Schmerzhafte Urlaubserinnerung: Muss der Masseur haften?

Michael Fiedler Berater Recht & Haftung

Statt für Entspannung sorgte eine Massage für schmerzhafte Urlaubserinnerungen. Wie es dazu kam und warum der Reiseveranstalter haften musste.

Haftung Schmerzensgeld Massage

Verletzung nach der Massage im Urlaub? Wer dann haftbar ist, klärte das LG Frankfurt. Bild: pixabay

Sommer, Sonne und Massagen: Eine Frau suchte nach Tiefenentspannung und wollte sich und ihren Lebenspartner verwöhnen lassen. Dafür buchte sie eine zweiwöchige Pauschalreise auf die spanische Insel Teneriffa. Zum Leistungspaket zählten auch fünf Massagen. Doch die sorgten nicht für die gewünschte Entspannung.

Für die Massagen wurde eine nicht höhenverstellbare, klappbare, transportable Massageliege verwendet. Damit die Frau leichter auf und von der Liege wieder hinunterkommt, wurde vor der Liege ein Fußtritt aufgestellt. Der Masseur bot der Frau beim Abstieg seine Hilfe an. Doch die Frau lehnte ab; schließlich war sie unbekleidet und wollte sich so dem männlichen Masseur nicht zeigen.
Allerdings gelang ihr kein unfallfreier Abgang: Sie versuchte vergeblich, mit ihren Füßen den Tritt zu erreichen und wollte sich dann seitlich von der Liege hinabgleiten. Doch dabei kippte die Massageliege um. Die Frau stürzte, brach sich das Handgelenk und erlitt Prellungen an Kopf und Arm.

Verkehrssicherungspflichten verletzt

Daraufhin klagte die Frau gegen den Reiseveranstalter. Dieser müsse sich das Verhalten des Hoteliers zurechnen lassen, so die Reiserechtskammer des Landgerichts Frankfurt in ihrem Urteil (Az.: 2-24 O 28/18). Auch wenn die Massageliege für den stationären Betrieb zugelassen gewesen sei, hätten dennoch Vorkehrungen zum Schutz der Gäste getroffen werden müssen. Zudem hätte ein Hinweis erfolgen müssen, dass die Liege beim Absteigen kippen könnte. Da der Hotelier beides unterließ, habe er gegen seine Verkehrssicherungspflichten verstoßen, so die Richter. Sie sprachen der Frau ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.333,33 Euro zu.

Allerdings musste sich die Klägerin ein Mitverschulden anrechnen lassen. Schließlich habe sie das Hilfsangebot des Masseurs abgelehnt. Zwar sei nachvollziehbar, dass sie sich nicht unbekleidet vor einem Mann zeigen wollte. Sie hätte sich auch mit einem Badetuch bekleiden oder um weibliche Hilfe bitte können, so die Richter. Damit aber nicht genug: Die Klägerin hat auch Anspruch auf Minderung des Reisepreises und auf Ersatz nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit in Höhe von jeweils 50 Prozent anteilig für die verbleibenden Urlaubstage sowie auf Erstattung eines Haushaltsführungsschadens, weil sie nach ihrer Rückkehr mehrere Wochen ihren Haushalt nicht versorgen konnte.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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