Corona: Diese Effekte zieht die veränderte Arbeitswelt nach sich

Anne Hünninghaus Versicherungen Top News

Homeoffice als Dauerzustand bei Allianz & Co.: Die Krise wird sich aller Voraussicht nach nachhaltig auf die Arbeitskultur in deutschen Unternehmen auswirken. Diese Konsequenzen zeichnen sich bereits jetzt ab.

Bei einem fließenden Übergang des privaten und beruflichen Umfelds gilt es, sich über die Absicherung der neuen Risiken Gedanken zu machen

Bei einem fließenden Übergang des privaten und beruflichen Umfelds gilt es, sich über die Absicherung der neuen Risiken Gedanken zu machen. Bild: Adobe Stock/Andrey Popov

Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt weltweit revolutioniert. Besonders spürbar sind die Effekte in deutschen Unternehmen, die bislang stark in der Präsenzkultur verhaftet waren. Die Banken- und Versicherungsbranche ist dabei laut einer Studie der DAK Gesundheit in der Krise absoluter Vorreiter, wenn es um das Umschwenken auf digitale Möglichkeiten geht. Die Allianz hatte im März innerhalb weniger Tage 90 Prozent seiner Arbeit ins Homeoffice verlagert und Dienstreisen gecancelt.

Dass mit dem Ende des Shutdowns in puncto flexiblerer Arbeitskultur die Uhren nicht zurückgedreht werden, zeichnete sich bereits ab. So hatte Studien zufolge die Produktivität durch das Arbeiten aus dem Homeoffice zugenommen – bei gleichzeitig steigender Zufriedenheit der Mitarbeiter. Grund dafür ist neben dem Zeitgewinn, weil der Weg zur Arbeit wegfällt, dass viele Erwerbstätige Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können.

Allianz-Vorstand Christof Mascher verkündete nun im „Handelsblatt“, dass die neuen Homeoffice-Regeln die Krise überdauern sollen. Man erwarte, dass von den rund 150.000 Mitarbeitern weltweit längerfristig bis zu 40 Prozent von zu Hause arbeiten werden – auch eine höhere Zahl sei möglich, so Mascher. In Konsequenz macht das eine Überprüfung der zahlreichen Firmenstandorte erforderlich: Die Allianz unterhält Büros in 44 Ländern, ein großer Teil der Flächen und Ausstattungen würde mit wegfallender Präsenzpflicht obsolet. „Wir können digital um einen Tisch sitzen. Deswegen werden wir künftig mit kleineren Büros arbeiten“, so Mascher.

Effekte auf den Gewerbeimmobilienmarkt

Laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wollen auch zahlreiche Unternehmen anderer Branchen nach der Corona-Krise am Homeoffice festhalten, insbesondere aus der Informationswirtschaft, die für das ortsunabhängige Arbeiten prädestiniert ist.

Die Effekte dieser arbeitskulturellen Revolution werden aller Voraussicht nach weit über das organisatorische Umstellen innerhalb der Betriebe hinausgehen. Zum einen könnte durch den geschrumpften Bedarf an Büroräumen der Markt für Gewerbeimmobilien einbrechen. Zwar zeigt sich der Gewerbeimmobilienmarkt laut dem Institut der deutschen Wirtschaft bislang noch unbeeindruckt von der Krise, ein Einbruch blieb im ersten Halbjahr aus. doch die strukturellen Änderungen der Arbeitswelt werden voraussichtlich zeitverzögert zum Preisverfall führen.

Homeoffice erfordert erweiterten Versicherungsschutz

Zum anderen müssen sich Unternehmen auch in Sachen Versicherungsschutz für die neue Arbeitswelt aufstellen. Bei einem fließenden Übergang des privaten und beruflichen Umfelds gilt es, sich über die Absicherung der neuen Risiken Gedanken zu machen. Einbezogen werden sollten Überlegungen zum Versicherungsschutz bei Wege- und Berufsunfällen, zur Haftung und zu Sachgefahren.

Was hier als Arbeitsunfall gilt, ist derzeit noch nicht klar definiert, schon der Gang in die Küche ist am Heimarbeitsplatz unter Umständen nicht gesetzlich versichert. Wer regelmäßig im Homeoffice arbeitet, hat in puncto Unfallversicherungen besonderen Beratungsbedarf.

Hinzu kommt ein für Unternehmen gestiegenes Risiko für Cyber-Angriffe, wenn die Mitarbeiter möglicherweise von privaten Endgeräten oder unter verminderten Sicherheitsbedingungen von zu Hause aus arbeiten. „Durch die verstärkte Homeoffice-Nutzung entsteht eine stark vergrößerte Angriffsfläche des Unternehmensnetzwerks. Zusätzlich haben Phishing-Angriffe durch die physische Distanz zu Kollegen leichteres Spiel“, erklärte Ole Sieverding, Underwriting Manager Cyber bei Hiscox Deutschland, dazu kürzlich im procontra-Interview.

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