Deutsche glauben an Marktanteilsverschiebungen im Versicherungsgeschäft

Martin Thaler Digital Versicherungen

Einer neuen Umfrage zufolge glauben viele Deutsche daran, dass große Digitalunternehmen in einigen Jahren den deutschen Versicherungsmarkt aufmischen werden. Dies werde auf Kosten der deutschen Versicherer gehen, so die weitläufige Überzeugung.

Marktanteile

Viele Deutschen rechnen damit, dass die deutschen Versicherer in zehn Jahre deutlich an Marktanteilen eingebüßt haben. Bild: Adobe Stock/strichfiguren.de

Wie wird das Geschäft mit Versicherungen in einigen Jahren aussehen?  Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter rund 1.000 Personen erwarten die Deutschen gravierende Veränderungen.

So gehen zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) davon aus, dass bis 2030 eine große Online-Plattform für Versicherungen entsteht, die große Marktanteile auf sich vereinen wird. Über die Hälfte der Befragten (53 Prozent) hält es zudem für wahrscheinlich, dass Digitalunternehmen aus dem Ausland, wie Apple, Google oder Facebook in zehn Jahren eine bedeutsame Rolle auf dem Versicherungsmarkt spielen werden.  

Über einen Markteinstieg von Amazon in das Geschäft mit Versicherungen wird bereits seit einiger Zeit spekuliert. Der Online-Riese hatte in den vergangenen Jahren einige Testballons in dieser Hinsicht steigen lassen – so beteiligte sich Amazon vor zwei Jahren am indischen Startup Acko. Deren Kfz- und Fahrradpolicen können in Zukunft über Amazon abgeschlossen werden. Andere Experten bezweifeln allerdings, dass Amazon Interesse hat, in den strengregulierten deutschen Versicherungsmarkt einzusteigen.  

Traditionelle Versicherer verschwinden

Genauso viele Deutsche denken, dass deutsche Versicherer im Vergleich mit den neuen Wettbewerbern bzw. ausländischen Versicherungen an Boden verlieren werden, 52 Prozent glauben, dass zahlreiche traditionelle Versicherungen verschwinden werden. Auch BaFin-Chef Hufeld hatte unlängst den Trend zur Konsolidierung auf dem LV-Markt unterstrichen. „Es gibt einen Trend zur Konsolidierung, das ist klar. Ob wir in zehn Jahren bei 75 oder 65 Unternehmen sind, das muss der Markt entscheiden“, sagte Hufeld gegenüber „Capital“.  

„Versicherer tun gut daran, sich die Entwicklungen in anderen Bereichen anzusehen, wo sich durch die Digitalisierung Marktanteile stark verschoben haben. Entscheidend ist, sich auf seiner derzeitigen Position nicht auszuruhen, sondern Geschäftsprozesse und Geschäftsmodell konsequent digital zu denken“, kommentierte Bitkom-Präsident Achim Berg das Umfrage-Ergebnis.  

Zumal offenbar auch zahlreiche Versicherungsnehmer bereit sind, ihre Versicherungen bei einem großen internationalen Digitalunternehmen abzuschließen: 29 Prozent erklärten sich hierzu bereit, in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen ist der Anteil mit 42 Prozent noch höher. Der aktuelle World Insurance Report von Capgemini hatte im Hinblick auf die deutschen Versicherungsnehmer jedoch zuletzt eine deutlich höhere Zurückhaltung gegenüber sogenannten Big-Tech-Versicherungen ausgemacht.  

Bei der Auswahl der passenden Versicherungen schauen die Versicherungsnehmer laut Umfrage in erster Linie auf umfangreiche Leistungen (99 Prozent), niedrige Prämien (98 Prozent) sowie individuell anpassbare Produkte (98 Prozent). Eine relativ geringe Bedeutung hat hingegen die Präsenz des Versicherers vor Ort in Form von Niederlassungen – lediglich 39 Prozent erklärten diesen Aspekt für wichtig.

Dass persönliche Nähe für viele Kunden hingegen weiterhin ein entscheidendes Kriterium ist, bestätigte jüngst Allianz-Vorstand Dr. Thomas Wiesemann in der Online-Talkshow "Talk 2": "Viele Menschen suchen im Netz häufig auch nach lokalen Quellen." Wer als Makler aus Würzburg bei der Google-Suche nach "Würzburg + Versicherung" auf der ersten Seite gelistet werde, habe folglich auch gute Chancen, vom Kunden wahrgenommen und letztlich auch kontaktiert zu werden. Für Makler sei es folglich entscheidend, ihre persönliche mit digitaler Kompetenz zu verknüpfen.

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