Tesla plant Angriff auf den deutschen Kfz-Versicherungsmarkt

Anne Hünninghaus Digital Versicherungen

Als erster Hersteller in Deutschland will der US-Elektroautobauer Tesla künftig eine eigene Versicherungspolice mit dem Verkauf der Fahrzeuge anbieten. Dafür sucht er zurzeit nach Aktuaren mit der Ambition, die Kfz-Versicherung zu „revolutionieren“.

Tesla will den deutschen Kfz-Versicherungsmarkt entern.

Tesla will den deutschen Kfz-Versicherungsmarkt entern. Bild: Adobe Stock/terryleewhite

In einem Jahr geht es los: Schon im kommenden Sommer will Elektroautobauer Tesla mit seiner Produktion in Deutschland starten. Das derzeit in Brandenburg entstehende Autowerk Gigafactory könnte sogar in kürzerer Bauzeit fertiggestellt werden als die Produktionsstätte in Shanghai. Auch den Versicherungsmarkt möchte der exzentrische Firmengründer Elon Musk europaweit entern. Für den neuen Standort Berlin-Brandenburg werden schon seit Mai Versicherungsexperten gesucht. Ausgeschrieben war unter anderem die Position „Program Manager, Insurance Product & Underwriting (Europe)“. „Wir bauen ein großartiges, bedeutendes Versicherungsunternehmen auf“, erklärte Musk vergangene Woche in einer Web-Konferenz und wandte sich an Risikoexperten. Man suche „revolutionäre Aktuare“, denen ihre Branche zu langsam sei. Ziel ist es, künftig maßgeschneiderte Versicherungsprodukte für Tesla-Eigentümer zu entwickeln.

In den USA gibt es diese bereits: Laut „Teslamag“ können kalifornische Fahrer ihren Tesla seit vergangenem Jahr direkt beim Hersteller versichern, eine Ausweitung auf andere Bundesstaaten sei geplant. Bisher gibt im Angebot der monatlich zahlbaren Tarife, die jederzeit kündbar sind, allerdings noch Probleme, das System gilt als noch nicht ausgereift. Statt für die Tarifsetzung Schadenfälle rückblickend auszuwerten, möchte Tesla Prämien mit intelligenten Prognosen berechnen. Musks Ziel mit der Tesla Insurance ist es, besonders günstige und flexible Policen anzubieten, die Vorteile der modernen Technologie der Autos einbeziehen. Doch diese Policen sind unter dem Namen Telematik-Tarife auch von anderen europäischen Versicherern zu bekommen, bei denen die Fahrweise den Preis mitbestimmt.

Andere Hersteller setzen auf Kooperationen mit Versicherern

Begründet wird der Bedarf damit, dass Tesla-Fahrzeuge insbesondere bei der Autopilot-Nutzung seltener in Unfälle verwickelt seien. Langfristige Zahlen und Statistiken, die das belegen, gibt es allerdings bislang kaum.

Tesla wäre in Deutschland der erste Autohersteller, der eine eigene Versicherungspolice anbieten würde. Die Konkurrenz setzt derweil auf Kooperationen mit etablierten Versicherern. So steckt hinter den Tarifen von Volkswagen sowie sämtlicher Tochtergesellschaften die Allianz. Bei Mercedes und Porsche agiert HDI als Partner, BMW hat ein gemeinsames Angebot mit der Ergo geschaffen. Die Generali-Tochter Dialog war zu Jahresbeginn exklusiver Versicherungspartner für geleaste Volvo-Pkw im Stückprämiengeschäft geworden. Im Wettstreit um die Marktführerschaft im Kfz-Geschäft bietet die Allianz Kunden, die einen Volvo Recharge kaufen, unter gewissen Voraussetzungen automatischen Vollkaskoschutz an.

Dass Tesla den deutschen Kfz-Versicherungsmarkt - mit 47.7 Millionen zugelassenen Fahrzeugen der größte in Europa - aufmischt, ist erst einmal nicht zu erwarten. Geplant ist zunächst, die Versicherung nur den eigenen Kunden und Kundinnen anzubieten. Angesichts der derzeit 19.319 zugelassenen Pkw der Marke Tesla in Deutschland ist die Zielgruppe relativ spitz.

Zumal sich laut Experten das Geschäft in Deutschland für die Amerikaner schwieriger erweisen dürfte als in ihrem Heimatmarkt. So seien laut Berechnungen des Vergleichsportals Verivox, über die der Versicherungsmonitor berichtet, die Preisunterschiede zwischen der Versicherung für die Tesla-Modelle und für andere Fahrzeuge in Deutschland deutlich niedriger ausfällt als in den USA.

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