VW-Abgasskandal kostet Rechtsschutzversicherer hunderte Millionen

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Die Musterfeststellungsklage gegen VW hat den Rechtsschutzversicherern Geld gespart. Dennoch sind bei ihnen enorme Kosten zusammengekommen. Angesichts steigender Anwalts- und Gerichtsgebühren empfiehlt sich der Abschluss einer Rechtsschutz-Police immer mehr.

Für neue Klagen gegen Volkswagen aufgrund des Abgasskandals ist es nun offenbar zu spät. Angesichts steigender Anwalts- und Gerichtsgebühren empfiehlt sich der Abschluss einer Rechtsschutz-Police aber immer mehr.

Für neue Klagen gegen Volkswagen aufgrund des Abgasskandals ist es nun offenbar zu spät. Angesichts steigender Anwalts- und Gerichtsgebühren empfiehlt sich der Abschluss einer Rechtsschutz-Police aber immer mehr. Bild: Pixabay

Der weltweite Skandal um manipulierte Abgasmesswerte in Fahrzeugen von Volkswagen und anderen Automarken hat die deutschen Rechtsschutzversicherer bislang 667,3 Millionen Euro gekostet. Auf diese Summe kommt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Stand Mai 2020 bei einer Erhebung unter seien Mitgliedsunternehmen. Die Ausgaben der Versicherer verteilen sich auf die Kostenblöcke Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten. Insgesamt haben hierzulande bislang rund 247.000 Diesel-Fahrer bezüglich des Abgasskandals ihre Rechtsschutzversicherung in Anspruch genommen. Daraus ergeben sich durchschnittliche Leistungen von rund 2.700 Euro pro Versichertem.

Die Gesamtsumme der Rechtsschutzleistungen mag hoch klingen. Ohne die Anfang Mai beigelegte Musterfeststellungsklage (MFK) der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen Volkswagen wäre es die Rechtsschutzversicherer aber noch teurer gekommen. Gegenüber procontra hatten kürzlich die beiden großen Anbieter Arag und Roland Rechtsschutz erklärt, dass sie durch die MFK merklich günstiger weggekommen sind als wenn alle versicherten Diesel-Fahrer einzeln geklagt hätten. Bei Marktführer Arag etwa hatten sich rund 1.300 Kunden im Klageregister der MFK angemeldet. Größere Erfolgsaussichten messen die Versicherer jedoch weiterhin dem individuellen Klageweg bei.

Ohne Rechtsschutz kann es teuer werden

Dieser könnte für Menschen ohne Rechtsschutzversicherung in Zukunft aber noch teurer werden beziehungsweise ein noch höheres Kostenrisiko darstellen. Denn im nächsten Jahr werden voraussichtlich Rechtsanwalts- und Gerichtsgebühren steigen. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 betrugen die durchschnittlichen Gesamtkosten für einen Rechtsstreit über Mietminderung knapp 5.000 Euro und eine Kündigungsschutzklage schlug mit etwa 8.300 Euro zu Buche.

Gerade im arbeitsrechtlichen Bereich rechnet man beim GDV mit steigenden Fallzahlen, da aufgrund der Corona-Krise viele Arbeitsplatzverluste drohen. Das verdeutliche unter anderem ein zuletzt stark gestiegenes Aufkommen von Telefonanfragen bei Rechtsschutzversicherern. Deshalb schlägt der GDV eine Gebührenanpassung mit Augenmaß vor. Die Kosten könnten bei bestimmten Verfahren, die für Anwälte weniger aufwendig sind, gesenkt werden, wie etwa bei MFKs.

Angesichts der hohen Ausgaben ist bei den Rechtsschutzversicherern wohl eher nicht mit Beitragssenkungen zu rechnen. Zumindest in Sachen Dieselgate dürfte aber nicht mehr allzu viel dazukommen. Das Landgericht Osnabrück hat dieser Tage zwei Klagen von betroffenen Autofahrern abgewiesen (Az.: 6 O 842/20 und 4 O 483/20), die ihre Klage erst jetzt im Jahr 2020 erhoben hatten. Ihre Schadenersatzansprüche seien mittlerweile verjährt.

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