Der schmerzhafte Nordic-Walking-Unfall und das zurückgeforderte Arbeitslosengeld

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Nordic Walker erobern Wald- und Wanderwege. Doch wer nicht aufpasst, kann andere Walker mit seinen Stöcken verletzen. Wer dann haften muss und wie weit diese Haftung geht, war nun ein Fall für das OLG Schleswig.

Nordic-Walking

Auch beim Nordic Walking kann es zu verhängnisvollen Unfällen kommen. Bild: Adobe Stock/ Parilov

Nordic Walking liegt im Trend – insbesondere ältere Menschen schätzen den gelenkschonenden Ausdauersport. Dass die mitzuführenden Stöcke allerdings auch eine Verletzungsrisiko bergen, dürfte nicht allen Walkern bewusst sein: Schnell kann es zu einem Unfall kommen. Wer dann haftet und ob im Fall der Fälle auch ausgezahltes Arbeitslosengeld zu entschädigen ist, hatte nun das OLG Schleswig zu entscheiden (Az: 6 U 46/18).

Was war passiert?  

Eine Frau betrieb mit einem Bekannten im Dezember 2013 Nordic Walking. Dieser trat bei dem gemeinsamen Marsch, bei dem er neben der Frau lief, versehentlich gegen einen seiner Stöcke, der daraufhin zwischen die Beine der Frau geriet. Es folgte ein Sturz, bei dem sich die Frau an ihrer Hand verletzte. Daraufhin war die Frau über ein Jahr lang krankgeschrieben, bis ihr ihr Arbeitgeber im Jahr 2015 kündigte. Die Frau bezog hiernach Arbeitslosengeld.  

Dieses wollte die zuständige Bundesagentur für Arbeit nun vom Unfallverursacher erstattet bekommen. Nachdem das Landgericht der Klage des Arbeitsagentur stattgegeben hatte, landete der Fall vor dem Schleswiger OLG.  

Das Urteil  

Auch das OLG Schleswig erklärte, dass sich der Unfallverursacher grundsätzlich schadensersatzpflichtig gemacht hatte: Er habe durch mangelnde Sorgfalt im Verkehr fahrlässig die Verletzung der Frau verursacht. Beim Nordic Walking handele es sich um ein schnelles Gehen, bei dem die dazu benutzten Stöcke jeweils hinter dem bewegten Bein gehalten werde. Halte man sich an diese Regel, bestehe auch die Gefahr nicht, dass man versehentlich gegen seinen eigenen Stock trete.  

Der Mann könne sich auch nicht auf einen Haftungsausschluss berufen. Zwar wüssten Sportler, die gemeinsam ihrer Tätigkeit nachgehen, dass sie sich selbst sowie den anderen verletzen können. Die bewusste Inkaufnahme dieses Risikos stelle somit grundsätzlich eine Haftungsbegrenzung dar. Im vorliegenden Fall rechneten jedoch weder der Verursacher noch die Geschädigte mit einer Verletzung.  

Eine erhöhte Gefahr ergebe sich weder durch die örtlichen Begebenheiten des Weges, noch durch die Tatsache, dass die beiden Nordic-Walker während der Sportausübung die Natur beobachteten bzw. miteinander sprachen. Anders als beim Fußball oder bei einem Tennis-Doppel, bei dem sich Körperkontakt nicht immer vermeiden lasse, hätten die beiden Walker ohne weiteres den Abstand zwischen sich jederzeit vergrößern können.  

Trotzdem müsse er nicht Regress für das ausgezahlte Arbeitslosengeld leisten, da das Gericht der Frau ein überwiegendes Mitverschulden bescheinigte. Zwar habe der Mann den Unfall verursacht, am beklagten Schaden in Form der Zahlung von Arbeitslosengeld trage er jedoch keine Schuld. Schließlich sei die Frau nicht gegen ihre Kündigung vorgegangen, trugen die Richter vor. Dem Sachverhalt zufolge spreche alles dafür, dass der Arbeitgeber der geschädigten Frau einen „leidensgerechten“ Arbeitsplatz hätte zuweisen können. Der Beklagte müsse folglich nicht der Arbeitsagentur das gezahlte Arbeitslosengeld ersetzen.

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