Zeckenjahr 2020: Warum Makler jetzt aktiv werden sollten

Berater Versicherungen von Carla Fritz

Für dieses Jahr ist eine besonders starke Zeckensaison prognostiziert worden. Ein Anlass für Makler, die von der Kundschaft oft vergessenen Unfallpolicen zu überprüfen.

Vorsicht vor gefährlichen Blutsaugern: Die Zeckensaison hat begonnen

Vorsicht vor gefährlichen Blutsaugern: Die Zeckensaison hat begonnen. Bild: Adobe Stock/Heiko Barth

In Deutschland gibt es jährlich etwa 250 bis 300 Neuerkrankungen an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die überwiegend durch Zecken übertragen wird. 30 Prozent der Betroffenen erkranken schwer. 10 bis 20 Prozent der Zecken tragen das Borreliose-Bakterium in sich. Hier werden jährlich rund 7.200 bis 7.800 Patienten im Krankenhaus behandelt. 

Früher sei dieses „plötzliche Ereignis von außen“ in den Unfallverträgen ausgeschlossen gewesen. „Mittlerweile hat man Mühe, Tarife zu finden, wo der Zeckenbiss noch rausgeworfen wird“, so Brigitte Mayer von der Verbraucherzentrale Hessen. Eine mögliche Inanspruchnahme infolge eines dauerhaften körperlichen Schadens schätzt sie aufgrund der amtlichen Fallstatistik und der jederzeit möglichen Schutzimpfung, zumindest gegen FSME, allerdings als unwahrscheinlich ein. 

Dass andererseits auch eine Schutzimpfung selbst Schadensauslöser sein kann, hat Bert Heidekamp, Sachverständiger aus Berlin, in seiner Beratungspraxis erlebt. Der Kunde hatte ein „gestrecktes“ Impfmittel gegen die Schweinegrippe erhalten, war infolgedessen an Narkolepsie erkrankt und dadurch erwerbsunfähig geworden. Das könne aber unter Umständen auch durch eine ganz normale Impfung passieren. „Manche Gesellschaften unterscheiden in diesem Rahmen noch einmal zwischen ärztlich empfohlener oder gesetzlich vorgeschriebener Schutzimpfung.“ Die Palette der Infektionskrankheiten, die in der Unfallversicherung mit abgedeckt sind, inklusive der Schutzimpfungen dagegen, reicht nach Heidekamps Recherchen von 6 bis über 40.

Tierbiss oder Insektenstich?

Jedes Wort im Kleingedruckten auf die Goldwaage zu legen empfiehlt sich. Es macht schon einen Unterschied: Sind Tierbisse samt Gesundheitsschäden daraus generell mitversichert? Dann wären Zecken mit drin. Oder bezieht sich der Schutz nur auf Insektenstiche? Dann wären die kleinen Blutsauger raus. Denn sie gehören nicht zu den Insekten, wie oft angenommen. Darauf weist Heidekamp hin. Zecken sind eine Milbenart und zählen zu den Spinnentieren. Auch bei der Mitversicherung von Tierbissen variieren die Bedingungen nach seiner Bewertung in entscheidenden Details: Zecken werden hier manchmal zusätzlich ausgeschlossen oder Infektionen durch Tierbisse, was letztlich auf dasselbe hinausläuft.

In vielen Tarifen werden Zeckenbisse ausdrücklich als mitversichert genannt. Der Schutz greift teils aber nur mit Einschränkung – beispielsweise nicht in Ausübung des Berufs. Was dann ausgerechnet Gärtner, Förster, Waldarbeiter oder Biologen beträfe. „Bei Kindern mit Zeckeninfektion wird unter Umständen erst ab einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent geleistet“, so Heidekamp.

Höhe der Grundsumme prüfen

Der springende Punkt vor allem bei älteren Policen aus Sicht von Verbraucherschützerin Mayer: „Bei Verträgen, die zehn Jahre oder länger liegen, ist die Inflation drüber gegangen. Dann reicht die Entschädigungsleistung oft nicht mehr aus. Auch deshalb, weil aus heutiger Sicht meist geringe Versicherungssummen vereinbart wurden.“ 

Bei neueren Verträgen mit fixer Summe sieht sie oft Mini-Leistungen. Denn eine Vollinvalidität erreiche im Grunde kaum jemand. Anhand der Gliedertaxe wäre dann herunterzubrechen, was überhaupt noch übrig bleibt. Bei Verträgen mit Progressionsstaffel – nach dem Prinzip: je höher der Schaden, desto höher die Entschädigung – wird die Grundversicherungssumme teils zu klein gewählt. Konsequenz auch da: „Bei kleinen Schäden kommt kaum etwas an.“ Die Kompromisslösung liegt für Mayer bei einer Progression zwischen 350 und maximal 500 Prozent bei einer Grundsumme von mindestens 150.000 bis 200.000 Euro. Damit bei einem mittleren Schaden auch noch eine Leistung herauskommt. Immer vorausgesetzt, dass die „schmale Absicherung über eine Unfallversicherung sinnvoll ist“ und eine Berufsunfähigkeitsversicherung „als erste Wahl“ ausfällt. 

Die alten Unfallverträge kündigen und neue abschließen – das steht im Ergebnis der Prüfung wahrscheinlich des Öfteren an. Frauen sollten allerdings wissen, dass sie dann vielleicht in die teurere Gruppe B der körperlich Tätigen rutschen. Bei Verträgen noch aus der Zeit vor den Unisex-Tarifen wurden sie automatisch der Gruppe A der nicht körperlich Tätigen zugerechnet. Darauf weist Heidekamp hin. Auf der anderen Seite kann es nach seinen Worten für einige Berufe auch günstiger werden, nachdem etwa die InterRisk jetzt eine dritte Gruppe zwischen diesen beiden neu am Markt eingeführt hat. Dass damit allerdings auch der tarifliche Vergleich schwieriger wird, bestätigt Wilfried Schwarzer vom unabhängigen Analysehaus Morgen & Morgen. Für die Zukunft erwartet er eine noch stärkere Differenzierung – ob so weitgehend wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, das bleibe abzuwarten.   

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