Corona: Immobilienboom hält an, Käufer finanzieren sicherheitsorientierter

Anne Hünninghaus Berater Sachwerte

Trotz der Krise sind die Preise für Wohneigentum auch im ersten Halbjahr 2020 weiter gestiegen. Käufer achten bei der Finanzierung laut einer Studie nun aber stärker auf Sicherheit und erhöhen ihr Eigenkapital.

Corona hält Häuslebauer und Immobilienkäufer nicht ab

Die Corona-Krise hält Häuslebauer und Immobilienkäufer nicht davon ab, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Bild: Adobe Stock/Eisenhans

Der Kauf oder Bau einer Immobilie ist kaum ein Projekt, über das kurzfristig entschieden wird. Deshalb ist es nicht allzu verwunderlich, dass die Immobilienpreise trotz der Corona-Krise zuletzt nicht eingebrochen sind. Tatsächlich geben die Deutschen weiterhin immer mehr Geld für Wohneigentum aus. Das zeigen Daten von mehr als 600.000 Finanzierungsabschlüssen von 2010 bis Ende Juni 2020, die der private Baufinanzierungsanbieter Interhyp ausgewertet hat.

Der durchschnittliche Kaufpreis einer über den Anbieter finanzierten Immobilie lag inklusive Nebenkosten im vergangenen halben Jahr bei durchschnittlich 434.000 Euro. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 403.000 Euro, das entspricht einer Steigerung von mehr als sieben Prozent. Vor zehn Jahren waren es durchschnittlich 277.000 Euro. Zwar sind regional Unterschiede in der Preisentwicklung zu verzeichnen, teils auch temporäre Preisrückgänge, insgesamt überwiegt aber die steigende Tendenz. Insbesondere zur Zeit des Shutdowns im März und April, kurz nach dem Allzeittief der Bauzinsen, haben sich viele Menschen zu einem Kauf und einer Finanzierung entschlossen. Eine mögliche Erklärung liegt im krisenbedingt gewachsenen Sicherheitsbedürfnis, das durch das Eigenheim gestillt wird.

Zinsniveau seit 2010 um drei Viertel gesunken

Der Langfristtrend hat sich nach leichten Corona-bedingten Schwankungen im März nun weiter stabilisiert. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld hat allerdings das Verhalten der Kreditnehmer beeinflusst und nicht nur die Kaufpreise, sondern auch die Darlehenssummen weiter aufwärts klettern lassen. Die durchschnittlichen Preise für Wohnungen und Häuser inklusive Nebenkosten sind im ersten Halbjahr 2020 gegenüber 2019 um mehr als sieben Prozent gestiegen. Das Zinsniveau für Baufinanzierungen liegt nur bei etwa einem Viertel der vor zehn Jahren üblichen Konditionen: Während in 2010 für zehnjährige Darlehen Zinsen von rund vier Prozent pro Jahr verlangt wurden, liegen die Konditionen heute meist unter einem Prozent. Mehr Käufer können sich daher die Kreditraten für Bauprojekte leisten.

Während andere Anlagemöglichkeiten derzeit immer weiter an Attraktivität einbüßen, machen diese Umstände den Immobilienkauf nicht nur mit Blick auf das Eigenheim interessant, sondern auch für Kapitalanleger. Zwar kaufen nach wie vor drei Viertel der Deutschen eine Immobilie für den Eigenbedarf. Der Anteil der Kapitalanleger, die eine vermietete Immobilie finanzieren, hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt, von zwölf Prozent in 2010 auf heute 25 Prozent.

Sicherheitsanker: Hohe Tilgung, lange Zinsbindung, mehr Eigenkapital

Gleichzeitig ist der Studie zufolge der Trend, eine hohe Tilgung und lange Zinsbindungen zu wählen, auch in den vergangenen Monaten zu beobachten gewesen. Die anfängliche Tilgung bei Bauherren und Käufern ist von 2,6 Prozent im Jahr 2010 auf 3,3 Prozent im Jahr 2020 gestiegen, die durchschnittliche Zinsbindungsfrist lag 2010 bei 11,6 Jahren, heute bei 13,7 Jahren. Die Auswertung zeigt, dass Bauherren und Käufer angesichts der hohen Kauf- und Kreditsummen heute umso stärker darauf achten, sicherheitsorientiert zu finanzieren. Zudem haben im ersten Halbjahr haben Baufinanzierungskunden laut Interhyp im Durchschnitt mehr Eigenkapital eingebracht als im Vorjahr: Bauherren und Käufer haben 2010 durchschnittlich 83.000 Euro eingebracht und 2019 101.000 Euro. Im ersten Halbjahr 2020 ist dieser Wert auf 111.000 Euro gestiegen.

Erhöhte Nachfrage nach flexiblen Finanzierungsmodellen

Bei aller Sicherheit darf für die Käufer aber auch das Thema Flexibilität nicht zu kurz kommen. Nicht zuletzt schwankende Einnahmen und mangelnde wirtschaftliche Planbarkeit im Verlauf der Pandemie dürften das Bedürfnis danach gesteigert haben, den Tilgungssatz kurzfristig zu wechseln. Eine solche Nachfrage stellt auch die Interhyp verstärkt fest. Die monatliche Durchschnittsrate für eine Finanzierung liegt heute bei rund 1.050 Euro – wie schon 2019. 2010 waren es rund 925 Euro, also nur 125 Euro weniger, trotz heute höherer Tilgung.

Eigenheimbesitzer mit bestehenden Krediten haben seit 2010 besonders von der Niedrigzinsphase profitiert und konnten die Zinsersparnis zur Entschuldung nutzen. Die anfängliche Tilgung bei Anschlusskrediten ist von damals durchschnittlich 3,6 Prozent auf heute 6 Prozent gestiegen. Bei einem Zinssatz von einem Prozent bedeutet das laut Interhyp, dass ein Darlehen neun Jahre früher abbezahlt werden kann.

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