Zug zu spät, Abflug verpasst: Wer zahlt die Kosten?

Michael Fiedler Berater Recht & Haftung

Wer übernimmt die zusätzlichen Kosten, wenn eine Verspätung der Deutschen Bahn dazu führte, dass das „Rail & Fly“-Ticket nicht genutzt werden konnte? Darüber befand das Landgericht Frankfurt.

Bahn zu spät Flug verpasst? Wer nun die Mehrkosten trägt

Bahn zu spät und deshalb den Flug verpasst? Wer nun die Mehrkosten trägt, entschied die Reisekammer des LG Frankfurt. Bild: Portraitor / pixabay

Bei Pauschalreisen werden häufig „Rail & Fly“-Tickets angeboten. Der Reisende fährt von seinem Wohnort mit der Deutschen Bahn zu jenem Flughafen, von wo der Abflug ins Reiseland stattfindet. Doch was passiert, wenn aufgrund von Verspätungen der Bahn der Flug verpasst wurde? Wer trägt die daraus entstehenden Mehrkosten? Diese Fragen klärte nun das Landgericht Frankfurt.

„Rail & Fly“: Zug verspätet

Anlass zur gerichtlichen Klärung war gegeben, weil ein Mann von seinem Reiseveranstalter Mehrkosten erstattet wissen wollte und dafür den Klageweg beschreiten musste. Der Kläger hatte für seine Familie und sich eine Pauschalreise in Thailand gebucht. Vom Wohnort Göttingen aus sollte der Abflugort Frankfurt am Main via ICE erreicht werden. Dafür waren „Fly & Rail“-Tickets gebucht.
Daraus wurde allerdings nichts. Aufgrund von Verspätungen des ICE gelangte die Familie erst 50 Minuten vor Abflug am Flughafen an. Dort wurde ihr die Weiterreise verwehrt, denn der Check-In war bereits abgeschlossen. Da an diesem Tag keine weiteren Flüge Richtung Thailand starteten, musste die Familie umkehren und konnte die Reise nach Thailand erst am nächsten Tag antreten. Für den diesen Flug und die erneute Fahrt zwischen Göttingen und Frankfurt musste der Mann ca. 2.200 Euro zusätzlich aufwenden, die er von dem Reiseunternehmen verlangte.

Verspätung der Deutschen Bahn als Reisemangel

Dem stimmten die Richter in Frankfurt zu (Az.: 2-24 S 74/19). Der Veranstalter der Pauschalreise müsse sich die Verspätung der Deutschen Bahn als Reisemangel zurechnen lassen, so die Reisekammer des Landgerichts Frankfurt. Der Bahntransfer sei durch das „Rail & Fly“-Angebot Inhalt des Reisevertrags geworden. Der Reiseveranstalter habe so seine reisevertraglichen Pflichten freiwillig erweitert. Diese Einstandspflicht hätte der Reiseveranstalter vermeiden können, indem er nur die Anreisekosten (als Fremdleistung) übernommen hätte. Stattdessen wurde die Bahnfahrt als Teil der geschuldeten Reiseleistung angeboten.
Und dabei könne ein Reisender grundsätzlich auf die Einhaltung der Abfahrts- und Ankunftszeiten der Bahn vertrauen. Es seien nur solche Verzögerungen einzuplanen, mit denen regelmäßig zu rechnen sei. Die Reiserechtskammer entschied, dass eine Zugverspätung von zehn Minuten einzukalkulieren sei. Bei dieser Planung wäre der verbliebene Zeitpuffer im vorliegenden Fall ausreichend gewesen, um rechtzeitig 120 Minuten vor Abflug am Abflugschalter anzukommen.

Das Urteil ist rechtskräftig.

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