Steigende Eigenanteile in der Pflege: Wo es besonders teuer wird

Martin Thaler Berater Versicherungen

Erstmals sind die Eigenanteile im bundesweiten Schnitt auf über 2.000 Euro gestiegen. In manchen Bundesländern wird es noch einmal deutlich teurer.

Eigenanteile

Die Eigenanteile für Pflegebedürftige werden immer höher. Bild: Pixabay/ aitoff

Wer pflegebedürftig wird und hierfür in einem Heim betreut wird, muss immer mehr Geld aus eigener Tasche hinzuzahlen. Erstmals stieg der durchschnittlich vom Pflegeberdürftigen selbst zu zahlende Eigenanteil bundesweit auf über 2.000 Euro.  

Laut Daten des Verbandes der Ersatzkassen vom 1. Juli dieses Jahres mussten Pflegebedürftige monatlich 2.015 Euro bezahlen – am ersten Januar dieses Jahres waren es noch 1.940 Euro und damit 75 Euro weniger gewesen. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die durchschnittlichen Kosten für jeden Pflegebedürftigen um 124 Euro.  

Am meisten müssen dabei Pflegebedürftige aus Nordrhein-Westfalen aus eigener Tasche hinzuzahlen: Ihr durchschnittlicher Eigenanteil liegt laut aktuellen Daten bei 2.405 Euro pro Monat. Teuer wird es auch für Pflegebedürftige in Baden-Württemberg (2.354 Euro) und im Saarland (2.341 Euro).  

Wesentlich geringer fällt die finanzielle Belastung hingegen in Thüringen (1.564 Euro), Mecklenburg-Vorpommern (1.540 Euro) und Sachsen-Anhalt aus (1.436 Euro).  

Die wachsenden Eigenanteile in der Pflege bringen das bestehende Pflegesystem zunehmend in Bedrängnis. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte vor einigen Wochen angekündigt, im Herbst die Debatte über eine Pflegereform neu ankurbeln zu wollen – dann wisse man, wie sich die Corona-Pandemie auf die Sozialkassen ausgewirkt habe.  

Im Januar dieses Jahres war ein neues Gesetz in Kraft getreten, dass die Angehörigen von Pflegebedürftigen entlasten soll. So müssen sich unterhaltspflichtige Kinder erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von 100.000 Euro an den Pflegekosten der Eltern zu beteiligen. Zuvor konnten sich die Sozialämter, sofern sie sich an den Heimkosten beteiligen mussten, an die Verwandten wenden und das gezahlte Geld von diesen zurückverlangen.  

Schenkungen zurückverlangen

Allerdings können die Sozialträger von den Pflegebedürftigen getätigte Schenkungen zurückverlangen. Ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts Celle hatte im Februar dieses Jahres für große Aufmerksamkeit gesorgt. Weil eine Großmutter die Hilfe zur Pflege (§§ 61 ff. SGB XII) in Anspruch nehmen musste, kassierte der zuständige Sozialträger später als Ausgleich die Guthaben aus zwei Bonussparkonten, die die Oma bei einer Bank für ihre beiden Enkelkinder angelegt und jahrelang bespart hatte.  

Diese möglichen Rückforderungen sind dabei nicht auf Sparkonten beschränkt, sondern können auch bei Lebensversicherung Anwendung finden, wie Fachanwalt Stephan Michaelis gegenüber procontra bestätigte: „Lebensversicherungen und Sparkonten sind zwar weiterhin geeignet, eine Absicherung für Kinder und Enkelkinder darzustellen; im Einzelfall kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Geschenktes zurückgefordert werden muss.“  

Makler sollten dieses Urteil in ihrer Beratung entsprechend berücksichtigen: „Fallen Versicherungsnehmer und Beitragszahler auseinander, dann weisen Sie den Kunden als Beitragszahler darauf hin, dass er nach dem Gesetz gegebenenfalls verpflichtet sein kann, die Schenkungen aus der Lebensversicherung rückabzuwickeln, wenn er selbst in eine finanzielle Notlage gerät. Ich empfehle Ihnen, dies im Rahmen einer solchen Beratung vorsorglich zu erläutern und zu dokumentieren“, rät Michaelis.  

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