Thomas Cook: Bald soll das erste Geld fließen

Martin Thaler Versicherungen Panorama

Pünktlich zur Urlaubssaison will die Bundesregierung mit der Entschädigung von Pauschaltouristen beginnen, die von der Insolvenz des Reiseanbieters Thomas Cook betroffen sind. Knapp 57.000 Anträge sind über das geschaltete Portal bislang eingegangen, es könnten jedoch noch etliche mehr werden.

Thomas Cook

Für die Geschädigten der Thomas-Cook-Pleite können bald mit den ersten Zahlungen seitens der Bundesregierung rechnen. Bild: Adobe Stock/ Thomasz Warszewski

Die Insolvenz des Reiseanbieters Thomas Cook im Herbst des vergangenen Jahres schlug deutschlandweit hohe Wellen. Trotz Versicherungsschutz blieb bei vielen Kunden eine große finanzielle Lücke offen – die Versicherungssumme des zuständigen Versicherers Zurich war auf 110 Millionen Euro beschränkt. Jeder Kunde sollte entsprechend nur 17,5 Prozent seiner Ansprüche erstattet bekommen – daraufhin sprang der Bund in die Bresche und versprach, betroffenen Kunden den restlichen Schaden zu ersetzen.  

Knapp 57.000 Thomas-Cook-Kunden haben seitdem auf dem seit dem 6. Mai geschalteten „Thomas Cook Bundportal“ Ansprüche angemeldet – dies geht aus einer kleinen Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Die angemeldeten Forderungen belaufen sich mittlerweile auf 76 Millionen Euro.  

Die Antragssteller könnten in naher Zukunft ihr Geld bekommen - laut Bundesregierung wurde bereits mit der Prüfung der Anmeldungen begonnen. „Die ersten Anmeldungen werden aktuell abschließend geprüft, so dass die ersten Auszahlungen unmittelbar bevorstehen“, heißt es in der Antwort auf die kleine Anfrage. Wie lange es durchschnittlich von der Anspruchsanmeldung bis zur Auszahlung dauert, kann die Bundesregierung nicht sagen – dies hänge jeweils mit der Komplexität und der Mitwirkung der Antragsstellenden im Einzelfall ab.  

Allerdings geht die Bundesregierung von einer weit größeren Zahl geschädigter Pauschaltouristen aus, wie aus der Anfrage ersichtlich wird. „Die Bundesregierung geht von rund 200.000 betroffenen Pauschalreisebuchungen aus, für die eine Anmeldung über das Thomas Cook Bundportal erfolgen kann“, heißt es hier. Bis zum 15. November haben die Thomas-Cook-Kunden noch Zeit, ihre Ansprüche über das Portal geltend zu machen – eine Nachreichung von Unterlagen ist bei zuvor erfolgter Anmeldung jedoch auch nach diesem Zeitpunkt noch möglich.  

Neues Insolvenzrecht

Maximal rechnet die Bundesregierung mit Entschädigungszahlen in Höhe von 225,25 Millionen Euro.   Weiterhin hält die Bundesregierung jedoch an ihrem Ziel fest, den anfallenden Schaden für sich selbst gering zu halten. Stattdessen ist man weiterhin bestrebt, die Zurich als zuständigen Versicherer stärker an den Kosten zu beteiligen. Mit den Ausgleichszahlungen verbindet die Bundesregierung die Abtretung der Ansprüche der Pauschalreisenden. „Die Bundesregierung wird diese Ansprüche konzentriert geltend machen, um die Einstandssumme zu reduzieren.“  

In Folge der Thomas-Cook-Pleite war das entsprechende Insolvenzrecht stark in die Kritik geraten. Zwar regelt eine EU-Richtlinie die Entschädigung von Pauschalreisenden, das deutsche Recht sieht aber bislang eine Deckelung bei 110 Millionen Euro vor: Nur bis zu dieser Summe mussten sich bislang Reiseanbieter gegen eine Insolvenz absichern.  

Dies soll sich in Zukunft ändern, quasi als Lehre aus der Thomas-Cook-Pleite. Im Juni beschloss das Bundeskabinett, dass Reisende bei Insolvenz ihres Veranstalters zukünftig aus einem gemeinsamen Fonds entschädigt werden sollen. Eine Haftungsbeschränkung – wie die bisher geltende 110-Millionen-Euro-Schwelle – solle es in Zukunft weder für Reiseveranstalter noch für Versicherer geben.

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