Corona: Krise führte zu rapidem Anstieg psychischer Erkrankungen

Anne Hünninghaus Versicherungen

Psychische Leiden und Angst vor Infektion: Zu Beginn der Corona-Pandemie sind im März 2020 Krankenkassendaten zufolge rekordverdächtig viele Arbeitnehmer im Job ausgefallen.

Im März dieses Jahres fehlten Arbeitnehmer den Zahlen zufolge in rund 26.700 Fällen aufgrund von Erkrankungen der Psyche.

Im März dieses Jahres fehlten Arbeitnehmer den Zahlen zufolge in rund 26.700 Fällen aufgrund von Erkrankungen der Psyche. Bild: Adobe Stock/ra2 studio

Zukunftsangst, Depression, Verunsicherung: Kurz nach dem Ausbruch der Corona-Krise in Deutschland ist die Zahl der Krankmeldungen mit psychischer Ursache nach oben geschnellt. Das ist Ergebnis einer aktuellen Auswertung der Krankenkasse KKH. Im März dieses Jahres fehlten Arbeitnehmer den Zahlen zufolge in rund 26.700 Fällen aufgrund von Erkrankungen der Psyche. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des vergangenen Jahres waren es nur rund 14.600, was einem Anstieg von rund 80 Prozent entspricht.

Krankenstand im März auf Rekordniveau

Generell lag der Krankenstand im März bundesweit auf einem Rekordniveau von 7,1 Prozent – 2019 waren es 5,6 Prozent. Vor allem bei den Frauen registrierte die Kasse einen Höchststand – insbesondere in Ostdeutschland verzeichnete sie Spitzenwerte von rund zehn Prozent krankheitsbedingten Fehlens im Abgleich zur Sollarbeitszeit.

Neben psychischen Erkrankungen waren laut den Daten der KKH vor allem Erkältungen Grund für die hohe Zahl an Krankmeldungen. Husten, Schnupfen und ähnliche Symptome führten dazu, dass sich im März zwei Prozent der Arbeitnehmer krankschreiben ließen – so viele wie lange nicht. Das legt die Vermutung nahe, dass bei vielen Betroffenen eine große Verunsicherung herrschte, sich möglicherweise mit dem Corona-Virus infiziert zu haben. Mit Lockerung der Restriktionen von staatlicher Seite sank auch der Krankenstand wieder deutlich – im Mai und Juni war er sogar etwas niedriger als in den Vorjahresmonaten. Von Atemwegserkrankungen am stärksten betroffen waren Mitarbeiter von Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Pflegepersonal.

Aufgrund einer Covid19-Erkrankung oder eines Verdachts auf eine Infektion mit dem Virus meldeten sich der KKH-Erhebung zufolge insgesamt 523 Personen krank. Am meisten betroffen waren Krankenpfleger bzw. Krankenschwestern sowie Helfer und Fachkräfte in Pflege-, Alten- und Behindertenheimen. Dort war der Corona-bedingte Krankenstand mit jeweils 0,1 Prozent am höchsten. Die Krankheitsdauer lag bei durchschnittlich 12,4 Tagen.

Psychische Leiden nehmen zu – auch in der BU

Nicht nur in Bezug auf Krankmeldungen, sondern auch auf die Fähigkeit, seinen Beruf weiter auszuüben, spielen Erkrankungen der Psyche deutschlandweit eine immer größere Rolle. Laut einer Auswertung des Versicherers LV 1871 sind solche Leiden in 40 Prozent der Fälle ursächlich für eine Berufsunfähigkeit. Vor 20 Jahren ließen sich demgegenüber nur 23 Prozent der gezahlten BU-Renten darauf zurückführen.

Der Hintergrund: Bereits 2015 stellte das Robert Koch Institut in seinem Gesundheitsbericht die zunehmende Relevanz von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz fest: Sich laufend ändernde Arbeits- und Sozialbeziehungen, Überstunden und ständige Erreichbarkeit via Apps und Messenger führen zu verschwimmenden Grenzen zwischen Beruf und Privatleben – oft zulasten der Psyche.

Sondersituationen wie Existenzängste – beispielsweise bedingt durch die Pandemie – führen zu einer zusätzlichen Belastung. Allerdings gibt es auch gegenläufige Effekte. So zeigten Arbeitnehmer, die aufgrund der Corona-Krise in diesem Frühjahr erstmalig regelmäßig im Homeoffice arbeiteten, zuletzt in einer Umfrage der DAK eine überdurchschnittlich hohe Arbeitszufriedenheit und berichten von einer verbesserten Work-Life-Balance.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare