Pflegezusatz: Verbraucherschützer kritisieren Beitragserhöhungen von bis zu 100 Prozent

Florian Burghardt Berater Versicherungen

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisiert aktuell Beitragserhöhungen von bis zu 100 Prozent für privaten Pflegeschutz. Die BaFin solle nun die Erstkalkulationen der Versicherer prüfen. Das Problem ist ein altbekanntes.

Kräftige Beitragssprünge in der privaten Pflegezusatzversicherung bringen derzeit Kunden und Verbraucherschützer auf die Palme.

Kräftige Beitragssprünge in der privaten Pflegezusatzversicherung bringen derzeit Kunden und Verbraucherschützer auf die Palme. Bild: Pixabay

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) kritisiert heute in einer Meldung die diesjährigen Beitragsanpassungen (BAP) in der privaten Pflegezusatzversicherung. Sie würden derzeit vermehrt Beschwerden von Versicherten erreichen, deren Monatsbeiträge um 60 bis 100 Prozent gestiegen sind. Speziell Pflegetagegeldversicherungen seien betroffen.

Der Vorstand der VZ NRW, Wolfgang Schuldzinski, kam dazu in der gestrigen Ausgabe der Welt am Sonntag (WamS) zu Wort: „Es ist ein Skandal, dass die Menschen jahrelang die Prämien gezahlt haben und nun, kurz bevor es auf den Versicherungsschutz ankommt, auf einmal Steigerungen der Beiträge von bis zu 110 Prozent akzeptieren sollen.“

BaFin soll Erstbeiträge genauer prüfen

Die WamS hatte in dem Bericht ausgerechnet, dass die aktuellen BAP mancher privater Krankenversicherer sogar Höchstquoten von 110 Prozent erreichen würden. Als Beispiel diente ein Ehepaar, Kunden der Union Krankenversicherung (Versicherungskammer Bayern = VKB), das nun pro Monat rund 120 Euro mehr bezahlen müsse. Zudem gebe es mehrere Fälle, in denen durch die aktuelle BAP Erhöhungen von 50 bis 100 Euro pro Monat fällig würden.

Schuldzinski sieht bei derartigen Sprüngen die BaFin in der Pflicht. Als Finanzaufsicht müsse sie genauer prüfen, ob die Erstkalkulation der Beiträge bei den betroffenen Anbietern nicht zu niedrig ausgefallen sei. Schließlich würde das Versicherungen erst einmal attraktiver für einen Abschluss machen.

Teures 2020

Auf die Erhöhungen angesprochen erklärte ein VKB-Sprecher der WamS: „Wir konnten die Beiträge in den vergangenen zwei Jahrzehnten sehr stabil halten, auch im Jahr 2019 hatten wir keinerlei Anpassungen.“ Das Jahr 2020 gilt in der Branche aber bislang als eines mit verhältnismäßig hohen Beitragssprüngen.

Kritik an solchen sprungartigen BAP ist in PKV und privater Pflegeversicherung nichts Neues. Sie sorgen immer wieder für eine Vielzahl von Verbraucherbeschwerden. Diese Sprünge basieren auf der gesetzlichen Grundlage des § 203 VVG. Dieser erlaubt PKV-Anbietern Beitragsanpassungen nur dann, wenn die Kosten für Versicherungsleistungen und die Sterbewahrscheinlichkeiten in einem Jahr einen bestimmten Prozentsatz überschreiten. Wird dies auch nur knapp verfehlt, dann wird die rechnerisch notwendige Erhöhung um mindestens ein Jahr zurückgestellt. So kommt es über Jahre immer wieder zu Summierungen und dann irgendwann zu sprungartigen Anstiegen. Aus verschiedenen Teilen der Branche kommt immer wieder der Wunsch, von dieser starren Regelung abzuweichen.

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