Allianz spürt Corona-Auswirkungen

Martin Thaler Corona Versicherungen

Das Geschäft mit Kfz-Versicherungen erwies sich im ersten Halbjahr als schwierig, andere Bereiche verzeichneten hingegen deutliche Zuwächse. Insgesamt sieht sich der Versicherer aber widerstandsfähig aufgestellt.

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Die Allianz sieht sich widerstandsfähig aufgesgtellt. Bild: Allianz

Ist die Corona-Talsohle bereits durchschritten? Die Versicherer reagieren auf diese Frage bislang mit Zurückhaltung: Laut aktuellen Ergebnissen des ifo-Konjunkturtests zeigt sich die überwiegende Mehrheit der deutschen Versicherer einer schnellen Rückkehr zum Vorkrisenniveau skeptisch gegenüber. Zwar hellte sich die Stimmung in den Unternehmen zuletzt leicht auf, doch die Sorgen vieler Ökonomen im Hinblick auf eine Zunahme von Insolvenzen und einer anhaltend schwachen Auslastung der Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf trüben den Optimismus. „Die leichte Stimmungsaufhellung könnte darauf hindeuten, dass die Corona-Talsohle schon durchschritten ist. Doch noch ist die Erwartungshaltung der Versicherer sehr gedämpft“, kommentierte GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen.  

Auch bei der Allianz Deutschland, die am Mittwoch ihre Geschäftsergebnisse für das erste Halbjahr bekannt gab, spricht man „nach einem deutlichen Rückgang im Neugeschäft“ von einem sich abzeichnenden Aufwärtstrend. Insgesamt stieg der Umsatz in den drei Geschäftssparten Schaden/Unfall, Leben- sowie Krankenversicherung übergreifend um 1,7 Prozent auf 22,4 Milliarden (Vorjahr: 22 Milliarden) Euro.

Nachfrage nach Rechtsschutz steigt

Im Schaden-/Unfallbereich stellten die Stuttgarter deutliche Auswirkungen der Corona-Krise in den einzelnen Versicherungssparten bekannt: So verzeichnete die Allianz bei der Kfz-Versicherung Rückgänge, die sie auf den Rückgang bei den Kfz-Neuzulassungen zurückführte. Deutlich gestiegen sei hingegen die Nachfrage nach Arbeits- und Vertragsrechtsschutzversicherungen. Insgesamt verringerten sich die Neu- und Mehrbeiträge gegenüber dem Vorjahr um 6,3 Prozent, der Umsatz stieg um ein Prozent.  

Beim Thema Betriebsschließungsversicherung vermeldet die Allianz, dass sich die 75 Prozent der betroffenen Kunden für das auf dem „bayerischen Modell“ beruhenden Angebot entschieden hätten. Insgesamt habe die Allianz hierfür einen zweistelligen Millionenbetrag zur Verfügung gestellt.  

Das bayerische Modell sieht vor, dass die Versicherer ihren von Betriebsschließungen betroffenen Kunden zwischen 10 und 15 Prozent der vereinbarten Tagessätze zahlen, begrenzt auf 30 Tage – der Rest der finanziellen Ausfälle soll durch staatliche Leistungen wie Kurzarbeitergeld und Soforthilfen ausgeglichen werden.  

Viele Gastronomen verweigern sich jedoch dem Angebot und prüfen juristische Schritte. Erst vergangene Woche fand eine Richterin vor dem Münchener Landgericht deutliche Worte gegenüber dem verklagten Versicherer – der Allianz.  

Aus der Sicht der Allianz soll die Absicherung im Pandemiefall künftig nicht nur über die Versicherer erfolgen, sondern auch der Staat miteinbezogen werden. Eine Möglichkeit sei die Organisation über eine Private Public Partnership. „Wir glauben, dass dafür ein übergreifender europäischer Rahmen sinnvoll sein könnte. Die Umsetzung sollte dann aber lokal erfolgen und muss an den länderspezifischen Kontext angepasst sein“, erklärte Klaus-Peter Röhler, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland. Derzeit befinde man sich mit Politik und Verbänden in einer Diskussion darüber, wie eine solche Absicherung konkret ausgestaltet werden könnte.  

Sensibiltät für Gesundheitsthemen gestiegen

In der Lebensversicherung konnte die Allianz eine Steigerung bei den Beitragseinnahmen in Höhe von 1,6 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro verzeichnen, das Neugeschäft bekam allerdings die Corona-Auswirkungen zu spüren und sank um 13 Prozent. Jedoch sei auch hier mittlerweile eine Erholung feststellbar. Zuletzt hatte die Allianz ihren Marktanteil in der Lebensversicherung deutlich ausbauen können – die Stuttgarter vereinnahmen mittlerweile fast ein Drittel des gesamten Lebensversicherungsmarktes für sich.  

Bei den Krankenversicherungen blieb das Neugeschäft gegenüber dem Vorjahreszeitraum stabil. Die Beitragseinnahmen stiegen um 4,9 Prozent auf 1,9 (zuvor: 1,8) Milliarden Euro. „Wir beobachten, dass die allgemeine Sensibilität in Bezug auf Gesundheitsthemen mit der Pandemie deutlich gestiegen ist“, bemerkte Röhler. Vor allem bei der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) habe man weiter deutlich zulegen und die Marktführerschaft ausbauen können. Die Verkäufe, gemessen in Monatsbeiträgen, seien um 75 Prozent gesteigert worden. Interesse bestünde vor allem bei größeren Unternehmen, deren Mitarbeiter in der Corona-Krise sehr gefordert seien, heißt es seitens der Allianz.

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