„Der stationäre Vertrieb hat ausgedient“

Martin Thaler Versicherungen

Die Corona-Krise wird das Leben der Menschen noch mindestens fünf Jahre begleiten, glaubt DFV-Chef Dr. Stefan Knoll. Dies hat auch Auswirkungen auf den Versicherungsvertrieb.

Dr. Stefan Knoll

Sieht die DFV robust durch die Corona-Krise steuern: DFV-Chef Dr. Stefan Knoll. Bild: DFV

Ein selbstbewusstes Auftreten und markige Vergleiche gehören für viele InsurTech Unternehmen zum guten Ton: Die Deutsche Familienversicherung (DFV) bildet hier keine Ausnahme. „Außer uns gibt es in der westlichen Welt nur noch Lemonade, das mit uns auf einer Ebene agiert“, erklärte Firmenchef Dr. Stefan Knoll bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Lemonade hatte bei seinem Börsengang im Juli insgesamt knapp 320 Millionen Dollar eingesammelt, die DFV reagierte darauf mit einer Kapitalerhöhung, die 32 weitere Millionen Euro in die Firmenkassen spülte.  

Mit diesem Geld plant Knoll nicht nur die Gründung dreier weiterer Risikoträger, darunter ein Kranken- und ein Lebensversicherer, sondern auch den Gang ins europäische Ausland. Bis 2022 soll dieser spätestens erfolgen, als potenzielle Zielmärkte gelten größere Volkswirtschaften im EU-Raum, wie Frankreich, Italien und Spanien. Als Einstiegsprodukt kann sich Knoll Unfallversicherungen vorstellen, „Schwerkraft gibt es schließlich in allen Ländern gleichermaßen“, so Knoll.  

Ansonsten sieht sich die DFV trotz Corona-Krise weiter auf Kurs, am ehrgeizigen Ziel von 100.000 neuen Verträgen in diesem Jahr halte man fest, so Knoll. Insgesamt habe der pandemische Ausnahmezustand das Unternehmen nur gering belastet. Zwar sei das Geschäft mit Auslandsreisekrankenversicherungen weggebrochen, andere Produkte wie Tierkrankenversicherungen werden hingegen weiter stark nachgefragt.

  Dass die Corona-Krise in Kürze vorbei sind wird, glaubt Knoll nicht: „Corona wird uns bis mindestens 2025 begleiten.“ Damit einher geht Knolls Einschätzung nach eine nachhaltige Umstellung der Lebensumstände einher, die sich auch auf den Versicherungsvertrieb auswirkt. „Der stationäre Vertrieb hat ausgedient, sofern er sich nicht fundamental neu aufstellt“, glaubt der DFV-Gründer und macht diese Einschätzung an jüngsten Entwicklungen fest. So habe der Online-Vertrieb im ersten Halbjahr dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21,4 Prozent zugelegt. Auch über die DFV-App hat das Unternehmen seit Jahresbeginn 1.200 Abschlüsse verzeichnet. 

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