Württembergische: BSV-Nachträge sorgen für Verunsicherung

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News Corona

BSV-Kunden der Württembergischen erhielten kürzlich unerwartet Nachträge zu ihren Policen. Dabei handle es sich um Schlechterstellungen, kritisieren Anwälte. Tatsächlich hätten die Schreiben das Haus so nicht verlassen sollen.

Bei der Württembergischen Versicherung bedauert man den Versand der Briefe an die Bestandskunden in der Betriebsschliessungsversicherung.

Bei der Württembergischen Versicherung bedauert man den Versand der Briefe an die Bestandskunden in der Betriebsschliessungsversicherung. Bild: W+W-Gruppe

Das Dilemma um Corona-bedingte Schäden in der Betriebsschließungsversicherung (BSV) ist für viele Versicherer aktuell ein hochsensibles Thema. Umso verwunderlicher erscheinen da die Vorwürfe, welche die Düsseldorfer Kanzlei Wilhelm gegen die Württembergische Versicherung AG richtet.

Der Versicherer der W+W-Gruppe hat sich bezüglich BSV-Schäden klar positioniert: Da das Coronavirus nicht namentlich als Krankheit oder auslösender Krankheitserreger in den Bedingungen aufgeführt ist, besteht kein Versicherungsschutz. Daran hat sich auch nichts geändert. Doch offenbar möchte man bei der Württembergischen diese Sichtweise bei den Kunden noch stärker verdeutlichen. Laut der Kanzlei Wilhelm hat der Versicherer Ende April damit begonnen, an seine BSV-Kunden Nachträge zu verschicken, die den Deckungsumfang bestehender Verträge einschränken könnten.

Eine Praxis, die in der angespannten BSV-Lage die Diskussion um Leistungspflicht und Image-Verlust der Versicherungsbranche wieder anheizen könnte. Schließlich hatte erst kürzlich der Continentale Versicherungsverbund für einen Aufschrei gesorgt, als die Policen von Bestandskunden gekündigt wurden, sofern diese an ihrem BSV-Schadenantrag festhielten. Auch die Allianz und ihre Vertreter mussten sich jüngst Vorwürfe in Sachen BSV-Beratung anhören.

Schlechterstellung der Versicherten?

Konkret wurde in den Nachträgen der Württembergischen der Begriff der Betriebsschließung gestrichen und durch folgenden Wortlaut ersetzt:

Betriebsschließung nach einer behördlichen Einzelverfügung zur Vermeidung einer Ausbreitung der in den Bedingungen aufgezählten, im versicherten Betrieb aufgetretenen Krankheiten und Krankheitserreger

Laut den Düsseldorfer Anwälten sei in den BSV-Bedingungen der Württembergischen bislang von „Einzelverfügungen“ keine Rede. Ebenso wenig davon, dass die Krankheiten oder Erreger im versicherten Betrieb tatsächlich auftreten müssten. „Die Württembergische will den Deckungsumfang bestehender Verträge durch den Nachtrag einschränken. Offenbar versucht der Versicherer, nachträglich zu kitten, was bei der ursprünglichen Gestaltung der Versicherungsbedingungen misslungen ist“, sagte Dr. Mark Wilhelm, Managing Partner bei Wilhelm Rechtsanwälte. Seine Kanzlei vertritt nach eigenem Bekunden aktuell über 40 Kunden der Württembergischen.

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