Wie ein Versicherer in spe die Branche grün umkrempeln will

Martin Thaler Versicherungen Top News

Allerdings ist ver.de mittlerweile nicht mehr der einzige Versicherer, der das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt hat. Laut dem aktuellen Marktausblick Lebensversicherung der Kölner Ratingagentur Assekurata bewertet der überwiegende Teil der Lebensversicherer die Bedeutung von ESG-Kriterien bei Investmententscheidungen als mittel bis sogar hoch. Das Portal „Versicherungswirtschaft heute“ zitiert aus einer GDV-Analyse, wonach 90 Prozent der Mitgliedsunternehmen Nachhaltigkeitsaspekte verstärkt in der Kapitalanlage berücksichtigen möchten.  

Fehlt ver.de damit das Alleinstellungsmerkmal, der sogenannte „unique selling point“? Die Antwort von Meinhold fällt eindeutig aus: „Nein“. Denn für die ver.de-Gründerin ist der Nachhaltigkeitsansatz der  Versicherer zu kurz gegriffen. „In der Regel wird Nachhaltigkeit hier als Risikovermeidungsstrategie begriffen. Die Denkweise lautet meist: Ich investiere nicht mehr in Braunkohle, weil das zum ,stranded asset‘ werden könnte. Es geht aber um mehr, als nur ein negatives Ereignis zu vermeiden. Es geht um die Wirkung der Investition.“  

Positiver Investmentansatz

Bleiben wir beim Beispiel Braunkohle: Wird nur diese von der Kapitalanlage ausgeschlossen, stünde es dem Investor weiter frei, in andere fossile Brennstoffe zu investieren. Investoren, die den „Best in class“-Ansatz verfolgen, hätten zudem oft immer noch in Bezug auf Nachhaltigkeitssaspekte fragwürdige Unternehmen im Portfolio. Statt also nur einzelne kritische Investments zu vermeiden, sollte laut Meinhold stattdessen ein positiverer Investmentansatz verfolgt werden – und hier sei man bislang das einzige Unternehmen, das diesen Ansatz konsequent verfolge.  

Ein Alleinstellungsmerkmal soll das allerdings nicht bleiben – soll durch die Kapitalanlagen der deutschen Versicherer etwas bewegt werden, reichen die Investments eines Versicherers nicht aus. Auch deshalb sieht sich Meinhold mit ver.de als Pionierin, „als Beispiel für die anderen Versicherer, an dem diese sich orientieren können“. Einen Vergleich hat Meinhold auch zur Hand: die GLS-Bank. „Diese hat als erste Bank begonnen, bei allen Geldbewegungen auf die damit verbundenen ökologischen und gesellschaftlichen Wirkungen zu achten. „Ich hoffe, dass die anderen Banken in dieser Hinsicht nun nachziehen werden“, sagt Meinhold – genauso, wie die übrigen Versicherer ver.de folgen sollen. „Wir werden immer die nachhaltigsten bleiben und mutig voran gehen.“

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