Wie sich Corona aufs Sparverhalten auswirkt

Martin Thaler Investmentfonds

Die Deutschen legen aufgrund der Corona-Krise vermehrt Geld auf die hohe Kante - ohne dabei ihre typischen Fehler zu unterlassen. Doch es gibt auch Zeichen der Besserung.

Die Deutschen sparen wieder vermehrt in der Krise.

Die Deutschen sparen wieder vermehrt in der Krise. Bild: Pixabay/ Alexas_Fotos

Trotz derzeitig niedriger Inflationsrate verlieren die Deutschen weiter Geld. Wie dem aktuellen Realzins-Radar der comdirect Bank zu entnehmen ist, verloren die Spareinlagen der Deutschen im zweiten Quartal des Jahres insgesamt 3,9 Milliarden Euro an Wert – umgerechnet auf den einzelnen Sparer ist das ein Verlust von 46 Euro. Auf das gesamte erste Halbjahr gerechnet summieren sich die Wertverluste gar auf 12,9 Milliarden Euro. 

Dass die Verluste nicht noch höher ausfielen, liegt an der zurzeit niedrigen Inflationsrate. Im Quartaldurchschnitt betrug dieses 0,76 Prozent – das ist der niedrigste Wert seit dem dritten Quartal 2016. Da der Zinssatz für Tages- und Festgelder, Girokonten und Spareinlagen durchschnittlich jedoch nur bei 0,13 Prozent lag, ergab sich für die Sparer dennoch ein Realzins von minus 0,63 Prozent.  

Geldentwertung könnte wieder zunehmen

Dieser könnte sich in den kommenden Monaten weiter nach unten entwickeln: „Aktuell ist die Inflation ausgesprochen niedrig. Aber aufgrund der Coronakrise fluten die Notenbanken die Märkte mit frischem Geld. Die Gefahr besteht, dass die Geldentwertung zunimmt“, befürchtet Frauke Hegemann, Vorstandsvorsitzende der comdirect Bank.  

Zumal mit einer baldigen Erhöhung der Zinsen kaum zu rechnen ist. „Niedrige Zinsen wird es noch lange Zeit geben. Die hohen Corona-Hilfen des Staates verschärfen die Situation noch zusätzlich“, erklärte Michael Hauer, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), im Gespräch mit procontra.  

Die Corona-Krise bewirkt gleichzeitig eine zunehmende Sparbereitschaft der Deutschen. Laut Bundesbank betrug die Sparquote im ersten Quartal des Jahres laut Bundesbank 16,7 Prozent – die Commerzbank geht für das zweite Quartal gar von einer Sparquote von 20 Prozent sein. Grund hierfür könnte die Sorgen vieler Deutschen um ihren Arbeitsplatz sein: Bis zu 7,3 Millionen Deutsche waren während der Krise in Kurzarbeit.

„Es ist verständlich, dass Menschen in unsicheren Zeiten dazu, ihr Erspartes in vermeintlich sichere Anlagen zu investieren“, kommentierte Hagemann. „Tagesgeld, Sparbuch und Co. sind mittelfristig aber kein sicherer Hafen für das Vermögen, ganz im Gegenteil.“  

Verstärktes Interesse an Aktien- und Mischfonds

Dass zumindest bei manchen Kunden ein Umdenken stattzufinden scheint, lässt ein Blick auf das aktuelle Fondsbarometer von ebase erahnen. Diesem zufolge greifen verstärkt bei Fonds zu. „Zahlreiche Anleger haben in Folge der Corona-bedingten Kursrückgänge im ersten Quartal gutes Timing bewiesen und bereits zum Anfang des zweiten Quartals wieder investiert“, berichtet Kai Friedrich, Sprecher der ebase-Geschäftsführung. 

Vor allem Aktien- und Mischfonds waren bei den Anlegern beliebt. Der Fundflow-Faktor, der das Verhältnis zwischen Nettomittelzuflüssen und -abflüssen zeigt, betrug im zweiten Quartal bei Aktienfonds 1,72. Gefragt waren vor allem Aktienfonds mit globalem Anlageschwerpunkt sowie solche, die in den USA investieren. Bei Mischfonds betrug der Fundflow-Faktor sogar 1,85.  

Auch Vermittler können die erhöhte Sparbereitschaft der Deutschen für einen Gesprächsanlass nutzen, bei dem sie ihre Kunden von renditestärkeren Investments überzeugen können als dem klassischen Sparbuch.

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