Vertrieb: Nachhaltigere Info-Pflichten für Fondspolicen

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung Investmentfonds Top News

Neue Verordnungen auf europäischer Ebene bringen neue Informationspflichten für Anbieter und Vermittler von Versicherungsanlageprodukten mit sich – spätestens ab 2022. Welche Konsequenzen dies für die Vermittlung von fondsgebundenen Produkten hat.

Künftig muss der Kunde bei der Beratung zu Fondspolicen auch nach seinen Nachhaltigkeitspräferenzen gefragt werden.

Künftig muss der Kunde bei der Beratung zu Fondspolicen auch nach seinen Nachhaltigkeitspräferenzen gefragt werden. Bild: Pixabay / Gerd Altmann

Lange haben die Lebensversicherer zu jeder Zeit eine volle Beitragsgarantie geboten. Den Trend zu reduzierten Garantien, etwa auf den Erhalt der eingezahlten Beiträge nur noch bei Ablauf des Vertrages, gibt es aber schon länger (procontra berichtete).

Bei Fondspolicen sind Garantien, wenn überhaupt, nur in schwacher Ausprägung zu bekommen – in Form eines bei Vertragsabschluss festgelegten Rentenfaktors (procontra berichtete). Einige Anbieter bieten den höheren Wert, sollte der aktuelle Rentenfaktor bei Rentenbeginn höher als bei Vertragsabschluss sein (procontra berichtete).

Darüber hinaus müssen Vermittler bei Fondspolicen eine Geeignetheitsprüfung aus Kundensicht vornehmen, die durch die Finanzanlagenvermittlungsverordnung eingeführt wurde (procontra berichtete). Der Vermittler ist danach verpflichtet, auch die Fähigkeit des Kunden, Verluste zu tragen, zu erfragen.

Nachhaltigkeitspräferenzen künftig zu erfragen

In diesem Zusammenhang kommt es demnächst wohl zu weiteren Informationspflichten im Zusammenhang mit Versicherungsanlageprodukten. Hintergrund: „Die EU rollt die neue Nachhaltigkeitsgesetzgebung mit Verordnungen und Initiativen immer weiter aus“, berichtet Wolfgang Kindervater, Manager im Bereich Financial Services, Tax & Legal Insurance, der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, in einem Blog-Beitrag.

Mit der Veröffentlichung der Taxonomieverordnung im Europäischen Amtsblatt sei neben der Offenlegungsverordnung (Off-VO) vom Dezember 2019 nun die zweite zentrale Verordnung der neuen Nachhaltigkeitsgesetzgebung auf den Weg gebracht. Die Konsultationen betreffen auch Änderungen der Delegierten Verordnungen zur Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD). Dabei stehe die Änderung der Delegierten Verordnung (EU) 2017/2359 im Fokus, die die Informationspflichten und Wohlverhaltensregeln für den Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten festlegt.

Nach dem Willen der EU-Kommission sollen bei einer Beratung zu Versicherungsanlageprodukten künftig zwingend die sogenannten Nachhaltigkeitspräferenzen des Kunden abgefragt und bei der Geeignetheitsprüfung berücksichtigt werden. Zur Erinnerung: Nachhaltigkeit definiert sich als Dreiklang aus Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – kurz: ESG.

Versicherer und Vermittler vor größerem Aufwand

„Bereits in der Off-VO sind eine Reihe von Informationspflichten für die Beratung zu Versicherungsanlageprodukten kodifiziert“, sagt Kindervater, der als Rechtsanwalt bei PwC auch für Versicherungsvertriebsrecht zuständig ist. Die Informationspflichten beträfen die Strategie zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionsentscheidungen und Informationen über nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen.

Seite 1: Was die EU-Gesetzgebung zu Fondspolicen vor hat
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