Pflegelücke: Sind die Lebensversicherungen vieler Enkel in Gefahr?

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News

Aber wie sollten Makler diese vage Situation in der Kundenberatung thematisieren? Relativ einfach ist es, wenn ein Großelternteil einen LV-Vertrag für sich abschließt, also die Funktionen von Versicherungsnehmer und Beitragszahler einnimmt. Dann verbleibt das Geld in jeder Hinsicht in seinem Eigentum. Ist er irgendwann auf die Hilfe zur Pflege angewiesen, wird sich an diesem bedient. Die Verhältnisse sind dann klar, auch wenn das Geld insgeheim für das Enkelkind gedacht war.

So handhabt man es zum Beispiel bei der LV 1871. Der Münchener Versicherer bietet mit seinen „Mein Plan“-Tarifen sehr aktiv Vorsorgeprodukte für Kinder an und versucht dabei auch, die Großeltern als Beitragszahler zu gewinnen. Auf procontra-Nachfrage erklärte man seitens des Versicherers, dass man noch keine direkten Erfahrungen mit Rückforderungen im Rahmen der Pflegeversicherung seit Einführung des ersten Kinderproduktes vor 15 Jahren gemacht habe. Grund dafür sei, dass die Großeltern von Anfang an als Versicherungsnehmer auftreten und das Geld erst mit Ende der Versorgungsphase auf die Enkel übergehe. Von da an startet die zehnjährige Verjährungsfrist.

Makler sollten Urteil berücksichtigen und dokumentieren

Für das andere Szenario erläutert Michaelis, wie Berater vorgehen sollten, um sich auch gegen eventuelle spätere Schadenersatzansprüche abzusichern: „Fallen Versicherungsnehmer und Beitragszahler auseinander, dann weisen Sie den Kunden als Beitragszahler darauf hin, dass er nach dem Gesetz gegebenenfalls verpflichtet sein kann, die Schenkungen aus der Lebensversicherung rückabzuwickeln, wenn er selbst in eine finanzielle Notlage gerät. Ich empfehle Ihnen, dies im Rahmen einer solchen Beratung vorsorglich zu erläutern und zu dokumentieren.“

Makler sollten diesen Hinweis beherzigen und direkt in der Praxis umsetzen. Denn bei der Celler Entscheidung handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Vielmehr spiegelt sie die gängige Praxis im Sozialrecht wider. Dabei ganz entscheidend: Die Rückforderungsansprüche der Sozialträger sind nicht auf Bankprodukte beschränkt. „Bei kapitalbildenden Versicherungsprodukten, deren Beiträge durch den Leistungsberechtigten gezahlt wurden, kann auf das angesparte Guthaben beziehungsweise den Rückkaufswert zurückgegriffen werden“, erklärte die Hamburger Sozialbehörde, beispielhaft für die zuständigen Sozialträger, auf procontra-Nachfrage.

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