Was Käufer von Ferienimmobilien beachten sollten

Martin Thaler Sachwerte

Urlaub zuhause: Durch Corona wird für viele Deutsche der Urlaub im eigenen Land immer attraktiver, der Kauf einer Wohnung an der Küste ist für viele naheliegend. Bei der Finanzierung sollten Käufer jedoch einige Punkte beachten.

Ferienhäuser

Käufer von Ferienhäusern sollten bei der Finanzierung einige Punkte beachten. Bild: Adobe Stock/ Gabriele Rohde

Die Corona-Krise lässt viele Urlaubsbedürftige in diesem Jahr das eigene Land entdecken. Laut einer Umfrage des Portals Business Insider planen 36 Prozent aller Deutschen, ihren Urlaub zwischen Sylt und dem Bodensee zu verbringen – nur knapp 30 Prozent planen indes, ihren Urlaub im Ausland zu verbringen, der Rest verzichtet vollständig auf die Urlaubsplanung. Krabbenbrötchen statt Paella, Ostfriesen-Tee statt Vino blanco – beim Strandbummel kommt vielen dabei offenbar die Idee, eine eigene Wohnung direkt am Wasser zu kaufen.

 „Der Lockdown und die eingeschränkten Reisemöglichkeiten haben offenbar dazu geführt, dass das Thema Ferienimmobilie im Inland stärker in den Fokus geraten ist“, bestätigt auch Mirjam Mohr, Vorständin für das Privatkundengeschäft bei der Interhyp AG.  

Der Baufinanzierungs-Vermittler hatte in den vergangenen Wochen vor allem eine steigende Nachfrage für Immobilien an der deutschen Nord- sowie Ostseeküste festgestellt, während in anderen Ferienregionen wie dem Bodensee die Nachfrage unverändert blieb.  

Hoher Eigenkapitaleinsatz

Auch wenn die Finanzierung einer heimischen Ferienimmobilie einfacher möglich ist als bei einer Wohnung im Ausland, gilt es einige Punkte bei der Finanzierung zu beachten. „Bei der Finanzierung einer Ferienwohnung raten wir, ein besonderes Augenmerk auf ausreichend Eigenkapital zu werfen. Wir raten als erste Orientierung zu einem Eigenkapitaleinsatz von rund 40 Prozent des Kaufpreises – für die Kaufnebenkosten, die rund sechs bis 16 Prozent ausmachen können, und einen Teil des Kaufpreises. Auch das notwendige Mobiliar für die Ausstattung muss von Anfang an budgetiert werden“, erläutert Mohr.   

Bei der Gegenfinanzierung der Ferienwohnung bzw. des Ferienhauses beziehen viele Kaufinteressierte zudem potenzielle Mieteinnahmen mit ein – schließlich wird die Wohnung vom Ferienhausbesitzer selbst in der Regel nur wenige Wochen im Jahr selbst genutzt. Viele Wohnungskäufer kalkulieren die potenziellen Mieteinnahmen allerdings zu großzügig. Denn dass es zu finanziell schmerzhaften Leerständen kommen kann, machte unlängst die Corona-Krise deutlich, als praktisch sämtliche Küstenregionen keine Touristen erlaubten.   

“2017 lag die durchschnittliche Auslastung von Ferienhäusern und -wohnungen in Deutschlands noch bei durchschnittlich 26 Wochen im Jahr. 2018 war es im Schnitt bereits eine Woche länger, was sicherlich auch auf den Supersommer des vergangenen Jahres zurückzuführen ist”, klärt Aye Helsig vom Vermietungsportal Fewo-direkt. Ein verregneter Sommer kann hingegen die Vermietung deutlich erschweren.

Durchschnittliche Mieteinnahmen liegen bei 11.900 Euro

Zwar lagen die durchschnittlichen Mieteinnahmen bei 11.900 Euro im Jahr, jeder fünfte Immobilienbesitzer konnte allerdings lediglich bis zu 5.000 Euro durch die Vermietung seiner Wohnung erlösen – das waren gerade einmal 400 Euro im Monat.   Folglich sollten Immobilienkäufer bei der Finanzierung ohne die potenziellen Mieteinnahmen kalkulieren und die Kreditraten alleine aus ihrem Einkommen stemmen können, rät Interhyp-Vorständin Mohr.  

Hinzu kommen laufende Kosten, die der Käufer zu beachten hat. Neben der Grundsteuer sind auch Instandhaltungskosten sowie Kosten für den Versicherungsschutz der Ferienimmobilie zu berücksichtigen. Wohngebäude- und Hausratversicherungen für Ferienimmobilien sind in der Regel deutlich teurer, da die Wohnungen über längere Zeiträume leer stehen, Einbrüche als Konsequenz als wahrscheinlicher gelten. Die Versicherer behelfen sich hier in der Regel mit einem Risikoaufschlag.  

Weitere Kosten kommen durch die Vermietung zustande: „Käufer müssen hier zusätzlich zu den laufenden Kosten Arbeitskapazitäten oder Budgets einplanen, etwa für die Reinigung, die Verwaltung oder zum Beispiel für Werbung“, mahnt Mohr. Wohnungsverwaltungsgesellschaften verlangen für diese Dienstleistungen bis zu 20 Prozent der Mieteinnahmen. Wer sich den Traum von einer eigenen Wohnung am Wasser erfüllen möchte, sollte diesen Traum folglich gründlich durchgerechnet haben.

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