Cyberschutz: Warum Versicherer ihre Policen angleichen sollten

Digital Berater Versicherungen Top News von Carla Fritz

In kleinen Schritten zu mehr Qualität

Andererseits: Die Sparte ist noch jung. Diesem geringen Reifegrad ist in gewisser Hinsicht vielleicht auch die Heterogenität des Marktes geschuldet. Von daher erwartet Pingsmann, dass sich die Bedingungswerke in Kernbereichen weiter annähern. Indiz dafür sind für ihn die zahlreichen Tarif-Updates in jüngster Zeit. Eine „Qualitätsverbesserung der Produkte an verschiedenen Stellen seit Erstauflage des Produktratings“ vor zwei Jahren konstatiert insofern dann auch Leonard Wolf, Leiter Cyberversicherung bei Franke und Bornberg.

Ein Top-Tarif muss nach den Ratingmaßstäben beispielsweise unter anderem gewährleisten, dass die Cyberdeckung zuerst greift. Auch wenn vielleicht noch eine andere Versicherung infrage kommen könnte. Bei der Vielzahl von Schnittstellen immer möglich. „Wenn die IT aufgrund einer Datenschutzverletzung nicht funktioniert, könnte es zum Beispiel sein, dass hier möglicherweise auch eine Betriebshaftpflicht in Verbindung mit einer Internethaftpflicht zuständig ist. Oder bei einem Betriebsausfall die Elektronik- oder eine andere Sachversicherung“, führt Christoph Guth, Underwriter und Branchenleiter Cyberversicherung bei der Basler, aus. Die Gesellschaft ist vor drei Jahren in den Cybermarkt eingestiegen – „als eine der ersten, die das GDV-Wording genutzt haben“. Am Jahresbeginn 2020 übernahm sie mit ihrem Cyberprodukt den Spitzenplatz im Franke-und-Bornberg-Rating. Dem sei ein kontinuierlicher Anpassungs- und Verbesserungsprozess vorausgegangen. „Wir haben dabei Wünsche und Anregungen aus dem Markt aufgenommen“, so Cyber-Produktmanagerin Pfeiffer.

Wachstum durch Wettbewerb

Auch dem Cyberrating gesteht Guth dabei durchaus Einfluss zu. „Es baut einen gewissen Druck auf. Makler schauen darauf, die Gesellschaften und man selber auch: Was macht der Wettbewerb? Wie kann man die eigenen Bedingungen weiterentwickeln?“ Das bringe den Markt über die Zeit insgesamt voran und verbessere letztlich den Versicherungsschutz.

Das bleibt die Aufgabe. Die Unterschiede bei „zentralen Fragen wie den versicherten IT-Systemen, den versicherten Gefahren und den Deckungssummen – beispielsweise für den sogenannten Cloud-Ausfall“ – sind nach Wolfs Einschätzung weiterhin „enorm“. Viel Luft nach oben also für das Leistungsniveau wie für den Markt. „Der ist alles andere als verteilt“, konstatiert Produktmanagerin Pfeiffer. Gerade bei jungen Produktkonzepten ist die Bildung von Standards in den Kernbereichen Voraussetzung für Umsatzwachstum, das besagt die Erfahrung von Franke und Bornberg. Nicht zuletzt in diesem Sinne will man dort das Anliegen des Ratings verstanden wissen.

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Die Bedingungswerke gleichen sich an

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