VSH für Vermittler: „Gefährlich wird es, wenn der Versicherer Sachverhalte anders interpretiert“

Michael Fiedler Berater Versicherungen

Seit 2007 ist die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung eine Pflichtversicherung für Versicherungsvermittler. Nun wird auch der französische Anbieter CGPA in Deutschland aktiv.

Christian Henseler sorgt für neuen VSH-Schutz

Sorgt für neuen Vermögensschadenhaftpflicht-Schutz: Christian Henseler. Bild: CGPA

Bauchladen oder Spezialisierung? Diese Frage stellen sich nicht nur Versicherungsvermittler, sondern auch Versicherer selbst. Die Antwort der französischen CGPA fällt eindeutig aus. Das 1930 gegründete Unternehmen fokussiert nur auf eine einzige Zielgruppe: Versicherungsvermittler. Seit 1. Juli gibt es auch eine Unternehmens-Tochter in Deutschland, die CGPA Europe Underwriting GmbH. Deren geschäftsführender Gesellschafter ist der VSH-Experte Christian Henseler, der früher für die Schutzvereinigung deutscher Vermittler von Versicherungen und anderen Finanzdienstleistungen e.V. (SdV) tätig war. Für die Schadenbearbeitung konnte die Kanzlei Michaelis aus Hamburg gewonnen werden. Doch warum braucht es überhaupt einen neuen VSH-Anbieter auf dem Markt? procontra fragte bei Henseler nach.

procontra: Was hat bisher in den VSH-Angeboten für Vermittler gefehlt?

Christian Henseler: Fairerweise muss man sagen, dass die Bedingungen am Markt sich aufgrund des vorhandenen Wettbewerbs seit 2007 kontinuierlich verbessert haben, zumindest bei den wichtigen Marktteilnehmern. Dennoch gibt es zahlreiche Klauseln und Bestimmungen, die noch heute verbesserungswürdig sind. Das liegt einerseits daran, dass das Risiko „Versicherungsmakler“ von einigen Gesellschaften sehr restriktiv gehandhabt wird und andererseits daran, dass viele Anbieter zwar mit Einführung der Pflichtdeckung ein gutes Produkt lanciert haben, dieses dann im Anschluss aber nur noch bei gesetzlich bedingten Änderungen angepasst haben, wie zum Beispiel bei der Einführung der Paragraphen 34 f und i. Viele verbesserungsfähige Produktmerkmale lassen sich aus den Bedingungen oder dem Versicherungsschein herauslesen, wie zum Beispiel der Ausschluss Bonitätsrisiko eines Versicherers, der Ausschluss von Ansprüchen von Angehörigen oder Personen in häuslicher Gemeinschaft, der Dokumentationspflicht als vertragliche Obliegenheit im Versicherungs- und auch Finanzanlagenbereich, zu hohe Selbstbeteiligungen, zeitlich begrenzte Nachhaftungen bei Tätigkeiten, die keiner Pflichtversicherung unterliegen etc..

procontra: Können Sie ein Beispiel nennen?

Henseler: Gefährlich wird es, wenn der Versicherer die Sachverhalte anders interpretiert: Ein Versicherungsmakler, der sich an uns gewandt hat, berichtete uns von seiner Anfrage an seinen durchaus bekannten VSH-Versicherer bezüglich der Mitversicherung von fondsgebundenen Rentenversicherungen. Der Versicherer antwortete ihm, dass es sich hierbei sowohl um eine Versicherung als auch um eine Kapitalanlage handele und folglich die Zulassung nach 34f nebst dem entsprechenden Versicherungsschutz benötigt werde. Ansonsten bestünde kein Versicherungsschutz. Diese Sichtweise ist sehr bedauerlich für alle Versicherungsvermittler, die ausschließlich eine Zulassung nach § 34d besitzen. Aus Gründen der Transparenz haben wir daher die Mitversicherung von fondsgebundenen Versicherungen explizit in unseren Bedingungen genannt.

procontra: Die Zahl der Vermittler sinkt immer weiter. Warum lohnt sich dennoch der Einstieg in diesen Markt?

Henseler: Zum einen, weil die VSH für Versicherungsvermittler seit über 90 Jahren das einzige Tätigkeitsfeld von CGPA ist. CGPA ist in den wichtigsten europäischen Ländern aktiv und das zum Teil führend. Deutschland ist trotz sinkender Vermittlerzahlen immer noch sehr attraktiv und hat sehr viel mehr Vermittler als andere Länder. Wenn man sich die Zahlen genau betrachtet, stellt man den größten Einbruch im Segment der Vertreter fest. Versicherungsmakler sind in den letzten 9 Jahren relativ stabil geblieben, auch wenn es zuletzt einen kleinen Abrieb gab. Wir sind überzeugt, mit dem Konzept und den Prämien eine große Zahl von Vermittlern zu erreichen und in Deutschland eine ähnliche Marktposition zu erzielen wie in anderen Ländern. Wir haben zudem eine Besonderheit, die man ansonsten auch aus dem Bereich der Rechtsschutzversicherung kennt: Wenn der Versicherungsvermittler bei CGPA versichert ist, wird er niemals einen Interessenkonflikt im Schadenfall haben. Der streitgegenständliche Vertrag ist immer bei einem anderen Versicherer.

procontra: Sind Kooperationen mit Pools oder Verbünden geplant?

Henseler: CGPA ist in anderen europäischen Ländern wir beispielswiese Frankreich, Italien und England ein sehr enger Partner der Vermittlerverbände. Natürlich möchten wir auch in Deutschland die Nähe von Pools und Verbünden suchen und stehen grundsätzlich immer für einen Austausch zur Verfügung.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare