Pensionskassen: Entspannung durch Kapitalanlage?

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Pensionskassen machten zuletzt viele negative Schlagzeilen, auch wegen schwacher Kapitalanlage und schlechter Transparenz. Die Bilanzen der größten deutschen Pensionskasse und zweier angeschlagener Kassen machen Hoffnung.

Olaf Keese

Olaf Keese, Vorstandschef der Caritas- und der Kölner Pensionskasse (links, im Gespräch mit procontra-Autor Detlef Pohl): „Wir konzentrieren uns darauf, die fortlaufenden Leistungen für unsere Versicherten sicherzustellen.“ (Bild: Pohl)

Der BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes, größte Pensionskasse Deutschlands, hat im vergangenen Geschäftsjahr den Überschuss deutlich gesteigert und das Ergebnis abermals dazu genutzt, die Substanz zu stärken. Insgesamt legte das Geschäftsergebnis 2019 des Branchenversorgungswerks der Banken und Finanzdienstleistungsinstitute um 124 Millionen Euro auf 213 Millionen Euro zu.

Die verwalteten Kapitalanlagen stiegen im um 3,1 Prozent auf 30,3 Milliarden Euro. Aktien, Anteile oder Aktien an Investmentvermögen und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere machen fast die Hälfte aus, davon gut 6,1 Milliarden Euro in einem Spezial-AIF mit Schwerpunkt Aktien. Insbesondere illiquide Portfoliobausteine wie Immobilien, Private Equity und Infrastruktur habe man weiter ausgebaut. Grund: „In einem Umfeld negativer Realrenditen dürften sich Sachwerte auch in Zukunft weitaus besser entwickeln als Nominalwerte“, heißt es im Ausblick des Geschäftsberichts 2019.

Die Gesamterträge der Kapitalanlage erhöhten sich um satte 164,5 Millionen Euro auf gut 1,07 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Verzinsung des Kapitalanlagebestandes betrug 3,3 Prozent (2018: 2,5 Prozent). „Das Umfeld bleibt für Kapitalanleger weiterhin extrem herausfordernd“, heißt es im Bericht. Da sich im anhaltenden Niedrigzinsumfeld die Kuponerträge rückläufig entwickeln, bleibt die Planbarkeit der Erträge bei Investments eine wesentliche Zielkomponente. Daher auch die abermalige Eigenmittelstärkung: Die Eigenkapitalquote stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent. Die aufsichtsrechtlichen Solva-Anforderungen von 1,2263 Milliarden Euro sind zu 160,9 Prozent bedeckt.

Weniger Festverzinsliche als Rückgrat der Kapitalanlage

Der zinstragende Direktbestand, dem Rückgrat der Kapitalanlage, ist durch die anhaltende Niedrigzinsphase seit Jahren unter Druck - einhergehend mit einem Abschmelzen des Bestandszinses für Rentenanlagen und einem tendenziell verschlechterten Bonitätsniveau der Neuanlagen. Der Anteil des Direktbestandes hatte 2017 beim BVV erstmals die Marke von 50 Prozent unterschritten. 2019 wurde er „zieladäquat gestärkt“, liegt aber weiter nur bei 47,3 Prozent. Sofern sich trotz des Zinsumfeldes attraktive Möglichkeiten ergeben, habe die Stärkung des zinstragenden Direktbestandes im Sinne der Ertragsstabilität unverändert Priorität, heißt es im Geschäftsbericht. 

Aus dem schon erwähnten Überschuss wurden 161,6 Millionen Euro in die Verlustrücklage eingestellt, 50 Millionen Euro zur Dotierung der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) verwendet und 1,2 Millionen Euro als Direktgutschriften ausgeschüttet. Die RfB wurde damit erstmals seit 2009 wieder dotiert. Je nach Abschlussjahr wurden unterschiedliche Überschussbeteiligungen für 2021 festgelegt: Für Abschlüsse vor 2007 gibt es keinen Zuschlag, 0,35 Prozent für Neuabschlüsse ab 2007, 0,85 Prozent ab 2012, 1,35 Prozent ab 2015 und ab 2017 dann 1,7 Prozent.

Caritas-PK mit gutem Anlageergebnis im Run-off

Kapitalerträge müssen also weiter in großem Umfang aus alternativen Anlageklassen kommen. Dies zeigt sich auch im Geschäftsbericht 2019 der Pensionskasse der Caritas (PKC). Zur Erinnerung: Die Kasse gehört zu den drei Pensionskassen, denen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) das Neugeschäft untersagt hat (procontra berichtete). Betroffen ist auch die Deutsche Steuerberater-Versicherung – Pensionskasse des steuerberatenden Berufs (DSV) in Bonn (procontra berichtete) und die PKC-Schwester Kölner Pensionskasse. Insgesamt stehen 36 Kassen unter intensivierter BaFin-Aufsicht (procontra berichtete).

Die PKC, gegründet 1952, geriet 2017 in Schieflage und musste 2018 das Neugeschäft einstellen. Für 2019 beläuft sich das Geschäftsergebnis auf 5,423 Millionen Euro (2018: 522.100 Euro; 2017: null nach Sanierung), das der Verlustrücklage und somit den Eigenmitteln zugeführt wird. In die RfB wurden weitere 5,423 Millionen Euro eingestellt (2018: nur 58.000 Euro). Damit seien nun fast 6 Millionen Euro an Verlustrücklage und 5,481 Millionen Euro an Mitteln in der freien RfB angesammelt, heißt es im Geschäftsbericht. Der Überschuss stamme ganz überwiegend aus der Kapitalanlage.

Seite 1: Wie Pensionskassen Festverzinslichen ausweichen
Seite 2: Warum Kassen in Schieflage dem Neugeschäft fernbleiben müssen