Weiterbildung: Offene Fragen sollen bis Herbst beantwortet werden

Martin Thaler Berater IDD

Viele Vermittler haben die Corona-Einschränkungen für ihre Weiterbildung genutzt, wie Zahlen von "gut beraten" zeigen. Noch immer gibt es jedoch Unklarheiten, was die Weiterbildungspflicht angeht. Die Aufsichten versuchen nun, diese auszuräumen.

Viele Vermittler haben die Corona-geprägten vergangenen Monate offenbar dazu genutzt, sich weiter fortzubilden. Dies zeigen neue Zahlen, die jetzt von der Brancheninitiative „gut beraten“ veröffentlicht wurden.  

Durchschnittlich 9:06 Stunden hat jeder der rund 150.000 aktiven Teilnehmer im ersten Halbjahr in seine persönliche Weiterbildung investiert. Insgesamt verzeichnete die Brancheninitiative eine IDD-relevante Gesamt-Weiterbildungszeit von insgesamt 1.366.216 Stunden. Damit sind die meisten Vermittler auf einem sehr guten Weg, ihre Weiterbildungsverpflichtungen in diesem Jahr einzuhalten: Seit Februar 2018 sind Makler und andere Versicherungsvermittler dazu aufgefordert, pro Jahr eine Weiterbildungszeit von insgesamt 15 Stunden abzuleisten.  

Vielzahl offener Fragen

Doch noch immer scheint es unter den Vermittlern eine Vielzahl offener Fragen zu geben: Von wem erhalten Vermittler die Weiterbildungsnachweise, welche Fristen sind zu beachten und fällt auch die 450-Euro-Kraft, die lediglich für die Vereinbarung von Terminen zuständig ist, unter die gesetzliche Anforderung?  

Zur Klärung dieser und weiterer Fragen arbeiten die involvierten Aufsichten – Industrie- und Handelskammern sowie BaFin – derzeit an einer FAQ-Liste, mit der möglichst alle Unklarheiten beseitigt werden sollen. Diese werden für den Herbst erwartet, teilte Monika Klampfleitner, Leiterin der Geschäftsstelle von „gut beraten“ mit. Die Tra?gerverba?nde von gut beraten stehen mit den Aufsichten im Austausch zu allen Fragen der Anrechnung von Weiterbildungen“, so Klampfleitner weiter.

Ungeachtet bestehender Unklarheiten haben bereits 27.204 Versicherungsvermittler ihr gesetzlich vorgeschriebenes Weiterbildungsziel von 15 Zeitstunden erfüllt. Weitere 6.130 Vermittler kommen sogar schon auf 30 Weiterbildungsstunden.  

Bei den bevorzugten Lernformen sind klar die Auswirkungen der Corona-Krise auszumachen: Bei den bevorzugten Lernformen spielen Präsenzveranstaltungen so gut wie keine Rolle mehr. Auch bedingt dadurch, dass zahlreiche Branchenveranstaltungen wie die MMM-Messe oder die VEMA-Tage Corona-bedingt ins Netz ausweichen mussten, entfielen auf Präsenzveranstaltungen lediglich noch ein Anteil von fünf Prozent. Ganz anders sieht es hingegen beim E-Learning aus. „Im zweiten Quartal 2020 dominiert das E-Learning mit einem Anteil von 92 Prozent an allen erfassten Lernformen die Weiterbildung der rund 150.000 aktiven Teilnehmer bei gut beraten“, berichtet Klampfleitner.

E-Learning boomt nicht erst durch Corona

Auch Stephanie Rettig, Leiterin der Online-Messe profino (gehört wie procontra zum Alsterspree-Verlag), berichtet von einem steigenden Interesse – sowohl von Seiten der Aussteller, sprich Versicherer, die zusätzliche Webinare buchen, als auch von Seiten der Maklerschaft. So gab es im April beispielsweise ein Drittel mehr Webinar-Anmeldungen als im Vorjahresmonat, die Zahl der Teilnehmer wuchs sogar um die Hälfte.

Der Trend zum E-Learning ist nicht erst seit der Flut an pandemiebedingten Messeabsagen zu beobachten. Bereits 2019 hatte diese Lernform die Präsenzveranstaltung als beliebteste Lernform abgelöst. Dass sich dieser Trend nach dem Ende der Corona-Ausnahmesituation wieder umkehren könnte, darf bezweifelt werden – dafür verliefen die meisten Web-Veranstaltungen zu reibungslos und konnten eindrucksvoll ihre Stärken untermauern: keine An- und Abreisezeiten und -kosten, ein effizienteres Zeitmanagement und die Konzentration auf das Wesentliche.    

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