Vertrieb: Nachhaltigere Info-Pflichten für Fondspolicen

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Investmentfonds Top News

Die Pflichten seien sowohl unternehmensbezogen als auch produktbezogen im Internetauftritt zu erfüllen, ebenso in den vorvertraglichen Informationen und jährlichen Berichten. „Die Vorgaben sind noch nicht ausformuliert, dürften aber zum 10. März 2021 zu erfüllen sein“, blickt Kindervater voraus.

Parallel hat die europäische Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa den Entwurf einer Änderungsverordnung zu den Delegierten Verordnungen zur IDD angeschoben. Gegenstand sind auch hier Änderungen der beim Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten geltenden Informationspflichten und Wohlverhaltensregeln. „Die Verabschiedung der finalen Version ist wohl spätestens Ende 2020 zu erwarten und die Umsetzung rund zwölf Monate später“, schreibt Kindervater.

Neue Fragen an Kunden und die Folgen der Antworten

Folge für Fondspolicen-Vermittler: Künftig müssen zum Zwecke der Geeignetheitsprüfung nicht nur unter anderem die Anlageziele und die Risikobereitschaft beim Kunden abgefragt werden, sondern auch die Nachhaltigkeitspräferenzen. So ist zu ermitteln, ob der Kunde auch die Integration von nachhaltigen Produkten (nach Maßgabe von Artikel 8 und 9 Off-VO) wünscht.

Dem Kunden müssen also mehr Fragen in der Beratung gestellt werden als bisher. Die Frage „Haben Sie Interesse an nachhaltigen Produkten?“ allein dürfte dafür nicht ausreichen, warnt Kindervater. „Der Kunde muss vielmehr danach gefragt werden, ob solche Produkte in seine Kapitalanlagestrategie integriert werden soll oder nicht“, betont der Experte.

Diese Erläuterungen würden den Umfang der Geeignetheitsprüfung aller Voraussicht nach deutlich ausweiten. Zudem hätten die Antworten Konsequenzen für die Produktempfehlung:

  • Sagt der Kunde, dass die besagten Produkte nicht in seine Anlagestrategie integriert werden sollen, könnten weiter die „alten“ Produkte empfohlen werden.
  • Nennt der Kunde dagegen konkret, welche Produkte er gerne in seine Anlagestrategie integriert sehen würde, wird der jeweilige Berater nur noch solche Produkte empfehlen dürfen, die diesen Anforderungen genügen.

Gute Aussichten für Makler

Sind nun keine Produkte mit Nachhaltigkeitspräferenz oder keine ausreichend differenzierten Produkte im Portfolio des Versicherers, könnten gebundene Vermittler voraussichtlich keine Empfehlung mehr auf Fondspolicen abgeben. Makler dagegen könnten aus der Breite des Marktes nachhaltiger Produkte schöpfen. Angesichts dieser Konsequenzen verwundert es Kindervater, dass die avisierten Nachhaltigkeitsprinzipien in Vertrieb und Produktentwicklung vieler Versicherer bislang nur eine untergeordnete Rolle spielen.

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