Schmerzensgeld nach Tour mit dem „Bier-Bike“?

Michael Fiedler Recht & Haftung Panorama

„O' zapft is“: Was fröhlich werden sollte, endete für einen Mann schmerzhaft und schließlich vor Gericht. Dort musste geklärt werden, ob dem Mann Schadenersatz und Schmerzensgeld zusteht. Verletzt hatte er sich beim Zapfen auf einem „Bier-Bike“.

Schmerzensgeld nach Tour mit dem „Bier-Bike“?

Wer zapft, braucht beide Hände und kann sich nicht festhalten. Das hätte eine Firma, die ein "Bier-Bike" betreibt, wissen sollen, befand das Amtsgericht Hannover. Bild: pixabay

Am Maschsee in Hannover kann ein ganz besonderes Gefährt genutzt werden: Bei einem „Bier-Bike“ sitzen 8-15 Personen an einem Tresen um einen Bierausschank herum und betreiben das Fahrzeug über Pedale. In der Mitte steht eine weitere Person und übernimmt Zapfen und Ausschank.

Besonders beliebt ist diese Art der Fortbewegung zum Beispiel bei Junggesellenabschieden. So auch im vorliegenden Fall. Der Mann, der während der gesamten Fahrt den Ausschank übernahm, stürzte kurz vor Ende der Tour, weil das Gefährt abrupt abbremste. Dabei zog er sich eine Fraktur des Brustbeinknochens zu. Vor Gericht wollte der Mann daraufhin Schmerzensgeld i.H.v. 1.500 Euro, sowie Fahrtkosten für Arztbesuche und Zuzahlungen für Schmerzmittel bei dem Betreiber des „Bier-Bikes“ geltend machen. Die Betreiber-Firma sah das anders und argumentierte, dass eine Haftung ausscheide, weil der Kläger auf eigenes Risiko an der Fahrt teilgenommen habe.

Womit beim Betreiben einer Zapfanlage zu rechnen ist

Das Amtsgericht Hannover sah allerdings die Verkehrssicherungspflichten durch die Betreiber-Firma verletzt. Sie hätte dafür sorgen müssen, dass Körper- und Gesundheitsschäden besser vermieden werden. Dafür war das zur Verfügung gestellte Fahrzeug ungeeignet. Denn die Person, die den Ausschank übernimmt, kann sich nirgends festhalten und eine Sicherung über Gurte bestand auch nicht. Es sei nicht hinreichend, dass sich der Zapfer nur an den Streben für die Dachbefestigung oder an der Zapfanlage selbst festhalten konnte, so die Richter. „Immerhin werde die Tätigkeit des Bierzapfens – dies sei allgemeinkundig – regelmäßig beidhändig ausgeführt, indem mit einer Hand der Zapfhahn bedient während mit der anderen Hand das Trinkbehältnis gehalten werde“, hieß es weiter in dem Urteil. Auch mit plötzlichen Fahrmanövern, die den Zapfer aus dem Gleichgewicht bringen könnten, sei zu rechnen gewesen.

Allerdings muss sich der Mann auch Mitverschulden entgegenhalten lassen, so die Richter. Er habe sich unvorsichtig verhalten und dadurch zur Entstehung des Schadens nicht unmaßgeblich beigetragen. „Nach dem Ergebnis der mündlichen Verhandlung bestehe kein Zweifel, dass der Kläger die konkrete Gefahr voraussehen konnte und sich hierauf hätte einstellen können“, hieß es im Urteil. Ein über 1.000 Euro hinausgehendes Schmerzensgeld hielten die Richter nicht für gerechtfertigt, zumal die Verletzungen folgenlos ausgeheilt seien.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig (AZ: 512 C 15505/19).

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