Wirecard: Ist der BaFin-Skandal eine glückliche Fügung für Berater?

Finanzanlagenvermittlung Berater Top News von Alexandra Jegers

Der Skandal um den Zahlungsabwickler Wirecard ist eine Blamage für den Finanzstandort Deutschland, auch die Finanzaufsicht BaFin hat versagt. 34f-Vermittlern könnte das Desaster indes helfen, den ungeliebten Aufsichtswechsel zu verhindern.

Wackelt durch den Wirecard-Skandal der Aufsichtswechsel der 34f-Vermittler?

Wackelt durch den Wirecard-Skandal der Aufsichtswechsel der 34f-Vermittler? Bild: BaFin

Eigentlich hat Felix Hufeld eine klare Vorstellung davon, wie die Kontrolle von Banken, Versicherungen und Wertpapierhandel in der Praxis aussehen soll. „Aufsicht muss auch beißen können“, kündigte der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bei seinem Amtsantritt im Jahr 2015 an. Inzwischen ist klar: Im Fall Wirecard hat die Aufsicht nicht einmal gebellt. 

Seit Jahren veröffentlicht die renommierte britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“ Artikel, die Fragen zum Geschäftsmodell des Unternehmens aus Aschheim bei München aufwerfen. Wirecard soll Umsätze vorgetäuscht, Verträge gefälscht und so seine Bilanzen frisiert haben. Der Konzern wies die Vorwürfe immer wieder zurück, sprach von Verleumdung und leitete juristische Schritte ein. Doch was Investoren und Geldgeber beruhigte und Jahr ums Jahr weiter ans Unternehmen glauben ließ, war nicht zuletzt das Engagement der Finanzaufsicht. Auch die BaFin sprang Wirecard zur Seite und sprach zeitweise ein Verbot für Leerverkäufe aus, mit denen Investoren auf fallende Kurse wetten. Später erstattete sie sogar Anzeige gegen Journalisten der „Financial Times“ wegen Marktmanipulation. Bereits damals war das ein ungewöhnlicher Schritt. Rückblickend war er nicht weniger als skandalös. 

Seit Juni ist klar: In der Bilanz des DAX-Konzerns klafft eine Lücke von 1,9 Milliarden Euro, die auf asiatischen Treuhandkonten liegen sollten und sehr wahrscheinlich nie existiert haben. Innerhalb von nur einer Woche wurde aus dem einstigen Hoffnungsträger der deutschen Tech-Industrie ein Insolvenzfall. Die Wirecard-Aktie stürzte ins Bodenlose, Milliarden an Börsenwert wurden vernichtet. 

Wirecard-Skandal als Katalysator

Der Skandal wirft viele Fragen auf. Hätte die Finanzaufsicht früher eingreifen müssen? Wie löchrig sind die Kontrollsysteme der BaFin, wenn selbst ein Konzern wie Wirecard im Grunde jahrzehntelang fast unbehelligt wachsen und gedeihen konnte? Auch in der Politik schlug der Fall hohe Wellen. Es sei eine „Katastrophe, dass die Finanzaufsicht hier gepennt hat“, ließ der Linken-Finanzpolitiker Fabio De Masi verlauten. Auch der Grünen-Finanzexperte Danyal Bayaz fordert einen Kulturwandel der Behörde nach ihrem "Versagen".

Für Finanzanlagenvermittler und deren Interessenvertreter könnte sich der Fall Wirecard indes als glückliche Fügung erweisen. Seit bekannt ist, dass Union und SPD Finanzanlagenvermittler unter die Aufsicht der BaFin stellen wollen, ist die Branche in Aufruhr. Derzeit fallen Vermittler von Finanzprodukten unter die Aufsicht von Industrie- und Handelskammern sowie Gewerbeämtern. Die Große Koalition erhofft sich von dem geplanten Wechsel zur BaFin, die Kontrolle über Finanzprodukte zu vereinheitlichen. Das soll die Sicherheit für Anleger erhöhen und die Beratungsleistung verbessern. Der Vermittlerverband AfW und andere Interessenvertretungen halten nicht viel von den Plänen aus Berlin. Sie haben bereits mehrfach kritisiert, dass der BaFin die Kompetenz für die Beaufsichtigung von Finanzanlagenvermittlern fehle. Die Behörde sei auf Banken und Versicherungsunternehmen ausgerichtet, nicht auf mittelständische Gewerbetreibende, zu denen die rund 37.000 unabhängigen Finanzvermittler in Deutschland zählen.

Nun hegen die Interessenvertreter die Hoffnung, dass der Wirecard-Skandal den ungeliebten Aufsichtswechsel zur BaFin doch noch verhindern könnte. „In Anbetracht des Wirecard-Skandals und der damit mehr und mehr öffentlich werdenden Versäumnisse auch der BaFin erscheint es unmöglich, der BaFin zusätzliche Aufgaben zu übertragen“, betont AfW-Vorstand Norman Wirth. Erst müssten die Fehler der Aufsicht aufgearbeitet werden, bevor man weitere Kompetenzen überträgt. 

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