Pandemieversicherung: Kooperation von Staat und Wirtschaft gefordert

Martin Thaler Versicherungen

Während die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Versicherer noch unklar sind, überlegt die Branche, wie bei weiteren Pandemien der Versicherungsschutz gewährleistet werden kann. Nun macht sich ein weiterer Branchenvertreter für eine staatlich-privatwirtschaftliche Lösung stark.

Die Corona-Krise stellt die Versicherungswirtschaft vor große Herausforderungen.

Die Corona-Krise stellt die Versicherungswirtschaft vor große Herausforderungen. Bild: Pixabay/ geralt

Wohl kaum ein Thema hat die Versicherungswirtschaft in den ersten Corona-Monaten öffentlich so beschäftigt wie das Thema Betriebsschließungsversicherungen. Die Frustration vieler Gastronomen darüber, dass ihre Versicherung die Kosten für die Corona-bedingten Betriebsschließungen nicht übernehmen wollte, schaffte es in sämtliche große Medien und wird in Zukunft zahlreiche Gerichte beschäftigten.  

Um solche Szenarien in Zukunft zu vermeiden, ist eine Debatte darüber entbrannt, wie bei künftigen Pandemien der Versicherungsschutz sichergestellt werden kann. In dieser Diskussion hat sich nun Joachim Wenning, Vorstandschef des Rückversicherers Munich Re, zu Wort gemeldet und sich für eine staatlich-privatwirtschaftliche Lösung stark gemacht. „Das könnte so aussehen, dass sich die Versicherungswirtschaft darauf verständigt, bei einem künftigen Lockdown bis zu einem bestimmten Betrag Versicherungsschutz zu bieten“, sagte Wenning gegenüber der Nachrichtenagentur dpa und führte fort: „Im Gegenzug erhält sie eine entsprechende Risikoprämie. Wird der Betrag überschritten, könnte der Staat einspringen – aber unter der Voraussetzung, dass das Unternehmen sich selbst versichert hat." 

"Jeder wüsste, was gedeckt ist und was nicht"

Für Wenning hätte das vorgeschlagene Konzept gleich mehrere Vorteile: Neben der Schaffung einer gesunden Anreizstruktur sowie einer notwendigen Breitenwirkung würde das Konzept auch für Transparenz sorgen: „Jeder wüsste, was gedeckt ist und was nicht. Mit anderen Worten: Wer sich impft, erhält die notwendige Rückendeckung von Versicherung und Staat, wenn es ernst wird. Wir liefern den Impfstoff für die Wirtschaft.“

In ähnlicher Weise hatten sich in der jüngeren Vergangenheit bereits andere Branchenvertreter geäußert: Gegenüber T-Online hatte R+V-Vorstandsvorsitzender Norbert Rollinger erklärt, dass Pandemie-Schäden von den Versicherern allein nicht zu stemmen seien und mahnte Handlungsbedarf an: „Die Prämien für die Kunden wären sonst unbezahlbar hoch oder die Branche würde bei der nächsten Pandemie selbst untergehen“, so Rollinger.  

Andere Führungskräfte, wie Allianz-Chef Oliver Bäte, verglichen das hohe Ausmaß der durch die Pandemie verursachten Schäden erst mit der Detonation einer Atombombe, später mit dem Einschlag eines Meteoriten. Gegenüber Bloomberg sprach sich Bäte für die Schaffung eines europäischen Fonds aus, der in Krisenzeiten angezapft werden könne. Zu den denkbaren Krisenszenarien gehörten für Bäte nicht nur zukünftige Pandemien, sondern auch besonders schwere Naturkatastrophen. „Der Klimawandel wird so gravierende Folgen haben, dass es gut wäre, sich dafür ein Polster zuzulegen.“

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