Schaden-/Unfall: R+V schätzt Corona-Kosten auf rund 170 Millionen Euro

Anne Hünninghaus Corona Versicherungen

Nach einem vielversprechendem Jahr mit guten Geschäftszahlen verpasste die Pandemie auch der R+V Versicherung einen leichten Dämpfer. Bauchschmerzen bereitet vor allem das prognostizierte Schadenaufkommen.

Die R+V Versicherung gibt sich für den weiteren Jahresverlauf vorsichtig optimistisch.

Die R+V Versicherung gibt sich für den weiteren Jahresverlauf vorsichtig optimistisch. Bild: R+V

Nach der Hanse Merkur, der Bayerischen und der Signal Iduna zieht nun auch die R+V Versicherung eine erste Bilanz fürs bisherige Krisenjahr. „Wir peilen über alle Sparten ein leichtes Wachstum an“, gab sich Vorstandschef Norbert Rollinger vorsichtig optimistisch. Trotz der Pandemie konnte die zu den Volks- und Raiffeisenbanken gehörende Versicherung ihren Wachstumskurs im ersten Halbjahr 2020 fortsetzen. Die Beitragseinnahmen im Erstversicherungsgeschäft stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp zehn Prozent auf 8,7 Milliarden Euro.

An den Vertriebszielen für 2020 wolle man festhalten – sofern es keine zweite Corona-Welle gebe, so Rollinger. In der Lebens- und Pensionsversicherung sind die Beitragseinnahmen im bisherigen Jahr um 14,4 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen, besonders beliebt im privaten Vorsorgegeschäft seien neue Garantieprodukte. Um 28,5 Prozent auf ein Beitragsvolumen von 1,4 Milliarden Euro angestiegen ist die betriebliche Altersversorgung (bAV). Die Kranken-Sparte erzielte einen Beitragszuwachs von 6,4 Prozent, sowohl bei den Vollversicherten (+2,0 Prozent) als auch bei den Zusatzversicherten (+5,7 Prozent) gewann der Versicherer hinzu. Der Kfz-Bereich wuchs um 3,8 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. In der Schaden-/Unfallversicherung insgesamt verzeichnete der in Wiesbaden ansässige Versicherer in der ersten Jahreshälfte ein Beitragsplus von 5,3 Prozent auf mehr als 4,1 Milliarden Euro.

Die Corona-Bilanz der R+V

Der Start ins neue Jahr war vielversprechend – doch dann kam Corona und verpasste dem euphorischen Auftakt einen Dämpfer. Wie die Konkurrenz reagierte auch die R+V mit zusätzlichen Angeboten und Services auf die allgemeine Krisenlage. Bei den Kunden auf wenig Interesse stieß laut R+V die offerierten zinslosen Stundungen für Sparverträge. Der in Kooperation mit der Tele Clinic GmbH ausschließlich den Vollversicherten angebotene digitale Arztbesuch sei aber ein Erfolg. Während des vergangenen Halbjahrs ist die Netto-Zahl der Vollversicherten um 235 auf 62.100 leicht gestiegen.

Von Firmenkunden gut angenommen wurde auch die Möglichkeit der beitragsfreien Ruheversicherung in der Kfz-Versicherung – zeitweise waren bis zu 35.000 Fahrzeuge stillgelegt, etwa von Unternehmen, denen die Aufträge weggebrochen waren. Die R+V gehört mit 4,8 Millionen versicherten Fahrzeugen zu den größten Anbietern am Markt, rund 80.000 Fahrzeuge sind seit Jahresbeginn hinzugekommen.

„Wir rechnen für das Gesamtjahr in der Schaden-/Unfallversicherung aktuell mit einer zusätzlichen Ergebnisbelastung durch die Corona-Pandemie von 170 Millionen Euro“, so die vorsichtige und noch betont vage Schätzung von R+V-Chef Rollinger. Insbesondere befürchte man in den kommenden Monaten einen Anstieg der Insolvenzen, welche die R+V in ihren Kreditversicherungssparten abdeckt.

Die Kapitalanlagestrategie habe sich durch Corona grundsätzlich nicht verändert, gab R+V auf procontra-Nachfrage bekannt. Rund 70 Prozent des Portfolios sind demnach in festverzinslichen Anlagen mit überwiegend festen Laufzeiten investiert. Den Anteil an Staatsanleihen und Pfandbriefen hat der Versicherer gegenüber dem Anteil an Unternehmensanleihen bereits in den vergangenen Jahren verringert. Stetig ausgebaut werde außerdem das Portfolio an Alternativen Anlagen, rund ein Viertel der Neuinvestitionen werde in diesem Bereich investiert. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken verfügt die R+V über einen hohen Anteil an Hypothekendarlehen. Den Anteil an Immobilien will die Versicherung weiter ausbauen.

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