Policen Direkt: Darum droht Maklern Altersarmut

Florian Burghardt Berater

Den Bestand zu verkaufen oder geeignete Nachfolger zu finden wird für Makler durch die Corona-Krise nicht leichter. Welcher gefährliche Trend dabei auf dem Vormarsch ist, hat das Maklerbarometer von Policen Direkt ermittelt.

Gerade noch haben Versicherungsmakler die Altersvorsorge für andere Menschen geregelt, schon droht ihnen teilweise selbst finanzielle Knappheit im Ruhestand.

Gerade noch haben Versicherungsmakler die Altersvorsorge für andere Menschen geregelt, schon droht ihnen teilweise selbst finanzielle Knappheit im Ruhestand. Bild: Pixabay

Zum jetzigen Zeitpunkt haben bereits 25 Prozent aller unabhängigen Vermittler ihre Nachfolge geregelt. Allerdings denken die Makler auch schon früher ans Aufhören, etwa jeder sechste der heute unter 55-Jährigen. Das geht aus dem heute veröffentlichten Maklerbarometer von Policen Direkt hervor. An der Befragung haben 463 Makler teilgenommen.

Um ihre Nachfolge zu planen, bedienen sich viele der freien Vermittler professioneller Hilfe. Steuerberater und Maklerpools (je 39 Prozent) sowie Rechtsanwälte (29 Prozent; Mehrfachnennungen möglich) stehen hoch im Kurs. Jeder Fünfte versucht es aber auch auf eigene Faust.

Corona macht vieles schwerer

Als Herausforderung wird dabei, noch vor der Lösung rechtlicher Fragen (34 Prozent) und der Aushandlung eines guten Preises für den Bestand (45 Prozent), das Aufspüren eines geeigneten Nachfolgers gesehen (66 Prozent). Dieses altbekannte Problem potenziert sich nun mit den negativen Auswirkungen der Corona-Krise. Die Hälfte aller Befragten spricht von Rückgängen im Personengeschäft, 30 Prozent verzeichnen deutliche Einbußen im Sachgeschäft. Bei 39 Prozent ist zudem die Zahl der Serviceanfragen erheblich gestiegen. Makler arbeiten derzeit also mehr, während die Einnahmen sinken.

Durch die Kombination dieser Faktoren sinkt derzeit die Nachfrage, Maklerbestände zu kaufen beziehungsweise Maklerbetriebe als Nachfolger fortzuführen, lässt sich aus der Studie ableiten. Das drängt nicht wenige unabhängige Vermittler zum Weitermachen. So gaben 60 Prozent der über 55-jährigen Teilnehmer an, über das gesetzliche Rentenalter hinaus weiterarbeiten zu wollen. Da sie mit zunehmendem Alter aber immer weniger leisten können, werden sogenannte Makler-Run-offs zunehmend, glaubt man bei Policen Direkt. Das bedeutet, dass die Bestandscourtage ähnlich einer Rente bezogen wird, während die Bestände langsam „auslaufen“. Beraten wird nur noch auf Anfrage oder gar nicht.

Maklern droht zunehmend Altersarmut

„Es ist ein besorgniserregender Trend, dass sich viele damit auch rechtlichen Risiken aussetzen. Offenbar glauben ältere Einzelmakler aber keine Wahl zu haben, weil sie zunehmend von Altersarmut bedroht sind“, erklärt Dr. Philipp Kanschik, Mitglied der Geschäftsleitung bei Policen Direkt und dort verantwortlich für Technologieentwicklung und Maklernachfolge.

Hoffnung auf einen ordentlichen Kaufpreis könnten sich aber die Besitzer von „Qualitätsbeständen“ machen. „Das gilt im besonderen Maß für Makler, die eine starke Bindung zu ihren Kunden haben und die dazugehörigen Daten digital vorliegen haben und gut pflegen“, so Kanschik. Für diese sollte die eigene Altersarmut aber wohl generell deutlich seltener ein Thema sein.