktion. Auch die zertifizierte Klimaneutralität der Bayerischen als Gesamtunternehmen sei nicht berücksichtigt worden.

Auch procontra-Leser vermissten die Bayerische

Hintergrund: Die Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G. hat sich seit knapp 3 Jahren mit ihrer Marke Pangaea Life dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. Auf dem Markt für nachhaltige Fondspolicen biete man die einzige fondsgebundene Rentenversicherung, die Rendite nicht an den Kapitalmärkten, sondern ausschließlich durch Investitionen in konkrete erneuerbare Energie-Projekte erwirtschaftet, heißt es dazu aus München.

Pangaea Life würde außerdem für jeden Neuabschluss einen Baum pflanzen und messbar zur CO2-Reduktion beitragen. Parallel dazu habe sich die gesamte Versicherungsgruppe zu einem klimaneutralen Unternehmen entwickelt. Eine Strategie, die offenbar auch procontra-Leser wertschätzen. Auf Facebook wurde die Bayerische in dem Rating nach Erscheinen unseres Artikels vermisst.

IVFP klärt auf

Doch wie kam es dazu? Das IVFP schreibt zu den Kriterien seines Ratings: „Untersuchungsgegenstand war zum einen die grundsätzliche Unternehmenspositionierung bezüglich dem Thema Nachhaltigkeit. Zum anderen wurde das Fondsangebot hinsichtlich Umfang und Qualität geprüft. Des Weiteren wurde ein Augenmerk auf die Transparenz und den Service gelegt.“ Die Pangaea Life Investment-Rente konnte jedoch nicht berücksichtigt werden, weil sie aufgrund von Besonderheiten des Anlagekonzepts nicht geratet werden konnte, heißt es ergänzend.

Auf procontra-Nachfrage erläuterte IVFP-Geschäftsführer Prof. Michael Hauer die Modalitäten genauer. So habe man für das neue Rating untersucht, wie viele Fonds im Rahmen einer Fondspolice dem Sustainability-Rating des großen US-amerikanischen Analyseunternehmens Morningstar entsprechen, also 4 oder 5 Globen (Morningstar-Ratingeinheit) erreicht haben. „Dies setzt voraus, dass auch mehrere Fonds im Rahmen der Fondspolice angeboten werden. Dies ist bei der Pangaea Life Investment-Rente nicht der Fall. Daher konnte sie auch bei unserer Untersuchung nicht berücksichtigt werden“, erklärte Hauer.

Tatsächlich investieren Pangaea-Life-Kunden ihr Geld direkt und ausschließlich in nachhaltige Sachwertanlagen. Da das Unternehmen mit seinem Produkt also nicht den Rating-Voraussetzungen entspricht, konnte auch die allgemeine Nachhaltigkeitsstrategie der Bayerischen nicht bewertet werden.

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